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Bei Lungenkrebs sind Tumorgröße und frühzeitige Erkennung entscheidend

Dr. Orlando Gigirey, Facharzt für Thoraxchirurgie am Hospital Juaneda Miramar, betont, dass eine frühzeitige Diagnose nur durch Screening-Programme für Risikogruppen möglich ist.

 

Das Team von Dr. Orlando Gigirey bei einer laparoskopischen Thoraxchirurgie im Krankenhaus Juaneda Miramar.

Das Team von Dr. Orlando Gigirey bei einer laparoskopischen Thoraxchirurgie im Krankenhaus Juaneda Miramar. / Juaneda

Dr. Orlando Gigirey, Facharzt für Thoraxchirurgie am Hospital Juaneda Miramar erklärt: „Zur Hochrisikogruppe gehören Männer und Frauen im Alter von 50 bis 80 Jahren, die aktuell rauchen oder in den letzten 15 Jahren geraucht haben und im Schnitt 20 bis 30 Zigarettenpäckchen pro Jahr konsumiert haben.“

 

Warum ist die frühzeitige Erkennung von Lungenkrebs so wichtig?

Lungenkrebs verläuft in den frühen Stadien meist ohne erkennbare Symptome. Beschwerden wie anhaltender Husten, Atemnot, Bluthusten oder Gewichtsverlust treten oft erst in fortgeschrittenen Stadien (Stadium III oder IV) auf – was die Heilungschancen stark einschränkt und die Überlebensrate senkt. Wird der Krebs jedoch in Stadium I oder II entdeckt, bestehen realistische Heilungschancen durch Behandlungen wie Operation oder stereotaktische Strahlentherapie. Die NLST- und NELSON- Studien haben gezeigt, dass das Screening mittels Niedrigdosis-CT (Low-Dose CT, LDCT) die Sterblichkeit bei Lungenkrebs in Risikogruppen um 20 bis 24 % senken kann. Programme zur frühzeitigen Erkennung sind nicht nur medizinisch wirksam, sondern auch aus Sicht der öffentlichen Gesundheit ethisch geboten.

Team der Thoraxchirurgie mit Dr. Pablo Partida, Anästhesist, und Dr. Orlando Gigirey, Thoraxchirurg, in der Bildmitte

Team der Thoraxchirurgie mit Dr. Pablo Partida, Anästhesist, und Dr. Orlando Gigirey, Thoraxchirurg, in der Bildmitte / Juaneda

Wer gilt als „Risikoperson“ und wann sollte mit einem Screening begonnen werden?

Personen im Alter von 50 bis 80 Jahren, die aktuell rauchen oder in den letzten 15 Jahren geraucht und im Schnitt 20 bis 30 Zigarettenpäckchen pro Jahr konsumiert haben. Diese Kriterien beruhen auf epidemiologischen Daten, die den Zusammenhang zwischen der gesamten Tabakexposition und dem Lungenkrebsrisiko belegen. Ein Screening wird ab dem 50. Lebensjahr empfohlen, da ab diesem Alter die Häufigkeit von Lungentumoren deutlich ansteigt. Es sollte fortgeführt werden, solange die betroffene Person eine realistische Lebenserwartung hat und in der Lage ist, von einer potenziell heilenden Behandlung zu profitieren.

Worin besteht die frühzeitige Erkennung von Lungenkrebs?

