Warum Mallorcas Ärzte jetzt wieder die Arbeit niederlegen – und was sie fordern
Seit Montag (16.2.) streiken Ärzte im öffentlichen Gesundheitswesen auf den Balearen. Im Zentrum stehen das geplante „Estatuto Marco“, Wochenarbeitszeiten von bis zu 48 Stunden und Streit um Dienste

Ärzte protestieren gegen das neue Estatuto Arco, welches seine Arbeitsbedingungen verändern könnte / Ana B. Muñoz
Seit Montag (16.2.) streiken die Ärzte im öffentlichen Gesundheitswesen auf Mallorca und den übrigen Balearen erneut. Bis Freitag dürfte die Arbeitsniederlegung spürbare Auswirkungen auf Sprechstunden, Tests und Operationen haben.
Wie schon bei den vorangegangenen Arbeitsniederlegungen wird mit einer hohen Beteiligung gerechnet– für Notfälle sind Mindestdienste vorgesehen.
Worum geht es den Ärzten?
Im Mittelpunkt der Kritik steht das geplante „Estatuto Marco“. Es ist zwar noch nicht in Kraft, wird aber seit Längerem heftig diskutiert, weil Ärzte darin eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen – und damit auch der Patientenversorgung – sehen. Besonders umstritten ist das Vorhaben, dass Chef- und Oberärzte sowie Ärzte, deren Facharztausbildung (MIR) weniger als fünf Jahre zurückliegt, künftig nicht mehr parallel im privaten Gesundheitswesen arbeiten dürfen.
Zudem fordern die Mediziner, in die Berufskategorie „A1 Plus“ aufgenommen zu werden – zu der unter anderem auch Richter zählen. Damit solle die hohe Verantwortung des Berufs anerkannt werden. Weitere Forderungen: Anrechnung von Bereitschaftsdiensten auf die Rente, die Anerkennung als Risikoberuf und Verbesserungen bei Vertragsbedingungen und Personalplanung.
Arbeitszeiten
Ein zentraler Punkt ist die Arbeitszeit: Während die Regierung landesweit eine 37,5-Stunden-Woche für Arbeitnehmer anstrebe, würden von Ärzten bis zu 48 Stunden pro Woche verlangt, hieß es Anfang vergangenes Jahres in einem vor dem Landeskrankenhaus Son Espases verlesenen Manifest. Hinzu kommt aus Sicht der Streikenden ein Rentenproblem: Bei 24-Stunden-Diensten werde zwar jede Stunde versteuert, sie zähle jedoch nicht in vollem Umfang als Arbeitszeit für die Rente – wodurch viele Ärzten über die Jahre hinweg rechnerisch gesehen ganze Arbeitsjahre „verlieren“.
Ein Punkt, der bei vielen Ärzten besonderen Unmut auslöst, ist die Überlegung, dass Arbeit stärker nach Schichten organisiert wird. Die Debatte ist deshalb so brisant, weil sie einen Systemwechsel bedeuten würde: weg von einem Modell, in dem die reguläre Tätigkeit stark auf den Vormittag konzentriert ist und der Nachmittag oft über Bereitschaften oder zusätzliche Aktivität abgedeckt wird – hin zu einem System, in dem der Nachmittag Teil der normalen Arbeitszeit sein kann. Darüber hinaus fordern die Mediziner, verpflichtende 24-Stunden-Dienste abzuschaffen. Stattdessen wollen sie ein Maximum von 17 Stunden.
Extra-Programme gegen Wartelisten
Auf den Balearen kollidiert die Debatte um das Vorhaben, die Arbeitszeit stärker nach Schichten zu organisieren, mit dem Versuch, die mitunter langen Wartelisten zu verkürzen. Im Moment wird versucht, die Wartezeiten für Patientinnen und Patienen zu verkürzen, indem die Ärzte freiwillig gegen eine zusätzliche Bezahlung arbeiten. Diese außerordentlichen Sprechstunden finden ab 15 Uhr statt. In ambulanten Sprechstunden liegt die Bezahlung etwa zwischen 12 und 50 Euro pro Besuch, abhängig von Dauer und Komplexität. In der Chirurgie reichen die Beträge – je nach Eingriff – von etwa 30 bis 50 Euro in einfachen Fällen bis zu rund 480 Euro bei höherer Komplexität.
Diese Summen werden zusätzlich zum normalen Gehalt ausgezahlt und sind ausschließlich an die am Nachmittag erbrachte Leistung gekoppelt – genau das befeuert die Diskussion darüber, ob der Nachmittag künftig stärker regulär eingeplant werden soll oder weiter von „Extras“ abhängt.
Niedrige Löhne, Fachkräftemangel und Gewalt
Auch Facharztmangel, Vertragsmodelle und niedrige Löhne stehen in der Kritik. Der spanische Ärzteverband „Asociación de Médicos Unidos“ (Vereinte Ärzte) spricht von Gehältern, die „weit unter dem europäischen Durchschnitt“ lägen. Das Grundgehalt bewege sich zwischen etwa 2.100 und 3.600 Euro netto. Zudem verweisen die Mediziner darauf, dass es seit zehn Jahren keine Gehaltserhöhung gegeben habe.
Schließlich fordern die Ärzte mehr Sicherheit am Arbeitsplatz. Im Jahr 2025 wurden landesweit 847 körperliche und verbale Angriffe auf Ärzte gemeldet. „Das Fehlen wirksamer Schutzmaßnahmen und die Straflosigkeit vieler Angreifer haben die Ausübung der Medizin zu einem Risikoberuf gemacht“, kritisiert „Médicos Unidos“.
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