In diesem Krankenhaus auf Mallorca kommt Hotel-Feeling auf
Das Hospital Parque Llevant auf Mallorca kombiniert medizinische Versorgung mit Herzlichkeit und Komfort – besonders für ausländische Patienten

Die Eingangshalle gleicht eher einer Hotellobby / Nele Bendgens
Dolores Martínez ist eine Meisterin darin, das Eis zu brechen. „Die Deutschen nennen mich ‚Frau Dolores‘, und ich sage immer: ‚Mein Name ist Schmerzen‘“, erzählt die quirlige Frau und lacht über den Wortwitz. Ja, Schmerzen gehören im Hospital Parque Llevant in Porto Cristo natürlich zum Alltag – so, wie in jedem Krankenhaus. Aber wenn schon dolores, dann wenigstens in Dolores’ Gesellschaft.
Allround-Unterstützung für die Urlauber
Es fällt leicht, sie sich im Umgang mit den Patienten vorzustellen. Anpackend, humorvoll und zugewandt ist die Spanierin, die selbst lange in Aachen gelebt hat und perfekt Deutsch spricht. Als Koordinatorin für Internationales ist sie in der Privatklinik in Porto Cristo dafür zuständig, dass es den ausländischen Patienten an nichts fehlt. Sie übersetzt, was die Ärzte sagen, klärt Fragen mit den ausländischen Krankenversicherungen, hält Kontakt mit Angehörigen im Heimatland, hilft bei Hotel- oder Flugumbuchungen – oder hört den Menschen einfach zu und spendet Trost. „Ich unterstütze die Urlauber bis zu ihrem Abflug, selbst dann, wenn sie schon aus dem Krankenhaus entlassen sind. Die meisten befinden sich in verletzlichen Situationen: krank in der Fremde, oft ohne Kenntnisse über die Sprache oder das hiesige Gesundheitssystem“, sagt Dolores Martínez.
Im Besitz der Schweizer Helvetia Holding
Das Privatkrankenhaus in Porto Cristo eröffnete im Juli 2013, zunächst als unabhängige Einrichtung auf Initiative des Gesundheitsunternehmers Biel Uguet, der das Projekt mit Investoren vorantrieb. 2018 nahm die Versicherungsgruppe „Caser“ die Klinik in ihre Krankenhauskette„Hospitales Parque“ auf, die sechs weitere Krankenhäuser auf dem Festland und den Kanaren betreibt. Auf Mallorca gehören ihr auch die ambulanten Gesundheitszentren Laserclinic Manacor und Policlínica Llevant in Felanitx, sowie Arztpraxen in Cala Mesquida und Porto Colom an. Hinzu kommt die Seniorenresidenz in Porto Cristo. 2020 kaufte die schweizerische Versicherungsgruppe Helvetia Holding AG die Caser-Gruppe mit all ihren Untergruppen auf. Das Hospital Parque Llevant verfügt aktuell über sechs Intensivstationsbetten und beschäftigt rund 350 Mitarbeiter.
Die Arbeit ihres Teams ist einer der Schwerpunkte, auf den man im Hospital Parque Llevant besonders stolz ist. Denn der Anteil an Patienten, die nicht Spanisch sprechen, ist hoch. „Im Sommer sind mehr als 30 Prozent unserer Patienten in der Notaufnahme Urlauber aus dem Ausland. Rechnet man ausländische Residenten dazu, die zwar eine spanische Krankenversicherung haben, aber trotzdem nicht immer Spanisch können, kommen wir auf fast 50 Prozent ausländische Patienten“, berichtet Isabel Borrás Bosch, die medizinische Leiterin und Geschäftsführerin des Krankenhauses. Sie ist Mallorquinerin, genau wie die Mehrheit der Nutzer, die es jetzt, im Winterhalbjahr, in das Privatkrankenhaus zieht. Es sind Menschen von Santanyí bis Cala Ratjada, die kommen, um die teils langen Wartelisten der Fachärzte im öffentlichen System zu umgehen. Um zweite Meinungen einzuholen. Oder einfach, weil es im Hospital Parque Llevant deutlich komfortabler zugeht als in den öffentlichen Einrichtungen. „Manche Patienten kommen auch aus Llucmajor zu uns, und immer mehr sogar aus Palma“, sagt Borrás und Stolz schwingt in ihrer Stimme mit.
Hotel-Feeling statt Krankenhausgeruch
Beim MZ-Besuch ist es ruhig in der Klinik am Rand des Urlaubsorts. So ruhig, dass sich Borrás und Martínez gemeinsam die Zeit nehmen können, die Einrichtung in Ruhe zu zeigen. Schon der Eingangsbereich wirkt einladend. Ein mit Bougainvillea bewachsener Laubengang führt zu dem Gebäude, das mehr wie ein Wohnhaus aussieht als wie ein Krankenhaus. Auch die Empfangshalle erinnert eher an eine Hotellobby als an ein Hospital. Es mag an den gemütlichen Sofas im Wartebereich liegen oder an den Fototapeten, die die Wellen des Meeres zeigen. Vor allem aber liegt es am Geruch: Der typische Krankenhausgeruch nach Desinfektionsmittel, Kantinenessen und Krankheit – er bleibt im Hospital Parque Llevant aus. Stattdessen: Kaffeeduft von der angrenzenden Cafetería.
