Vier Tage Streik: Was Spaniens Ärzte fordern
Vordergründig wehren sich Spaniens Ärzte gegen ein neues Statut für das Gesundheitswesen. Doch es geht um mehr

Die Ärzte streikten bereits im Mai für vier Tage. / SIMEBAL
Ab Dienstag (9.11.) wird wieder gestreikt. Mit einem viertägigen Ausstand protestieren Spaniens Ärzte bis Freitag gegen das von der Linksregierung in Madrid geplante neue Ärztestatut. Dafür nehmen sie auch die vorübergehende Beeinträchtigung der Gesundheitsversorgung in Kauf (was der Streik für Auswirkungen auf Mallorca hat, lesen Sie hier).
"Wir entschuldigen uns bei den Patienten, aber dieser Streik ist für sie", sagte Miguel Lázaro, Vorsitzende der balearischen Ärztegewerkschaft Simebal vergangene Woche bei einer Informationsversammlung im Landeskrankenhaus Son Espases. Die langen Wartelisten auf Operationen und die sinkende Versorgungsqualität ließen sich nicht allein mit mehr Geld lösen, sondern vor allem durch bessere Planung, gutes Management und genügend Personal. Die aktuelle Überlastung und Unsicherheit im Job vertreibe viele Fachkräfte aus dem öffentlichen System.
Die wichtigsten Forderungen der Mediziner im Überblick
Das Ärztestatut ist noch nicht in Kraft getreten. Es steht seit Längerem in der Kritik. Die Ärzte sehen darin eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen und der Patientenversorgung. Unter anderem lehnen die Mediziner ab, dass laut der geplanten Neuregelung im öffentlichen Gesundheitswesen tätige Chef- und Oberärzte, aber auch Ärzte, deren Facharztausbildung (MIR) noch keine fünf Jahre zurückliegt, fortan nicht mehr parallel in der privaten Gesundheitsversorgung arbeiten dürfen.
Zudem fordern sie, in die Berufskategorie A1 Plus aufgenommen zu werden. Sie umfasst unter anderen auch die Richter. Damit solle die hohe Verantwortung des Berufsstandes anerkannt werden. Zu den weiteren Forderungen gehört etwa, dass die in Bereitschaftsdiensten geleisteten Stunden für die Rente angerechnet werden können und die Anerkennung als Risikoberuf.
Niedrige Löhne und Gewalt
Weitere Themen auf dem Forderungskatalog der Ärzte sind der Facharztmangel, die Art der Arbeitsverträge und die Gehälter. Sie liegen laut dem Ärzteverband Asociación de Médicos Unidos "weit unter dem europäischen Durchschnitt". Der Grundlohn betrage zwischen etwa 2.100 und 3.600 Euro netto. Seit zehn Jahren habe es keine Gehaltserhöhung mehr gegeben.
Auch die Arbeitszeit macht den Ärzten zu schaffen. So sei es unverständlich, dass die Regierung derzeit daran arbeite, für alle Arbeitnehmer des Landes eine 37,5-Stunden-Woche einzuführen, von den Ärzten aber verlange, bis zu 48 Stunden pro Woche im Dienst zu sein, hieß es in einem vor dem Landeskrankenhaus Son Espases verlesenen Manifest Anfang des Jahres. Hinzu kommt, dass bei den 24-Stunden-Diensten zwar jede der gearbeiteten Stunden versteuert wird, jedoch nicht als Arbeitszeit für die Rente zähle.
Eine weitere Forderung an die Regierung ist mehr Sicherheit am Arbeitsplatz: 2025 zeigten Ärzte landesweit 847 körperliche und verbale Angriffen an. "Das Fehlen wirksamer Schutzmaßnahmen und die Straflosigkeit vieler Angreifer haben die Ausübung der Medizin zu einem Risikoberuf gemacht", so "Médicos Unidos".
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