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Der Weg zum rauchfreien Leben auf Mallorca: Vareniclin, Workshops und ein starker Wille

Was die Seguridad Social anbietet, um auf Mallorca von der Zigarette loszukommen. Unsere Redakteurin hat es am eigenen Leib getestet – bisher mit Erfolg

Die MZ-Redakteurin Sarah López: Nach elf Jahren Rauchen dank eines Medikaments damit aufgehört.

Die MZ-Redakteurin Sarah López: Nach elf Jahren Rauchen dank eines Medikaments damit aufgehört. / privat

Sarah López

Sarah López

Mit 15 und in einer Sommernacht auf dem Land kann man nur auf blöde Gedanken kommen. Bei mir war es das Rauchen. Ich weiß noch, dass ich damals dachte, ich würde nie abhängig davon werden. Elf Jahre später – vor knapp drei Monaten – habe ich damit aufgehört. Gute Dienste geleistet hat dabei ein Medikament, das die staatliche Sozialversicherung Seguridad Social teilweise bezahlt.

Erste Veränderungen zum Erfolg

Am Anfang war das Gefühl ständiger Nervosität sehr präsent, und ich dachte oft ans Rauchen. Ich ließ mich von meiner Apothekerin beraten, die mir ein Nikotinspray für 39,95 Euro empfahl, da es eine schnelle Wirkung hat: Jedes Mal, wenn mich die Lust überkommen sollte zu rauchen, sollte ich es mir in den Mund sprühen. Anfangs juckte es total, und ich kann nicht sagen, ob das Nikotin oder das Kribbeln in meinem Rachen mich letztendlich auf andere Gedanken brachten. In den ersten Wochen machte ich täglich von dem Spray Gebrauch – auf der Arbeit, zu Hause oder wenn ich unterwegs war. Dann, nach und nach, weniger. Und als ich dachte, ich hätte es schon überwunden, überkam mich immer wieder die Lust zu rauchen.

Auch wenn das Spray eine gute Notlösung war, reichte es für mich nicht aus. Nach zwei Monaten entschied ich mich zu härteren Mitteln zu greifen. Meine Mitbewohnerin erzählte mir von einer Arbeitskollegin, die dank eines Medikaments aufgehört hatte: „Die ekelt sich jetzt sogar, wenn Leute vor ihr rauchen“, berichtete sie. Ich vereinbarte daraufhin einen Termin mit meinem Hausarzt in meinem Gesundheitszentrum.

Er wollte nur von mir wissen, wie viele Zigaretten ich bisher am Tag geraucht hatte. Es waren etwa zehn. Ich musste an einer kurzen Umfrage zu meinem Rauchverhalten teilnehmen, sonst gab es keine Untersuchung. Üblich seien laut Miquel Aguiló, Koordinator für Tabakentwöhnung der Apothekerkammer der Balearen, eine Kohlenmonoxidmessung (CO₂ in Ausatemluft) oder eine Spirometrie (zur Messung der Lungenfunktion). Außerdem würden Blutdruck und Gewicht gemessen, erklärte er in einem Interview mit der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca“.

Zu härteren Mitteln greifen

Mein Hausarzt verschrieb mir auch ohne diese Voruntersuchungen das Medikament Vareniclin, das ich etwa drei Monate lang täglich einnehmen sollte. „Du musst es durchziehen“, ermahnte er. Auch wenn nach einigen Wochen die Entzugserscheinungen nachlassen, darf man die Therapie nicht abbrechen. Die Seguridad Social deckt auch das Medikament Todacitan für die „Raucher-Hardliner“, die mehr als zehn Zigaretten am Tag rauchen. Es wird ähnlich verabreicht wie Vareniclin. Kostenpunkt bei beiden: rund 40 Euro für ein Präparat, das auf dem freien Markt mehr als 200 Euro kostet.

Für zwölf Wochen muss ich die Tabletten nehmen. Man kann auch mit dem Medikament beginnen, selbst wenn man das Rauchen noch nicht vollständig aufgegeben hat. Mein Nikotinspray darf ich jetzt nicht mehr benutzen. In den ersten Tagen nimmt man eine Tablette am Morgen, ab Tag vier zwei – eine am Morgen und eine am Abend. Anfangs ist die Dosis noch geringer, 50 Milligramm, doch ab Woche zwei verdoppelt sie sich. Nach vier Wochen muss man sich vom Hausarzt eine neue Packung verschreiben lassen, denn in der ersten ist nur die Dosis für diesen Zeitraum enthalten. Der Blister der Tabletten lässt sich wie ein Buch aufklappen und ist klar nach Tagen und Wochen markiert.

Total einfach zu nehmen

Total einfach zu nehmen: Varecilin. / Lopez

Die Nebeneffekte

Ein richtiger Roman ist auch der Beipackzettel, mit Warnungen zu etlichen Nebenwirkungen. Am häufigsten treten Entzündungen von Nase und Rachen, Schlafschwierigkeiten, Kopfschmerzen und Übelkeit auf. Unter den sehr seltenen Nebenwirkungen waren auch Schlaganfall und Herzinfarkt aufgelistet. Ich schlief in der ersten Woche tatsächlich schlechter.

Nach einigen Wochen, in denen ich die Tabletten nahm, hat sich dieses Abhängigkeitsgefühl deutlich vermindert. Dennoch ist es ratsam, die Einnahme von Medikamenten mit den Workshops in den Gesundheitszentren zu kombinieren. Diese kommen je nach Bedarf zustande. Die Sitzungen finden einmal pro Woche über einen Zeitraum von sechs Wochen statt, dauern jeweils 90 bis 120 Minuten, und wer teilnimmt, muss noch nicht mit dem Rauchen aufgehört haben. Zu den Zielen der Gruppe gehört es jedoch, den Zigarettenkonsum von Woche zu Woche schrittweise zu reduzieren. Geleitet werden die Treffen von Krankenschwestern, die auf Tabakprävention spezialisiert sind.

Workshops

Jeder Workshop beginnt damit, dass die Teilnehmenden über ihre Schwierigkeiten, Eindrücke und Gefühle der vergangenen Woche berichten. Danach stehen je nach Woche unterschiedliche Aktivitäten auf dem Programm. Ein Überblick einiger Aufgaben:

Die erste Woche dient vor allem der Vorstellung der Gruppe. Teilnehmende, die noch rauchen, werden gebeten, ein Rauchregister zu führen, in dem sie festhalten, wann, wie viel und warum sie rauchen.

In Woche zwei werden Methoden vermittelt, um eingeschliffene Rauchgewohnheiten zu durchbrechen. Dazu gehören Regeln wie: die erste Zigarette des Tages um mindestens eine halbe Stunde hinauszögern oder das persönliche Umfeld darüber informieren, dass man mit dem Rauchen aufgehört hat oder es vorhat. In Woche drei und vier werden diese Methoden erneut besprochen und vertieft. In der vierten Woche stehen außerdem Entspannungsübungen auf dem Plan, und in Woche fünf geht es um den sogenannten „Tag D“ – den selbst gewählten Tag des Rauchstopps – und Strategien, um nicht wieder zur Zigarette zu greifen. In der letzten Woche sind ehemalige Raucher zu Gast, die von ihrem eigenen Prozess berichten, um die Teilnehmenden zu motivieren.

Die Gruppen zeigen Erfolg: 2024 gab es auf Mallorca 38 Gruppen mit 390 Teilnehmenden – 236 schlossen ab, 193 blieben rauchfrei.

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