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Wie auf Mallorca die Kostenübernahme bei Medikamenten organisiert ist

Wer in Besitz der spanischen Gesundheitskarte ist, hat viele Vorteile. Zu welchen Konditionen Patienten und Seguridad Social sich die Gebühren für Arzneimittel aufteilen

Typischer Handgriff der Apotheker auf Mallorca: Ausschneiden des Barcodes zur Verrechnung des Medikaments.

Typischer Handgriff der Apotheker auf Mallorca: Ausschneiden des Barcodes zur Verrechnung des Medikaments. / B. RAMON

Simone Werner

Simone Werner

Die rote Krankenversicherungskarte von IB-Salut haben die meisten Residenten. Ärzte laden die elektronischen Rezepte darauf, in der Apotheke wird die Karte dann eingelesen, und man bekommt seine Medikamente – teilweise – günstiger. Im Folgenden erklären wir die Funktionsweise der tarjeta sanitaria, die Möglichkeiten der Kostenübernahme durch die Seguridad Social und die für Patienten in den Apotheken geltenden Abholfristen.

Welche Medikamente werden (teils) übernommen?

Voraussetzung dafür, dass ein Medikament (teilweise) von der Sozialversicherung übernommen werden kann, ist zunächst, dass es überhaupt zur Vermarktung zugelassen ist. In Betracht ziehen die Gesundheitsbehörden laut Rosa García vom balearischen Apothekerverband Cofib auch, wie groß der therapeutische Nutzen, wie zwingend die Verabreichung und wie innovativ das Medikament. Von der Finanzierung ausgeschlossen sind Arzneimittel zur Behandlung geringfügiger Symptome (Grippebekämpfung, Verstopfung, trockene Augen usw.).

Wo kann man sehen, ob die Kosten übernommen werden?

Die Ärzte in den öffentlichen Gesundheitszentren (centros de salud) oder Krankenhäusern sehen laut einem Sprecher von der balearischen Gesundheitsbehörde IB-Salut in ihrem Programm direkt, ob die spanische Sozialversicherung sich an den Kosten beteiligt. Patienten können sie explizit danach fragen.

Alternativ kann man sich in der Datenbank BIFIMED, die das spanische Gesundheitsministerium verwaltet, selbst darüber informieren. Dazu ganz oben in der Suchmaske den Wirkstoff oder das Kombinationspräparat („Principio activo o asociación“) oder, ein Feld darunter, den Namen des Medikaments („Nombre o CN del medicamento“) eingeben und unten auf „buscar“ klicken.

Gibt man etwa „Fosfomicina“ ein, erscheint eine Liste mit 44 Treffern. Unter „Nombre del medicamento“ finden sich Details zur Darreichungsform eines jeden einzelnen Medikaments. Steht bei „Situación de financiación“ „Sí“, wird es übernommen. Wer ganz rechts in der Tabelle auf das + bei „Más Información“ geht, erfährt beim Punkt „Aportación usuario“, ob der Patient noch etwas dazuzahlen muss oder auch welches Labor hinter dem Arzneimittel steckt.

In der Apotheke erkennt man die von der Sozialversicherung geförderten Medikamente auch an einem ausschneidbaren Coupon mit Code auf der Verpackung.

In der Apotheke kann man explizit danach fragen, ob die Seguridad Social einen Teil des Preises übernimmt.

In der Apotheke kann man explizit danach fragen, ob die Seguridad Social einen Teil des Preises übernimmt. / Ramon

Wie berechnet sich der Anteil, den die Patienten dazuzahlen müssen?

