In diesem Krankenhaus auf Mallorca hilft das Meer bei der Genesung
In Teil II der Serie zu den Krankenhäusern auf der Insel geht es direkt ans Wasser – ins Sant Joan de Déu in Palma

Vom Herzstück des Krankenhauses aus, dem Garten, ist man dem Meer ganz nah. / Nele Bendgens
Für Patienten, deren Leben sich infolge von schweren Verkehrsunfällen oder Schlaganfällen von einem auf den anderen Tag komplett geändert hat, mag es zunächst nur ein kleiner Trost sein. Dennoch dürfte es die oft langwierige Zeit der Genesung letztlich um einiges erträglicher machen. Das Krankenhaus Sant Joan de Déu in Palmas Stadtteil Coll d’en Rabassa liegt nicht nur in der Flugschneise, sondern auch direkt am Meer.

Patienten im Garten. / Nele Bendgens
Vor allem vom Garten aus sind die aufschlagenden Wellen zu hören. Auch ein Großteil der Patientenzimmer und die meisten Therapieräume sind bewusst zum Wasser hin ausgerichtet und auffällig lichtdurchflutet. Während sich die Patienten an Krücken, Barren und Geräten für Feinmotorik-Übungen oder auch Magnet- oder Elektro-Stimulation wieder zurück ins normale Leben kämpfen, ist das Meer ihr täglicher, beruhigender Begleiter.
Dabei ist die Rehabilitation etwa für Menschen mit Rückenmarksverletzungen nicht der einzige Schwerpunkt des Krankenhauses, wie Geschäftsführer und Arzt Joan Carulla in seinem Büro mit extra breiter Fensterfront und Panoramablick aufs Meer erzählt. „Wir sind auch auf orthopädische Chirurgie und Geriatrie spezialisiert“, so der 69-Jährige. In dem Krankenhaus bekommt man dank Prothesen etwa eine neue Hüfte oder auch ein neues Knie. Daneben werden hier Untersuchungen wie Ultraschall, CT, MRT oder Mammografien gemacht. Fachärzte stehen in den Bereichen Kardiologie, Logopädie, Neurologie, Rheumatologie, Psychologie, Urologie oder Neurophysiologie zur Verfügung.
Ursprünglich für Kinder mit Kinderlähmung
Dass es mittlerweile so viele Fachrichtungen gibt, war nicht immer so. In der 1955 erbauten Pflegeeinrichtung wurden einst vor allem Kinder mit Kinderlähmung behandelt. Daran erinnert auch ein Gemälde des Künstlers Joan Aguiló an den Fassaden in der Nähe der Parkplätze rund um das Gebäude. In den 70er-Jahren kam dann der Impfstoff gegen Polio auf den Markt. Folglich gingen die Fälle von erkrankten Kindern in Europa stark zurück. Die Balearen-Regierung brachte daraufhin hier zunächst eine medizinisch-soziale Einrichtung für Senioren unter. Auch heute noch bietet Sant Joan de Déu in einer Tagesklinik 50 Plätze für ältere Menschen. Daneben gibt es auch eine Palliativ-Station.
Teil des IB-Salut-Netzes
Aktuell kämen 90 Prozent der Patienten über das öffentliche Gesundheitssystem IB-Salut, sagt Joan Carulla. „Der Rest sind Privatpatienten, die den Aufenthalt und die Behandlungen ganz aus eigener Tasche zahlen oder eine private Krankenversicherung haben.“
In seinem Führungsteam hat Carulla mit Bruder Felipe Romanos Mesa auch einen Geistlichen. Das Sant Joan de Déu wird, wie über 400 Krankenhauszentren auf der ganzen Welt, von der katholischen Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott betrieben. In einem Anbau, der deutlich zu erkennen ist an einem Turm mit Kreuz obendrauf, wohnen neben Romanos Mesa auch noch drei weitere Ordensbrüder.

Der Leiter der Krankenhäuser in Palma und Inca: Joan Carulla. / Nele Bendgens
Auch wer aufmerksam durch die Krankenhausgänge läuft oder sich am Eingang und im Garten genauer umsieht, entdeckt hier und da Heiligenbilder oder Skulpturen des heiligen Johannes von Gott. Daneben gibt es eine Kapelle, in der regelmäßig Gebetsstunden und Messen stattfinden. Auch in der Philosophie der Krankenhäuser zeige sich, dass hier eine Ordensgemeinschaft am Werk sei, sagt Carulla. Man lege Wert auf einen besonders humanen Umgang mit den Patienten, die Behandlungen seien noch stärker als anderswo auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen ausgerichtet.
Umfassende Betreuung
Das Krankenhaus arbeite zudem auch mit Freiwilligen zusammen, die die Patienten besuchen, sie bei Terminen begleiten oder mit ihnen Karten spielen. Hier soll sich niemand allein fühlen. Über die hauseigene Stiftung und Kooperationen stellt Sant Joan de Déu auf Mallorca auch 20 Wohnungen für misshandelte oder alleinerziehende Frauen.
In einem Solidaritätsladen im Zentrum von Palma namens MoSS können sich Bedürftige seit Januar mit besonderen, vom Rathaus ausgestellten Tickets mit Kleidung eindecken.
Seit 2019 gibt es auf Mallorca noch ein zweites Sant-Joan-de-Déu-Krankenhaus. Es liegt in Inca, zwar deutlich weiter weg vom Wasser, das Angebot ist aber sehr ähnlich. Hier kommen vor allem Patienten aus der Inselmitte unter. Statt wie 200 Betten in Palma, gibt es nur 80. In der Geriatrie-Tagesklinik in Inca ist nur Platz für 20 Personen.
Therapien im Wasser
Therapien auf dem Stand-up-Paddle und im Kajak im Meer gibt es nur in Palma. Auch ein Therapiebecken gibt es nur dort. Die Besonderheit: Patienten können es ebenerdig betreten und werden dann durch einen beweglichen Fliesenboden langsam hinunter ins Wasser gehoben.
In Palma befinden sich zudem zwei teure Roboter-Geräte, die aber prinzipiell alle Patienten nutzen können. Das Roboter-Gerüst exoesqueleto etwa soll Patienten beim Laufen unterstützen und ihre Muskulatur aktiv halten. Mit dem anderen Roboter-Gerät übt man die Motorik der Arme.

Eine Patientin bei Mobilitätsübungen nach einem Motorradunfall. / Nele Bendgens
Apropos Hände und Füße. Die Verständigung zwischen ausländischen Patienten klappe auch dank Handy-Übersetzungsapps gut, versichert Joan Carulla. Fest eingestellte Übersetzer gibt es in den Krankenhäusern von Sant Joan de Déu nicht. Einige Mitarbeiter sind aber Deutsche oder sprechen die Sprache zumindest. Auch unter den Freiwilligen sei eine Deutsche. Ausländische Patienten, darunter auch viele Deutsche, kämen vor allem in ein angeschlossenes Rehabilitationszentrum im Zentrum von Palma
In den drei Gesundheitseinrichtungen von Sant Joan de Déu auf Mallorca waren 2024 insgesamt 61 Ärzte, 345 Pfleger, 95 Physiotherapeuten sowie 91 Verwaltungs- und Leitungsangestellte tätig. Wartelisten gibt es in keiner der drei Einrichtungen. Meerblick hat aber nur eine.
Einen Überblick mit allen Krankenhäusern der Insel finden Sie hier.
Teil I zur Serie über die Clínica Rotger können Sie hier nachlesen.
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