Abtreibung auf Mallorca: Wie auf der Insel ein Schwangerschaftsabbruch abläuft
Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind, können auf Mallorca sowohl über das private als auch das öffentliche Gesundheitssystem abtreiben. Vorgehen, Unterschiede und Kosten im Überblick

Für manche Frauen ist ein positiver Schwangerschaftstest ein Schock. | FOTO: DPA
Nachdem sie schon eine Woche lang vergeblich auf ihre Periode gewartet hatte, wollte Valentina Fischer (Name von der Redaktion geändert) Klarheit. Sie hatte ein komisches Gefühl. In letzter Zeit musste sie häufig nachts auf Toilette, war müde, zudem spannten ihre Brüste. Der Schwangerschaftstest bestätigte ihre Vorahnung: positiv. Mit ihrem Partner war sie zum damaligen Zeitpunkt erst wenige Monate zusammen. Ob sie überhaupt jemals Kinder haben will, weiß sie bis heute nicht. „Die Entscheidung, abzutreiben, stand daher relativ schnell fest. Dennoch hatte ich große Angst davor, welche Schmerzen auf mich zukommen würden und wie sehr mich die Abtreibung psychisch belasten würde, so die 31-Jährige zur MZ.
Privatkliniken
Um die Schwangerschaft bestätigen zu lassen, auf Deutsch gut beraten zu sein und keine Zeit zu verlieren, meldete sie sich bei einer deutschsprachigen Gynäkologin in einem privaten Ärztezentrum. „Schwanger in der fünften Woche plus drei Tage“, so der „Befund“. 160 Euro zahlte sie für den Ultraschall und das Beratungsgespräch. „Viel Beratung gab es nicht. Meine Entscheidung stand ja schon fest“, so Fischer. Die Abtreibungstabletten selbst dürfe die Ärztin ihr nicht geben, dafür müsse sie spezielle Kliniken aufsuchen, hieß es. „Sie hat mir das Centro Médico Aragón empfohlen, wo ich innerhalb von zwei Tagen einen Termin bekommen habe.

Zuerst wird die Schwangerschaft selbst und der Zeitpunkt der Schwangerschaft bestimmt. / DPA
Erste Pille noch in der Klinik
Dort wurde erneut ein Ultraschall gemacht. Mich hat aber zum Beispiel niemand danach gefragt, warum ich die Schwangerschaft abbrechen möchte“, wunderte sich Fischer. Allergien, vorherige Schwangerschaft, Abtreibungen, Operationen? Unter anderem das wurde abgefragt. „Zudem musste ich unterschreiben, dass ich das Risiko eingehe, dass bei der Einnahme der Pillen etwas schiefgehen kann und womöglich zusätzlich ein operativer Eingriff notwendig ist“, erzählt Fischer.
Noch in der Klinik sollte sie die erste Tablette einnehmen, die dafür sorgte, dass die Schwangerschaft nicht voranschreitet. Dieses Mal wurde sie mit 370 Euro zur Kasse gebeten. „Weitere andere vier Tabletten habe ich mitbekommen. Sie musste ich zwei Tage später zu Hause vaginal einführen.“ Dazu hatte sie Schmerzmittel verschrieben bekommen.
PILLE DANACH: SEIT 2009 OHNE REZEPT ERHÄLTLICH
Auch auf den Balearen muss man es erst gar nicht dazu kommen lassen, schwanger zu werden. Die „Pille danach“ (la píldora del día siguiente) gibt es hierzulande schon seit 2009 rezeptfrei in der Apotheke. In Deutschland benötigt man ebenfalls kein Rezept. Manche der hiesigen Präparate kann man bis zu drei Tage nach „dem Unfall“ einnehmen, andere sogar bis zu fünf Tage danach. Kostenpunkt: zwischen 19 und 33 Euro. In den centros de salud gibt es die Pille umsonst.
