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So viele gesundheitsschädliche Stoffe sind in Binden und Tampons

Die Fundación Rezero hat in den Hygieneprodukten gefährliche Substanzen nachgewiesen. Was die Experten nun fordern

Wer Gesundheitsrisiken vermeiden will, sollte – auch um die Umwelt zu schonen – auf Mehrweg-Alternativen umsteigen.

Wer Gesundheitsrisiken vermeiden will, sollte – auch um die Umwelt zu schonen – auf Mehrweg-Alternativen umsteigen. / FREEPIK/INAPLAVANS

Binden, Slipeinlagen oder Tampons: Das sind Produkte, die viele Frauen regelmäßig verwenden, wenn sie ihre Periode bekommen. Die Fundación Rezero hat kürzlich in einer Studie nachgewiesen, dass viele der Einweg-Menstruationsprodukte, die spanienweit angeboten werden, einen hohen Plastikanteil aufweisen. Die Stoffe sind für Frauen und auch künftige Generationen gesundheitsgefährdend, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung, die sich für nachhaltigeren Konsum einsetzt. Das Projekt ist in Zusammenarbeit mit dem Instituto de Diagnóstico Ambiental y Estudios del Agua (IDAEA-CSIC) entstanden und wird von der Abteilung für Gleichstellung und Feminismus der katalanischen Regierung unterstützt.

Im Rahmen der Studie wurden die Proben von zehn verschiedenen hierzulande verkäuflichen Damenbinden und Tampons untersucht. Unter den 36 festgestellten Inhaltsstoffen fielen 19 Weichmacher auf. Erschreckend ist dabei, dass in allen untersuchten Produkten schädliche Stoffe nachgewiesen werden konnten.

Diese Stoffe wurden gefunden

Die Tester fanden zum einen Phthalate / Phthalsäureester, und zwar in vier von neun getesteten Inhaltsstoffen. Zudem stellten sie in neun von 17 untersuchten Inhaltsstoffen Phosphorsäureester fest. Weichmacher-Alternativen für die Phthalate / Phthalsäureester konnten in sechs von zehn getesteten Substanzen ausfindig gemacht werden. Viele der genannten Stoffe, wie etwa Phosphorsäureester, könnten eine krebserregende, neurotoxische und endokrinschädliche Wirkungen haben und Risiken wie Fortpflanzungsstörungen, Diabetes oder Fettleibigkeit mit sich bringen. Besonders bedenklich sei auch, dass die Giftstoffe durchs Stillen oder die Schwangerschaft von den Frauen an die Kinder übergehen werden und so auch auf nachkommende Generationen Auswirkungen haben können.

Die Ergebnisse der Studie.

Die Ergebnisse der Studie. / Fundación Rezero

Strengere Regulierung

Rezero warnt vor den Produkten, da sie in direktem Kontakt mit dem Körper, und sogar mit einem sehr sensiblen Bereichen wie den Genitalien sind. Die Stiftung fordert, dass die Produkte solange aus dem Verkauf genommen werden, bis nachgewiesen werden kann, dass sie unbedenklich für die Gesundheit sind. Zudem will das IDAEA-CSIC den Grad der Absorption und die tatsächlichen Auswirkungen der Weichmacher auf den Körper künftig noch detaillierter untersuchen.

Wiederverwenden statt Einweg

Einweg-Menstruationsprodukte würden täglich von Millionen von Menschen verwendet werden, so die Argumentation von Rezero. Auch über die gesundheitsschädlichen Stoffe hinaus gingen die Produkte mit hohen Umweltbelastungen und wirtschaftlichen Kosten einher. Konkret fordern die Umweltschützer Folgendes:

Zum einen sollen giftige Substanzen in Menstruationsprodukten verboten und ihr Vertrieb strenger reguliert werden. Zum anderen sollten die Angaben zu den Inhaltsstoffen transparenter sein. Hersteller sollen alle Bestandteile auflisten, damit sich die Verbraucher darauf aufbauend entscheiden können. Auch sollten menstruierende Frauen besser über die Gefahren und mögliche Alternativen informiert werden. Rezero setzt sich dafür mit einem Programm namens „Nou Període“ ein.

Zudem müsse für einen leichteren Zugang zu wiederverwendbaren und schadstofffreien Produkten gesorgt werden, etwa Menstruationstassen, -unterwäsche oder Stoffbinden. Wenn Frauen auf wiederverwendbare Alternativen umsteigen, könnten die Kosten für die Entsorgung der Hygieneprodukte extrem gesenkt werden. Allein im Großraum Barcelona koste diese Entsorgung mehr als zehn Millionen Euro pro Jahr. Das sind Kosten, die nach Ansicht von Rezero nicht die Bürgerinnen und Bürger über ihre Müllgebühren tragen sollten, sondern die Hersteller.

Die Studie ist Teil einer „Toxic-Free Future Declaration“, die allein in Spanien schon mehr als 100 renommierte Mediziner und Wissenschaftler unterzeichnet haben. Sie fordern, dass Verbraucherprodukte, insbesondere Produkte mit direktem Kontakt zur Haut wie Menstruationsartikel, Windeln oder Plastikverpackungen, keine giftigen Substanzen enthalten dürfen.

Öko-Test: keine Schwermetalle: Die Zeitschrift „Öko-Test“ hat im Sommer 2024 Tampons, die auf dem deutschen Markt zu kaufen sind, untersuchen lassen (Ausgabe 9/2024, https://www.oekotest.de/kosmetik-wellness/Sind-Schwermetalle-in-Tampons-hierzulande-ein-Problem--23-Produkte-im-Test_14826_1.html). Zuvor hatte eine US-Studie für mediales Aufsehen gesorgt. Laut dieser wurden in den Produkten giftige Schwermetalle wie Arsen, Blei und Cadmium gefunden. „Öko-Test“ stieß zwar bis auf Quecksilber, und Selen, auch auf alle untersuchten Elemente. Doch die Messwerte waren in der Tendenz niedriger als die in der US-Studie und seien unbedenklich. „Öko-Test“ hat 23 Tampons der Größe „normal“, „medium“ beziehungsweise mit mittlerer Tröpfchenanzahl geprüft – allerdings nur auf Schwermetalle. dpa/sw

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