Das Gesundheitsministerium der Balearen hat am Mittwoch den ersten Fall der mysteriösen Hepatitis-Krankheit auf den Balearen vermeldet, die aktuell in einem Dutzend Länder auftaucht. Ein Junge unter zwei Jahren sei vor einer Woche deswegen in ein Krankenhaus auf Mallorca eingeliefert worden. Die Behandlung schlug den Behörden zufolge gut an und der kleine Patient konnte inzwischen wieder nach Hause.

Weltweit sind laut EU-Gesundheitsbehörde ECDC bereits mindestens 190 Kinder an Hepatitis mit unklarer Ursache erkrankt, davon rund 40 im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Die meisten Fälle traten bisher in Großbritannien auf, dort erkrankten 111 Kinder. Außerhalb von Großbritannien und dem EWR wurden Fälle in Israel und den USA vermeldet. Spanien vermeldete am vergangenen Freitag insgesamt 13 Fälle, am 29.4. werden neue Zahlen erwartet.

Hepatitis mit unklarer Ursache: 17 Kinder benötigten eine Lebertransplantation

Keines der Kinder war mit klassischen Hepatitis-Viren (A, B, C, D oder E) infiziert. In der Regel verläuft eine Hepatitis bei Kindern Experten zufolge ohne Symptome oder nur mit geringer Beeinträchtigung. Bei vielen der nun betroffenen Kinder sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO stark erhöhte Werte an Leberenzymen und Gelbsucht registriert worden.

Laut WHO benötigten insgesamt 17 Kinder eine Lebertransplantation, mindestens eines sei gestorben. Bei 74 Patienten wurden Adenoviren gefunden. Die WHO wies jedoch darauf hin, dass diese Viren in der Regel nur leichtere Symptome wie etwa Atemwegserkrankungen hervorrufen.

Kein Zusammenhang mit der Corona-Impfung

Nun müsse ein möglicher Zusammenhang mit der Corona-Pandemie untersucht werden. Für die WHO ist es denkbar, dass Kinder anfälliger für Adenoviren sind, weil diese Erreger während der Pandemie weniger übertragen wurden. Außerdem wird der Hypothese nachgegangen, dass Zweifachinfektionen mit Adenoviren und dem Coronavirus eine Rolle spielen. Einen Zusammenhang mit der Corona-Impfung gebe es nicht, der Großteil der Patienten sei ungeimpft.

Laut WHO ist aktuell noch nicht einmal klar, ob es wirklich eine Häufung gibt, oder ob wegen der erhöhten Aufmerksamkeit für solche Leberentzündungen derzeit mehr Fälle entdeckt werden. /mwp, dpa