Eine Deutsche bietet Online-Hypnose auf Mallorca an: Die MZ hat es ausprobiert
Cristina Koopmann ist zertifizierte Hypnose-Therapeutin. Sie führt ihre Patienten in Trance, um in der Kindheit Ursachen von Problemen zu finden

Cristina Koopmann in Aktion. / Bendgens
Raketenstart am Cape Canaveral. „Stell dir vor, es gibt zur Zündung einen roten Knopf. Nach einem zehnsekündigen Countdown drückst du ihn nach unten“, sagt Cristina Koopmann. „Zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf“, zähle ich herunter und frage mich, was das werden soll. Plötzlich packt die Hypnosetherapeutin meinen Nacken mit dem Befehl: „Schlaf !“ Der Kopf sinkt nach unten, die Augen fallen zu. Tatsächlich fühle ich mich ein wenig anders. Das muss wohl der Trancezustand sein. „Mit jeder Runde versinkst du tiefer in den Zustand der Entspannung“, sagt Koopmann, während sie mit ihren Händen meinen Kopf im Kreis bewegt.
Blitzhypnose nennt sich diese Technik, die das Überraschungsmoment nutzt. „Eine Überforderung des Gehirns“, drückt es Koopmann aus. Doch das sei mehr ein Showelement. „Die Blitzhypnose ist nützlich bei zappeligen Kindern oder Erwachsenen, die Probleme haben, sich zu entspannen.“ Der Nachteil besteht darin, dass der Trancezustand nicht so tief ist wie bei anderen Techniken. Um einmal selbst die Hypnose am eigenen Leib zu spüren und Zweifel auszuräumen, ob das denn wirklich alles echt ist, reicht es allemal. Viele verbinden mit der Hypnose etwas Mystisches. Oder sind skeptisch, wenn sie hypnotisierte Leute im Fernsehen beobachten, die angeblich gegen ihren Willen Purzelbäume schlagen.
Psychosomatische Symptome
Bereits seit 2006 lebt Koopmann auf Mallorca und arbeitet bei der Clínica Picasso in Palma als Physiotherapeutin. „Mir ist aufgefallen, dass zwei Personen mit dem gleichen Krankheitsbild ganz unterschiedliche Schmerzen haben können“, sagt sie und nennt einen dreifachen Bandscheibenvorfall als Beispiel. „Eine Person krümmt sich und hält es nicht aus, bei der anderen zieht es nur leicht.“ Alles Kopfsache also? Als ihr Sohn – professioneller Schlagzeuger – über Armbeschwerden klagte, recherchierte sie über psychosomatische Symptome und stieß auf die Hypnose. Nach einer einjährigen Ausbildung in Deutschland war sie zertifizierte Therapeutin.
„Viele Probleme lassen sich durch in der Kindheit erlittene Traumata erklären“, sagt sie. Ab dem Zeitpunkt im Mutterleib bis etwa im Alter von zehn Jahren würden Erlebnisse und Gefühle ungefiltert im Unterbewusstsein gespeichert werden. „Es fehlt der kritische Filter.“ Mit der Zeit werden traumatische Dinge mitunter verdrängt. Sie können dann aber Ursache für Ängste, Depressionen oder Süchte sein. „Ein Kind hatte mal Probleme mit dem Gang auf Toilette. Es ging nur alle zehn Tage“, erzählt Koopmann. Selbst nach einem halben Jahr psychologischer Untersuchungen gab es keine Erklärung dafür. Bei der Hypnosetherapie hätte sich dann herausgestellt, dass das Kind die Nabelschnur im Uterus um den Hals gewickelt hatte und davon traumatisiert war. Nach der Sitzung sei es rapide besser geworden mit dem Töpfchenproblem.
Wie läuft die Sitzung ab?
Grundsätzlich gibt es wenige Bedingungen für eine erfolgreiche Hypnose. „Die Trance ist ein natürlicher Zustand, in dem wir uns während 80 Prozent des Alltags befinden“, sagt die Therapeutin. Man kennt es von den Momenten, in denen man kurz mit den Gedanken woanders ist. Beim Autofahren beispielsweise oder Tagträumen. „Die Person muss zustimmen und sich darauf einlassen“, sagt Koopmann. Sie bietet ihre Therapiesitzungen online via Zoom-Call an. „Auf dem eigenen Sofa fühlen sich die Menschen besser und entspannen leichter.“ Damit die hypnotisierte Person nur in Trance fällt und nicht gänzlich einschläft, darf der Termin nicht zu spät sein, damit die Müdigkeit nicht die Überhand gewinnt.
Die ein- bis anderthalbstündige Therapieeinheit startet mit der Einleitung in die Hypnose. Anders als bei der Blitzhypnose geschieht das sanfter in einem achtminütigen Prozess, bei dem der Trancezustand nach und nach intensiviert wird. Der US-Amerikaner Dave Elman erfand diese Methode. „Viele Leute haben Angst, dass sie in der Hypnose stecken bleiben, willenlos werden oder Geheimnisse verraten. Das ist aber nicht der Fall“, sagt Koopmann. Das Bewusstsein werde zwar „geparkt“, aber nicht komplett abgeschaltet. „Wenn ich dem Hypnotisierten sage: ‚Laufe nackt durchs Dorf ‘, wird er das nicht tun.“ Bei den TV-Shows, in denen Menschen sich unter Hypnose zum Affen machen, seien die Teilnehmer zuvor darauf vorbereitet und entsprechend informiert worden.
Und dann?
Einmal in Trance, wird das Unterbewusstsein angezapft. Koopmann führt die Person in die Kindheit und lässt sich beschreiben, was im Kopf des Hypnotisierten vor sich geht. „Es ist eine fortlaufende Kommunikation. Ich suggeriere nicht, was die Person tun soll. Das würde nur oberflächlich an den Problemen kratzen.“ Besser sei es, wenn der Hypnotisierte sich selbst an das Trauma erinnert, das ihm bis heute Probleme bereitet. Regressionstherapie nennt sich das. Nach ein bis vier Sitzungen gewöhnten sich Leute das Rauchen ab – „meine Erfolgsquote liegt bei 100 Prozent“ –, verlieren Ängste oder Schmerzen lindern sich.
Kommen wir zurück zu unserem Trancezustand. Es kribbelt ein wenig in den Füßen. Ich fühle mich nicht weggetreten und könnte jederzeit einfach wieder die Augen öffnen – glaube ich zumindest. Ein konkretes Problem hatte ich der Therapeutin vorab nicht genannt. „Du wirst einen tollen Artikel über mich schreiben“, sagt sie und sollte damit recht behalten. Sie weckt mich auf mit: „Eins, zwei, drei – die Hypnose ist vorbei.“
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