Sie beruht auf der jährlichen Durchführung eines Niedrigdosis-CTs bei Personen mit Risikoprofil. Im Gegensatz zum herkömmlichen Röntgenbild des Brustkorbs, das nur eine geringe Sensitivität aufweist, ermöglicht das LDCT die Erkennung von potenziell bösartigen Lungennoduli von nur wenigen Millimetern Größe in einem noch symptomfreien (subklinischen) Stadium. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten, erfordert kein Kontrastmittel und hat eine geringe Strahlenbelastung (niedriger als ein konventionelles CT). Wichtig ist die Begleitung durch klare Protokolle zum weiteren Vorgehen und zur Handhabung zufällig entdeckter Befunde, um Überdiagnosen oder unnötige Behandlungen zu vermeiden. In Spanien beginnt derzeit die Einführung von CASSANDRA (Cancer Screening, Smoking Cessation and Registries for the National Detection of Respiratory Tumors), einem nationalen Programm zur Früherkennung, Raucherentwöhnung und Datenerfassung bei Lungentumoren. Risikopersonen mit Tabakkonsum, auch unter 50 Jahren, sollten ihre Ärztin oder ihren Arzt auf eine frühzeitige Untersuchung ansprechen – sei es über CASSANDRA oder im individuellen Rahmen –, um einen möglichen Lungenkrebs im frühen, noch symptomfreien Stadium auszuschließen.

Dr. Orlando Gigirey, Thoraxchirurg, rechts, mit seinen Assistentinnen bei der OP im Hospital Juaneda Miramar

Dr. Orlando Gigirey, Thoraxchirurg, rechts, mit seinen Assistentinnen bei der OP im Hospital Juaneda Miramar / Juaneda

Was passiert, wenn im Niedrigdosis-CT ein verdächtiger Befund festgestellt wird?

Die meisten entdeckten Veränderungen sind gutartige Lungennoduli. Das weitere Vorgehen richtet sich nach Größe, Form und Dichte des Knotens. Noduli unter 6 mm erfordern in der Regel keine sofortige Behandlung, sollten jedoch regelmäßig kontrolliert werden. Bei verdächtigen Befunden (≥ 8 mm, unregelmäßige Ränder, zunehmende Größe im Verlauf) können weitere Untersuchungen wie ein PET-CT oder eine Biopsie notwendig sein. Die Entscheidung sollte im Rahmen eines interdisziplinären Ansatzes erfolgen – in einem Team aus Radiologie, Pneumologie, Thoraxchirurgie und Onkologie, das gemeinsam das Malignitätsrisiko bewertet und die bestmögliche Strategie festlegt. So lassen sich Diagnoseverzögerungen und unnötige Behandlungen vermeiden.

Während eines laparoskopischen thoraxchirurgischen Eingriffs im Hospital Juaneda Miramar

Während eines laparoskopischen thoraxchirurgischen Eingriffs im Hospital Juaneda Miramar / Juaneda

Worin liegen die Unterschiede zwischen frühen und fortgeschrittenen Stadien?

In frühen Stadien kann die Operation minimalinvasiv erfolgen – mit geringeren Komplikationen, kürzerem Krankenhausaufenthalt und rascherer Genesung. In fortgeschrittenen Stadien erfordert die Chirurgie in der Regel ausgedehntere Lappenresektionen, Eingriffe an benachbarten Strukturen und wird häufig mit Chemo- oder Immuntherapie kombiniert. Das Operationsrisiko ist höher, die Heilungschancen sinken. Eine frühzeitige Intervention ermöglicht eine schonendere Behandlung mit besseren Ergebnissen bei gleichzeitig geringerer körperlicher Belastung.

Dr. Orlando Gigirey, Facharzt für Thoraxchirurgie am Hospital Juaneda Miramar

Dr. Orlando Gigirey, Facharzt für Thoraxchirurgie am Hospital Juaneda Miramar / Juaneda

Wie unterscheiden sich Lebensqualität und Prognose je nach Krankheitsstadium?

Im Stadium I kann die 5-Jahres-Überlebensrate über 70–80 % liegen. Im Stadium IV sinkt sie auf unter 10–15 %. Patientinnen und Patienten, die in frühen Krankheitsphasen behandelt werden, behalten in der Regel eine gute Lebensqualität – ohne die langfristigen Nebenwirkungen einer Chemo- oder Immuntherapie.

Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht ein langes Leben in Würde, während eine späte Diagnose fast immer mit einem chronischen Krankheitsverlauf oder dem Tod einhergeht.

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