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Fünf Jahre Corona-Pandemie auf Mallorca

"In dem Moment hatte ich Angst": der Anwalt, der ins Krankenhaus musste

Xisco López (50) ist Rechtsanwalt und Leiter der Anwaltskanzlei Staubach. Im Herbst 2020 lag er mit einer schweren Corona-Erkrankung im Krankenhaus

Xiso López in seiner Anwaltskanzlei Bufete Staubach in Palma

Xiso López in seiner Anwaltskanzlei Bufete Staubach in Palma / Nele Bendgens

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Sophie Mono

Sophie Mono

Am Freitag (7.2.) ist es auf den Tag fünf Jahre her, dass auf Mallorca der erste Covid-19-Infizierte registriert wurde: der britische Mallorca-Resident hatte sich auf Reisen bei einem Landsmann, der zuvor in Asien war, angesteckt. Es war der Beginn einer Pandemie, die auch die Insel in Atem hielt: Lockdown, überlastete Krankenhäuser, Zusammenbruch des Tourismus, verzweifelte Unternehmer, wütende deutsche Zweithausbesitzer und nicht zuletzt umstrittene Corona-Leugner. Die Gefahr ging erst ab Ende 2022 zurück, als sich die weniger aggressive Virus-Variante Omikron verbreitete. Sophie Mono hat verschiedene Menschen gebeten, diese Zeit noch einmal Revue passieren zu lassen – und zu überlegen, welche Lehren sie persönlich und beruflich aus den Pandemie-Erfahrungen auf Mallorca ziehen. Teil 2: Xisco López (50) ist Rechtsanwalt und Leiter der Anwaltskanzlei Staubach.

Im Lockdown: mit den Kunden mitleiden

Als Familienvater und Chef einer Firma versuche ich immer, Sicherheit zu vermitteln. Als die ersten Corona-Nachrichten umgingen, habe ich noch gesagt: „Nein, das wird kein Problem, wir haben eine fantastische Regierung, alles ist unter Kontrolle.“ Bis zum Lockdown. Da habe ich reflektiert und gedacht: „Ok, das wird ernst.“ Als plötzlich alles dicht war, war mir klar, dass sich das nicht in einem Monat wieder einrenkt. Ich habe allerdings gedacht, dass, wenn die ganze Welt nach einem Impfstoff forscht, sie ihn schnell finden werden. Dass wir relativ schnell wieder ein relativ normales Leben führen können.

Die ersten Wochen des Lockdowns waren ziemlich hart und chaotisch. Nicht aus familiärer Sicht, sondern bezüglich meiner Kunden. Für sie war es psychologisch sehr hart. Sie fragten mich: Was soll ich tun? Was soll ich zu bezahlen aufhören? Soll ich schon Konkurs anmelden? Für uns war es sehr viel Arbeit. Ich fungierte aus dem Homeoffice praktisch als Anwalt und Psychologe. Die Leute wollten eine Lösung hören, die es nicht gab. Für viele war es eine Katastrophe. Das hat mich auch mitgenommen, viele Kunden kenne ich schon seit Jahren.

Um meine Kinder hatte ich wenig Angst, obwohl man als Vater natürlich immer ein bisschen Sorge hat. Was meine Eltern und ältere Familienangehörige angeht schon eher. Was mich selbst betrifft, bin ich überhaupt nicht ängstlich. Ich dachte: Selbst wenn ich mich mit Corona infizieren sollte, wird es mich nicht schwer treffen.

Im Büro angesteckt

Ich habe micht getäuscht. Anfang Oktober steckte ich mich bei Kunden hier im Büro an. Zunächst fühlte ich mich angeschlagen, wie zu Beginn einer Grippe. Ich hatte kein Fieber, aber irgendwie fühlte ich mich schlecht. Als es mir zwei Tage später immer noch nicht besser ging, ließ ich mich testen. Dann bekam ich eine Lungenentzündung, etwa eine Woche nach dem Test. Die Ärztin vom Gesundheitszentrum rief mich an und fragte, wie es mir gehe. Das war ein Donnerstag vor einem langen Wochenende. Sie sagte, wenn ich übers Wochenende Atemnot bekommen sollte, solle ich sofort den Notruf wählen. Und tatsächlich: Von Tag zu Tag bekam ich weniger Luft. Erst dachte ich: Das ist psychologisch bedingt. Aber am Samstag hatte ich auch liegend Atemnot. Also rief ich den Notruf, damit sie mich in die Notaufnahme bringen. Denn sie hatten mir vorher eingebläut, dass mich ein spezieller Wagen abholen muss und ich nicht einfach so losfahren darf. Aber die Ärztin der Notrufzentrale fand, dass ich am Telefon nicht so schlecht klang.