Laut dem Sprecher von IB-Salut gilt es zunächst, zwei Arten von Medikamenten zu unterscheiden: Bei denen mit ermäßigter Zuzahlung (aportación reducida) zahlen die Patienten zehn Prozent des Arzneimittelpreises und höchstens 4,24 Euro. Zu dieser Medikamentengruppe gehören etwa Beruhigungsmittel oder Cholesterinsenker. Bei der zweiten, „normalen“ Kategorie (aportación normal ) werden laut García zwei Dinge berücksichtigt: der Status der Versicherten (berufstätig oder verrentet) sowie die Höhe ihres Einkommens. Bei berufstätigen Nutzern verhält es sich wie folgt: Alle, deren Jahreseinkommen unter 18.000 Euro liegt, zahlen 40 Prozent des Arzneimittelpreises. Nutzer mit einem Einkommen zwischen 18.000 und 100.000 Euro pro Jahr zahlen 50 Prozent. Wer mehr als 100.000 Euro pro Jahr verdient, wird mit 60 Prozent zur Kasse gebeten. Bei Medikamenten für Kinder und Jugendlichen gelten die gleichen Konditionen wie bei ihren Eltern.

Seit 2019 zahlen alle auf den Balearen lebenden Senioren, die weniger als 100.000 Euro Rente pro Jahr beziehen, statt wie zuvor zehn Prozent des Arzneimittelpreises des elektronischen Rezepts gar nichts mehr dazu. Rentner, die auf über 100.000 Euro pro Jahr kommen, zahlen 60 Prozent des Preises, höchstens jedoch 61,75 Euro pro Monat.

Daneben gibt es Härtefälle. Für sie kann die spanische Sozialversicherung den Gesamtpreis für Arzneimittel übernehmen. Darunter fallen etwa Langzeitarbeitslose, die ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld verloren haben, oder auch Patienten, die infolge eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit behandelt werden müssen. Auch Bezieher des Mindesteinkommens oder Minderjährige mit einem Behinderungsgrad von mindestens 33 Prozent gehören zu dieser Gruppe.

Woher weiß die Apotheke, ob ein Medikament von der Seguridad Social unterstützt wird?

Unter anderem an dem erwähnten ausschneidbaren Coupon mit Strichcode erkennen die Mitarbeiter, dass es sich um ein von der spanischen Sozialversicherung unterstütztes Mittel handelt. Den Coupon schneiden sie meist mit einem Cutter aus. Später reichen sie die Coupons gemeinsam mit den Rezepten für die Rückerstattung gesammelt bei der Seguridad Social ein.

Muss man Privatrezepte zu 100 Prozent selbst zahlen?

Wer mit einem Rezept von einem in den privaten Gesundheitseinrichtungen arbeitenden Ärzten die Apotheke aufsucht, bekommt trotz Coupon auf der Medikamenten-Verpackung keine Vergünstigung.

In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass man sich das Medikament nach Rücksprache mit dem zuständigen Hausarzt des öffentlichen Gesundheitszentrums selbst nachträglich verschreiben und auf seine tarjeta sanitaria setzen lassen kann, sofern er mit der Einnahme und der verschriebenen Dosis einverstanden ist. „Dazu gezwungen sind die Hausärzte aber nicht“, betont ein Sprecher der balearischen Gesundheitsbehörde IB-Salut.

Hebt man den Kassenzettel und die Verpackung des Mittels auf und zeigt beides beim nächsten Besuch zeitnah in der Apotheke vor, bekommen Patienten den Anteil, den die Seguridad Social übernimmt, nachträglich zurückerstattet. Im Gegenzug behält die Apotheke den Coupon ein.

Welche Frist gilt für die Abholung eines Medikaments?

Papier-Rezepte sind zehn Tage gültig. Auch die auf der tarjeta sanitaria eingetragenen Medikamente müssen innerhalb von zehn Tagen abgeholt werden. Bei spezifischen Impfstoffen (Hyposensibilisierung) gelten 90 Tage. In Sonderfällen, etwa bei der Behandlung chronischer Erkrankungen, kann der Arzt den Abholzeitraum laut dem IB-Salut-Sprecher individuell anpassen.

Wer kann Medikamente auf die tarjeta sanitaria setzen?

Nicht nur Ärzte der Primärversorgung (atención primaria) haben die Berechtigung dazu, sondern auch viele Fachärzte und (je nach Medikament) einige Krankenpfleger.

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