Die Krankentransportfahrer auf Mallorca sagen im letzten Moment den angedrohten Streik ab
Angestellte und Vertreter von Ibsalut einigten sich Stunden vor Beginn des Ausstandes über weitere Verhandlungen. Die Gesundheitsbehörde machte erste Zusagen

Stehen die Krankentransporte des staatlichen Unternehmens GSAIB ab Montag (23.12.) komplett still? Derzeit deutet alles auf einen Streik hin. / CAIB
Streik gerade noch einmal verhindert: Vertreter der Krankentransportfahrer auf Mallorca und der Gesundheitsbehörde Ibsalut haben sich am Donnerstagabend (19.12.), wenige Stunden vor Beginn eines angedrohten Ausstandes, doch noch zusammengerauft. Nach ersten Zusagen der Gesundheitsbehörde über bislang ausstehende Gehaltszahlungen und die Bereitschaft, weiterzudiskutieren, entschieden die Gewerkschaften, die Streiks zunächst abzusagen.
Bis dahin hatte es so ausgesehen, dass diejenigen, die in den Tagen über Weihnachten auf Mallorca auf einen Krankentransport angewiesen sind, in Schwierigkeiten geraten könnten. Denn die Transportsanitäter drohten ab Freitag (20.12.) um 10 Uhr zunächst mit einzelnen Stunden Warnstreik, ab Montag vor Heiligabend dann mit einem unbefristeten Ausstand.
Bereits am Mittwoch (18.12.) hatten sich Vertreter der für die Fahrer zuständigen Gesundheitsbehörde IbSalut und Gewerkschaftsrepräsentanten vor dem balearischen Arbeitsgericht Tamib getroffen, um zu versuchen, die Differenzen doch noch beizulegen. Allerdings zunächst ohne Einigung.
Stiefmütterliche Behandlung der Angestellten
Im Vorfeld hatte sich Javier Marin, Arbeitnehmervertreter bei der Gewerkschaft UGT, in der MZ pessimistisch geäußert, dass es zu einer Lösung kommen würde. „Wir hatten bereits vor ein paar Tagen einen Termin beim Arbeitsgericht und haben stundenlang auf die Vertreter von IbSalut gewartet. Am Ende hat sich der Geschäftsführer zehn Minuten über einen Videoanruf zugeschaltet“, empörte sich Marin.
Überhaupt behandle ihr Arbeitgeber die rund 900 Mitarbeiter des für die Krankentransporte zuständigen Unternehmens GSAIB mehr als stiefmütterlich und schulde einigen Angestellten beispielsweise noch Gehaltszahlungen von vor mehr als eineinhalb Jahren.
Sanitäter oder nicht?
Der zentrale Punkt des Konflikts allerdings ist die Frage darüber, ob die sogenannten Transportsanitäter wirklich Sanitäter sind oder nicht. Die Angestellten sind überzeugt, dass ja. Schließlich hätten sie eine mittlere medizinische Ausbildung, und obwohl sie vor allem geplante Krankentransporte ausführen, müssten sie doch häufig genug eingreifen und medizinische Kenntnisse an den Tag legen, wie Javier Marin beschreibt.
„Rund 40 Prozent unserer Fahrgäste sind Dialyse-Patienten, die nach ihrer Behandlung häufig mit Nebenwirkungen wie etwa Schwindel oder auch allergischen Reaktionen zu kämpfen haben.“ Und immer wieder passiere es auch, dass sich der Katheter, durch den das Blut fließt, löse. „Und dann muss die Blutung schnell gestoppt werden“, sagt Marin, der selbst seit 31 Jahren Transportsanitäter ist. Und nicht zuletzt würden sie gerade im Sommer oder nachts bei Personalengpässen der Rettungswagen auch immer wieder zu Notfalleinsätzen geschickt.
Es geht auch um Tausende Euro
Warum die Gesundheitsbehörde sie nicht als Sanitäter anerkennen will, versteht er nicht. „Es gibt zahlreiche königliche Dekrete und Gesetze aus den Autonomen Gemeinschaften, die uns dieses Recht einräumen.“ Die Einstufung ist finanziell relevant: Marin beziffert das mögliche Gehaltsplus auf mindestens 8.000 Euro im Jahr, sollte er als Sanitäter hochgestuft werden.
Bei IbSalut sieht man die Lage denn auch anders. Eine Sprecherin verweist darauf, dass das zentralstaatliche Gesetz, das die Berufe im Gesundheitswesen reguliert, den Krankentransportfahrern eben nicht den Status von Sanitätern einräumt. „Und da sind uns die Hände gebunden, das können wir nicht einfach so eigenhändig ändern“, erklärt die Sprecherin der MZ.
Wie sich jetzt herausgestellt hat, gibt es allerdings offenbar doch Verhandlungsspielraum. Die Gespräche sollen im neuen Jahr weitergehen. Allerdings sind weitere Streikandrohungen nicht ganz ausgeschlossen, sollte es nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter nicht deutlich vorangehen.
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