"Ich dachte, ich würde sterben"

Am Sonntag war es noch schlimmer, aber sie wollten mich wieder nicht abholen. Also habe ich das Auto genommen und bin unter Schwindel selbst ins Krankenhaus Son Espases gefahren. Dort fragte mich der Arzt in der Notaufnahme, warum ich nicht früher gekommen sei. Die Lungenentzündung sei beidseitig und ernst, die Sauerstoffwerte im Blut sehr niedrig. In dem Moment hatte ich Angst. Ich dachte, ich würde sterben. Weil der Arzt so hart war. Es hänge alles davon ab, wie sich mein Zustand in den kommenden 24 Stunden verändere. Er habe Patienten in meinem Zustand gehabt, die kurz später auf die Intensivstation mussten. Und er sagte: „Wir wissen genauso wenig über dieses Virus wie Sie und es gibt kein Medikament.“ Und ich dachte: „Ich kann es nicht fassen! Nach allem, was ich im Leben gemacht habe, nach dem Motorradunfall, den ich hatte, werde ich nun an diesem Virus sterben?"

Letztlich hatte ich Glück. Mein Zustand blieb stabil, ich musste nicht auf die Intensivstation. Aber besser wurde es in den ersten Tagen im Krankenhaus auch nicht. Erst als ich auf eigene Faust Antibiotika nahm, ging es bergauf.

Erdrückende Isolation

Ich war alleine in einem Zimmer, die Tür war ständig zu. Das Personal hat mich exzellent gepflegt, aber ich bin es nicht gewohnt, isoliert zu sein. Zum Glück hatte ich mein Handy. Nach neun Tagen durfte ich entlassen werden. Man hätte mich aus Studienzwecken gerne noch länger dabehalten, aber ich konnte nicht mehr, aus psychologischer Sicht, ich musste da raus. Ich bin davon überzeugt, dass man eine positive Einstellung braucht, um schneller gesund zu werden, und ich merkte, dass mir die abhandenkam.

Nach dem Krankenhausaufenthalt musste ich die Lungenentzündung zu Hause ganz auskurieren. Seitdem habe ich keinerlei Nachwirkungen mehr, nichts. Seit den Corona-Impfungen habe ich nicht einmal mehr eine Grippe bekommen.

Mehr genießen, statt horten

Und ich habe auch meine Einstellungen nicht geändert. Ich denke zum Beispiel weiterhin, dass unser Gesundheitssystem zwar mehr Personal bräuchte, aber exzellent ist und ihm bei der Verteilung des Haushalts in normalen Zeiten nicht mehr Geld zukommen muss als bisher.

Überhaupt hat mich die Krankheit und auch die Pandemie wenig verändert. Heute kommt es mir so vor, als sei es eine Sequenz aus einem Film gewesen und nicht mein eigenes Leben. Das einzige, was ich langfristig als Veränderung wahrnehme, ist, dass ich weniger an die Zukunft denke und mehr im Hier und Jetzt lebe. Ich bin von Natur aus ein sehr planerischer Mensch, aber statt an nächstes Jahr denke ich jetzt eher an nächste Woche. Ich glaube, dass ist gut, für mich fühlt es sich befreiend an.

Ich habe den Eindruck, dass viele Leute in diese Richtung tendieren. Ich bin immer gerne gereist, und die Leute scheinen mehr den je zu reisen. Generell wird mehr konsumiert. Die Leute gehen mehr raus, genießen, was sie haben, statt alles zu horten. Das hat sicherlich auch mit den Pandemieerfahrungen zu tun.

Kinder unverändert

Bei wem ich keinerlei bleibenden Nachwirkungen feststelle, sind die Kinder. Meine Zwillinge waren 2020 zehn Jahre alt. Wenn ich sie mir anschaue, ist es, al sei nichts passiert. Die Sorgen, die damals herrschten, dass die Kinder von der Isolation bleibende Schäden bekommen könnten, haben sich nicht bestätigt.

Lesen Sie hier Teil 1 der Serie:

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