So werden Sie Stammzellspender auf Mallorca
Jedes Jahr erkranken Tausende an Blutkrebs – für sie ist eine Stammzellspende mitunter die einzige Chance auf Heilung

Bei der Blutentnahme. Die Stammzellen werden mit einem Gerät herausgefiltert, das Blut dann wieder dem Spender zugeführt. / BANCO DE SANGRE Y TEJIDOS
Spenden ist immer eine gute Sache – eine kleine Geste, die einem anderen Menschen das Leben retten kann. Wer eine Bluttransfusion benötigt, findet in der Regel schnell einen passenden Spender. Bei Blutkrebs, etwa Leukämie, ist es leider nicht so einfach: Nur in etwa 25 bis 30 Prozent der Fälle findet sich im engeren Familienkreis ein geeigneter Stammzellenspender – am häufigsten unter den Geschwistern. Der Großteil der Betroffenen ist auf fremde Spender oder Stammzellen aus gespendeter Nabelschnur angewiesen. In Spanien stammen rund 60 Prozent der gespendeten Stammzellen aus dem Ausland. Hauptlieferant: Deutschland.
Wie funktioniert die Stammzelltransfusion?
Akute Leukämie, Lymphome und das multiple Myelom gehören zu den häufigsten Krebserkrankungen, bei denen sich eine Stammzell- oder Knochenmarktransplantation als lebensrettend erweisen kann. Jedes Jahr erkranken in Spanien etwa 5.000 Menschen an akuter Leukämie und rund 7.000 an einem Lymphom. Besonders tragisch: Leukämie ist die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter.
Um diese Krebserkrankungen zu behandeln, braucht es mitunter gespendete Stammzellen. Bei deren Transplantation wird zunächst das erkrankte Knochenmark des Patienten durch Ganzkörperbestrahlung oder eine intensive Chemotherapie zerstört. Danach kommen die gespendeten Stammzellen ins Spiel, die dem Empfänger übertragen werden. Im besten Fall entwickeln sich daraus gesunde Blutzellen – ein neues blutbildendes System entsteht.
So wird man Stammzellspender auf Mallorca:
Wer auf Mallorca Spender werden möchte, wendet sich zunächst an die Banc de Sang i Teixits (Blut- und Gewebebank) in Palma. Die Interessierten werden dort über den Prozess informiert und unterschreiben eine Einverständniserklärung. Danach erfolgt ein ärztlicher Check, um sicherzustellen, dass die Person gesund ist. Menschen mit gewissen Vorerkrankungen und Personen, die älter als 40 sind, dürfen nicht spenden.
Einfacher und nicht schmerzhafter Prozess
Meist wird Blut entnommen, aus dem mithilfe der sogenannten Apherese die Stammzellen gefiltert werden. Dafür werden zwei Zugänge gelegt: Aus einem fließt das Blut in ein Gerät, das die Stammzellen abtrennt, über den anderen wird es zurück in den Körper geleitet. Das Verfahren dauert etwa 30 bis 40 Minuten. „Viele Interessierte haben Angst und denken, die Stammzellspende sei schmerzhaft“, sagt Xavi Ruiz, Koordinator der Stammzellspende in der Blut- und Gewebebank. „Dabei ähnelt sie sehr einer Blutspende und hat kaum Nebenwirkungen.“
Nach der Apherese werden die Stammzellen im Labor genetisch untersucht, denn bestimmte Gewebemerkmale, wie Leukozyten-Antigene (HLA) von Spender und Empfänger müssen möglichst übereinstimmen.
Geduld ist gefragt
Danach heißt es warten. „In den meisten Fällen ist die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Empfänger zu finden, leider gering“, sagt Ruiz. „Meistens werden zuvor mehrere potenzielle Spender ausgewählt, um dann eine erweiterte genetische Studie durchzuführen und so sicherzugehen, dass die Kompatibilität gegeben ist.“
Auch wenn die Chancen nicht hoch sind, tatsächlich Spender zu werden, ermutigt Ruiz zur Registrierung: „Jede einzelne Registrierung ist wertvoll, denn sie erhöht die Chancen für viele Patienten weltweit.“ Immerhin finden in Spanien 90 Prozent der Blutkrebspatienten einen passenden Spender. Die durchschnittliche Wartezeit hierzulande beträgt 27 Tage.
„Im Jahr 2025 hatten wir bereits acht Übereinstimmungen“, sagt Xavi Ruiz. Die Stammzellen von mallorquinischen Spendern haben dabei dieses Jahr nicht nur nationalen Patienten geholfen, sondern unter anderem auch in Deutschland, Österreich, den USA und Kanada. Aktuell sind 7.391 Personen auf den Balearen als Spender registriert – Tendenz steigend. Diese Spender werden automatisch im internationalen Register geführt.
Die tatsächliche Spende
Es gibt zwei Methoden, wie die Stammzellspende dann ablaufen kann: durch Apherese oder Punktion. In beiden Fällen erhält der Spender im Vorfeld ein Medikament, das die Produktion von Stammzellen ankurbelt. Leichte grippeähnliche Symptome können dabei auftreten.
Die erste Möglichkeit verläuft wie die bereits erklärte Probenentnahme. In seltenen Fällen wird die Puktionsmethode angewendet. Dabei wird das Knochenmark direkt aus dem Beckenkamm entnommen. Das erfolgt unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel und dauert etwa eine Stunde. Die Schmerzen danach lassen sich mit handelsüblichen Schmerzmitteln behandeln und klingen meist innerhalb von 48 Stunden ab. Die Risiken entsprechen denen jeder anderen Operation unter Narkose.
Sowohl Apherese als auch Punktionsentnahme erfolgen auf Mallorca im Krankenhaus Son Espases.
Genetik trifft Geschichte
Manche Übereinstimmungen zwischen Spendern und Patienten sind kein Zufall –Genetische Gemeinsamkeiten zwischen einigen Bevölkerungsgruppen können erklären, warum bestimmte Übereinstimmungen häufiger vorkommen. „Die Spender aus Menorca passen erstaunlich oft zu Empfängern aus Großbritannien und Irland“, erklärt Ruiz. „Vermutlich hängt das mit der britischen Vergangenheit der Insel zusammen – die genetische Struktur der Menorquiner weist viele britische Merkmale auf.“
Und auch Deutschland spielt eine besondere Rolle: Kein anderes Land stellt mehr Stammzellspender für Spanien. Vielleicht liegt es an genetischen Gemeinsamkeiten – oder schlicht an einer besonders aktiven Spenderkultur. Im Jahr 2019 waren fast neun Millionen Spender in der Bundesrepublik registriert. Somit ist Deutschland das zweite Land weltweit mit den meisten Spendern, nur in den USA gibt es noch mehr.
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