Die Entscheidung war schnell getroffen
Die Tage, bis die Abtreibung durch war, waren schlimm. Starke Schmerzen, Blutungen, Ungewissheit darüber, wie der Körper die Abtreibung wegsteckt und gleichzeitig das schlechte Gewissen, entstehendes Leben zu zerstören. Eine Woche später stand die Nachsorgeuntersuchung im Centro Médico Aragón an. Sie war im Preis enthalten. Die Fruchtblase war nicht mehr auf dem Ultraschall zu sehen. Auch sonst sei alles gut verheilt. „Eine Abtreibung ist definitiv etwas, was ich nicht noch einmal erleben möchte. Dennoch war es in meinem Fall das kleinere Übel: Eine Schwangerschaft, plus Geburt, zudem ein Leben lang ein Kind zu haben, hätte einen viel größeren Einfluss auf mein Leben und auf meine psychische Gesundheit gehabt“, weiß Fischer.
Öffentliches Gesundheitssystem
Was sie nicht wusste: Auch über das öffentliche Gesundheitssystem (Seguridad Social) ist eine Abtreibung (aborto voluntario) möglich. Die gesetzlichen Bestimmungen dazu sind in der Ley Orgánica 1/2023, vom 28. Februar festgehalten, einer Anpassung der Ley Orgánica 2/2010 vom 3. März zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit und dem freiwilligen Schwangerschaftsabbruch. Die Leitlinien der balearischen Gesundheitsbehörde finden sich unter diesem Link.
Die schwangere Frau muss zunächst bei dem ihr zugeteilten Gesundheitszentrum (centro de salud) oder über die Telefonzentrale Infosalut Connecta einen Termin ausmachen. Dabei sollten unbedingt die Worte „Quiero interrumpir mi embarazo“ (Ich will meine Schwangerschaft abbrechen) fallen. „Innerhalb von sieben Tagen bekommt sie dann einen Termin in einer speziellen Sprechstunde, in der ein Gynäkologe vor Ort ist, im centro de salud oder Krankenhaus“, so ein Sprecher von IB Salut. Schwangerschaftsabbrüche dürfen bis zur 14. Woche durchgeführt werden. Wer jünger als 16 Jahre alt ist, müsse in Begleitung seiner Eltern kommen und braucht für den Abbruch auch deren Einverständnis. Wer 16 oder 17 Jahre alt ist, kann alleine kommen und braucht keine elterliche Zustimmung. Hier lauten die Stichwörter menores capaces (fähige Minderjährige). „Das ist seit der Gesetzesänderung neu“, so der Sprecher.
Aufklärung über Rechte, Leistungen, Risiken
Dann wird erst einmal die Schwangerschaft und der Zeitpunkt festgestellt. Zudem klärt das Gesundheitspersonal die Frau über ihre Rechte, Leistungen und öffentliche Hilfe im Falle einer Mutterschaft auf. Auch die Risiken des Schwangerschaftsabbruchs sind Thema. Wie der Schwangerschaftsabbruch vonstattengeht, hängt dann vom Zeitpunkt der Schwangerschaft ab.
Bis zur 9. Woche kann der Abbruch schon in der ersten Sprechstunde per Abtreibungspille vorgenommen werden. Drei Tage Bedenkzeit, die einst bis zum Abbruch galten, sind mittlerweile laut dem Sprecher nicht mehr notwendig. Befindet sich die Frau zwischen der 9. und 14. Woche wird sie an eines von drei Zentren verwiesen, mit denen das öffentliche Gesundheitssystem zusammenarbeitet. Darunter ist auch hier das Centro Médico Aragón, in dem auch Fischer den Abbruch hat vornehmen lassen, sowie auch die Clínica Emece. Die dortigen Gynäkologen sind auf das Thema Abtreibung spezialisiert.
Operativer Eingriff statt Pille
Ist die Schwangerschaft fortgeschritten, müsse oft ein operativer Eingriff vorgenommen werden, der normalerweise aber mit lokaler Anästhesie über die Bühne gebracht wird. Im Anschluss gibt es eine Nachsorgeuntersuchung. Die Abtreibung über das öffentliche Gesundheitssystem ist für die Frau kostenlos. Damit in den privaten Zentren keine Kosten auf sie zukommen, muss die Schwangerschaft aber unbedingt zuvor in einer Einrichtung des öffentlichen Gesundheitssystems festgestellt worden sein.
Hilfe beim Schwangerschaftsabbruch
• Gesetzliche Grundlage für freiwillige Schwangerschaftsabbrüche im öffentlichen Gesundheitssystem: https://www.boe.es/eli/es/lo/2023/02/28/1
Infosalut Connecta: Tel.: 971-22 00 00
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