Auch die Patientenzimmer im ersten und zweiten Stock sind heimelig. 45 geräumige Doppelzimmer, die je nach Versicherungsstatus der Patienten oft auch als Einzelzimmer genutzt werden. Alle mit großen Balkonen, Besuchersofas und geräumigen Badezimmern. Wohnheim-Feeling statt spartanisches Krankenhaus. Kein Wunder: Ursprünglich war das Gebäude im Jahr 2000 als Seniorenresidenz konzipiert worden. Erst als der Mallorquiner Gabriel Uguet aus Felanitx gut zehn Jahre später beschloss, ein privates Krankenhaus für den Inselosten zu schaffen, wurde die Hälfte der Residenz abgetrennt und zum Krankenhaus umfunktioniert. „Deshalb fühlen sich die meisten Patienten hier auch sehr wohl – den Umständen entsprechend“, sagt Dolores Martínez.
Noch immer besteht das Seniorenwohnheim nebenan. Auch dort gehe es sehr international zu, berichtet die Wohnheimsleiterin Carmen Moar, die auch kurz zu uns stößt. „Einer der Gemeinschaftsfernseher für die Bewohner ist immer auf deutsche Programme eingestellt, die anderen auf Spanisch oder Mallorquinisch“, sagt Moar. Bei Bedarf könne auch ein Patient aus dem Krankenhaus für einige Tage oder Wochen in der Residenz unterkommen – etwa, wenn er noch nicht flugfähig sei.
Mallorquiner und Ausländer
Raum für die Bedürfnisse von Mallorquinern und von internationalen Besuchern – im Hospital Parque Llevant scheint dieses sonst eher konfliktträchtige Konzept aufzugehen. In den Räumen der ambulanten Facharztpraxen im Erdgeschoss treffen wir auf André Budrowitz. Der Kardiologe ist der einzige Deutsche der rund 100 Ärzte, die im Parque Llevant arbeiten, aber bei Weitem nicht der einzige, der Deutsch kann. „Die meisten sprechen Deutsch und Englisch sowieso“, betont Dolores Martínez. Er arbeite nun schon seit 2017 in der Klinik, sagt Budrowitz. Seinen früheren Alltag als Oberarzt in einem Krankenhaus in Deutschland vermisse er nicht. „Hier ist vieles anders, das ganze System. Aber die Menschen sind dieselben und ihre Herzen auch“, sagt er. Statt wie zuvor in der Heimat komplizierte OPs durchzuführen, beschränkt sich sein Arbeitsalltag hier darauf, Herzpatienten ambulant zu beraten. „Ich fühle mich wohl“, sagt er.
„Wir haben hier keine kardiologischen Interventionen, keine Krebsstattion und keine Geburtenstation. Ansonsten gibt es hier so gut wie alle Fachrichtungen“, erklärt Isabel Borrás. Bestimmte hervorzuheben, fällt ihr schwer. Wer Probleme im Verdauungstrakt habe, könne im Hospital Parque Llevant fachlich und technisch besonders gut betreut werden, sagt sie dann doch. Nicht nur für die Diagnostik, sondern auch zur Behandlung von Darmproblemen verfüge man über hochmoderne Gerätschaften, darunter endoskopische Polypektomie, Mukosektomie und die Möglichkeit, eine endoskopische Magenverkleinerung durchzuführen. Auch in der plastischen Chirurgie, im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Medizin und der Inneren Medizin sei der Parque Llevant eine Vorzeigeklinik. „Und es gibt wirklich viele Traumatologen hier. Das ist aber auch nötig, die Urlauber fallen oft hin“, ergänzt Dolores Martínez.
Ständig Neues
Nicht zu vergessen die Rehabilitationsmaßnahmen: Erst im September eröffneten die neuen Räumlichkeiten für Physiotherapie, die – in Holzoptik gehalten – ein wenig an einen Wellnessbereich erinnern. Überhaupt scheint im Hospital Parque Llevant alles in ständiger Erneuerung zu sein. In der Radiologie-Abteilung im Untergeschoss werden immer wieder neue Geräte in Betrieb genommen – so wie die neue MRT-Maschine mit guter Bildqualität (1,5 Tesla). „Hier fühlen sich sogar Patienten wohl, die unter Platzangst leiden“, wirbt die Radiologie-Chefin Vanesa Vicent und deutet auf die Röhre, die so offen ist, dass sie kaum als solche zu erkennen ist. Statt vor schmale Tunnelwände blicken die Patienten hier auf ein Stück Himmel, das an die Zimmerdecke projiziert ist. Auch die Röntgenmaschinen seien erst in diesem Jahr erneuert worden, betont Borrás, die Geräte für Mammographie im Jahr 2023.
Gleich neben der Radiologie liegt die Notaufnahme. Auch hier ist vieles neu: Die Erweiterung von sechs auf zwölf Behandlungs-Boxen liegt in den letzten Zügen. „Und im kommenden Jahr ist dann eine Sanierung der externen Sprechzimmer dran“, so Borrás. Nicht zu vergessen die neue Abteilung für Integrative Medizin, die ab nächstem Monat ganzheitliche Behandlungen anbieten soll.
Klein, aber breit gefächert, mallorquinisch, aber weltoffen, seriös, aber locker, und im Wachsen – so ließe sich dieses Krankenhaus charakterisieren. Und all das nur zwölf Kilometer vom öffentlichen Kreiskrankenhaus Hospital de Manacor entfernt. Auch dort war Borrás einmal die Leiterin, vor Jahren. Auch dort werde gute Arbeit geleistet, betont sie. „Aber das kann man nicht vergleichen.“ Dahinter stecke eben ein ganz anderes System.
„Hier im Parque Llevant ist es familiärer, persönlicher, hier haben wir Zeit für die Menschen, können auf sie eingehen“, betont Dolores Martínez. Ob mit organisatorischer Hilfe, einer Umarmung – oder einfach nur kleinen Wortwitzen von „Frau Dolores“.
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