Heuschnupfen auf Mallorca: So überleben Allergiker den Frühling auf der Insel
Auf der Insel beginnt die Pollenzeit früher als in Deutschland. Worauf Allergiker achten sollten

Die Heuschnupfen-Saison auf Mallorca hat begonnen, die ersten Pollen sind bereits unterwegs. / Angelika Warmuth, dpa
Viele freuen sich aktuell über die Farbenpracht der Wiesen auf Mallorca: Alles blüht und riecht fantastisch. Doch für Menschen mit Pollenallergie ist die Insel momentan eher ein Albtraum. Vor allem Urlauber, die aus dem Norden kommen, unterschätzen oft, wie vielfältig die heimische Flora ist – und wie früh die Pollensaison hier beginnt. „Viele denken, sie könnten der Allergie entfliehen. Aber gerade Gräserallergiker finden auf Mallorca ähnliche Belastungen wie in Deutschland“, sagt Sandra Lossau, Hausärztin in Santa Ponça. Vor allem die Olivenbaumblüten machten vielen Langzeitresidenten zu schaffen, die im Laufe der Jahre eine Allergie zum Pollen dieser Bäume entwickelt haben, die man so nie in Deutschland finden würde.
Fast das ganze Jahr über
Die Pollensaison auf der Insel startet deutlich früher als im Norden Europas: „Bereits im Januar beginnt die Blütezeit mit Zypressen und Mauer-Glaskraut“, sagt Dr. Patricia López De Los Santos, Allergologin mit eigener Praxis in Santa Ponça und früher Forscherin an der Medizinischen Hochschule Hannover. „Ab März folgen dann Platanen, Gräser und ab Mai der Olivenbaum – der größte Allergieauslöser auf Mallorca.“ Die gute Nachricht: Gräserpollenstaub ist auf Mallorca nicht so verbreitet wie in Deutschland oder auf dem Festland. Im Sommer können die Pollenallergiker aufatmen, denn in den heißen Monaten schwirren kaum Pollen in der Luft. Im Herbst geht es dann oft weiter mit dem frühzeitigen Pollenflug des Mauer-Glaskrauts.
Gute Vorbereitung
Lossaus Empfehlung: Starke Allergiker, die schon vorher auf der Insel Beschwerden hatten, sollten vor dem Urlaub mit Antihistaminika beginnen – und sie auch im Reisegepäck haben. „Die bekommt man in Spanien auch ohne Rezept, und sie werden unter dem gleichen Namen verkauft. Doch kortisonhaltige Nasensprays, die oft notwendig sind, sollte man von zu Hause mitbringen – die gibt es hier nur auf Rezept.“
Diese mildern die Entzündungsreaktion ab, die hinter einer Allergie steckt. „Die typischen Cortison-Nebenwirkungen sind nicht relevant, weil die Aufnahme in den Körper nur sehr, sehr gering ist“, sagt Allergologin Tanja Hildenbrand. Und: Anders als bei abschwellenden Nasensprays müsse man auf Dauer zudem keinen Gewöhnungseffekt und Schäden der Nasenschleimhaut befürchten.
Wichtig: Die Nasensprays sollte man kontinuierlich einnehmen, nicht nur an Tagen, an denen die Nase kitzelt und kribbelt. „Die Dosierung ist normalerweise morgens und abends jeweils einen Sprühstoß“, sagt Hildenbrand.
Was tun gegen Symptome
Wenn wegen der Pollenallergie auch die Augen tränen und jucken, sind hingegen Antihistaminika sinnvoll. Die Medikamente sorgen dafür, dass der Botenstoff Histamin nicht mehr andocken kann – das unterbindet die allergische Reaktion. „Bei Antihistaminika war früher immer das Problem, dass sie sehr müde gemacht haben“, so Hildenbrand. Bei neueren sei dies deutlich weniger der Fall.
Ergänzend zu antiallergischen Medikamenten können auch Nasenduschen mit einer isotonen Salzlösung Linderung bringen. „Sie helfen dabei, Pollen und übermäßigen Schleim aus der Nase zu spülen und die Nasenschleimhaut zu befeuchten", sagt Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB).
Lüften bei Pollenallergie
Geht es ums Lüften mit Pollenallergie, ist oft zu lesen: auf dem Land eher in den Abendstunden, in der Stadt lieber morgens. „Pauschal lässt sich das aber gar nicht sagen“, sagt Schwalfenberg. Denn bei der Pollenbelastung kann es immer Schwankungen geben, bedingt etwa durch das Wetter. Ein dicker, anhaltender Regenschauer wäscht viele Pollen aus der Luft. Ein kurzer Nieselregen kann hingegen dazu führen, dass eher mehr Pollen durch die Luft fliegen.
Natürlich spielt auch eine Rolle, welche Bäume in der Umgebung stehen. Im Zweifel gilt also: ausprobieren, was beim Lüften funktioniert – und was nicht. Weiterer Tipp: Ein Pollenschutzgitter vor dem Fenster kann einen Großteil der Pollen abhalten. Da das feine Maschengewebe den Luftaustausch hemmt, sollte man dann aber etwas länger lüften.
Nicht einmal nachts im Bett hat man seine Ruhe! Pollenallergiker kennen das zu gut - und können mit kleinen Tricks für etwas bessere Nachtruhe sorgen. Schwalfenberg nennt dazu zwei Ideen. Erstens: Am Abend die Haare waschen, wenn man tagsüber draußen unterwegs war. „Sonst nimmt man die Pollen mit auf das Kopfkissen. Dann dreht man sich ein paar Mal und plötzlich sind sie im Auge.“ Zweitens: Die Kleidung, die man tagsüber getragen hat, nicht im Schlafzimmer ausziehen. Besser: im Flur oder „da, wo die Waschmaschine steht, sodass man die Kleidung vielleicht direkt mit einem Kurzwaschprogramm spülen kann.“
Aktuelles Pollengeschehen
Klar, Pollen komplett aus dem Weg zu gehen, ist unmöglich. Dennoch können Pollenflugvorhersagen Allergikern helfen. Wertvolle Orientierung bietet das Online-Portal PIA – aerobiologia.cat, das von der Universität Barcelona betrieben wird. Die Seite zeigt die Pollenwerte in der Luft für die aktuelle Woche, sind aber nur auf Katalanisch und Spanisch einzusehen – Allergiker sollten sich also vorab mit den botanischen Namen ihrer „Problem-Pflanzen“ vertraut machen, die ebenfalls dabeistehen. Eine Liste mit Bildern der Erzfeinde gibt es auf dem Online-Portal unter: Predicción de la semana (WEB).
„Die Messstation befindet sich beim Krankenhaus Son Espases in Palma und misst die Luft in etwa 25 Meter Höhe“, erklärt Analyst David Navarro. „Ein rundes Gerät saugt kontinuierlich Luft an. Auf einem beschichteten Band bleiben die Pollenpartikel haften und werden unter dem Mikroskop ausgewertet.“ Die gesammelten Werte gelten allerdings nur für Palma. „Je nachdem, wo man sich befindet, kann die Belastung unterschiedlich sein“, sagt David Navarro. Zudem sei die tägliche Pollenmenge nur eine Schätzung auf Basis der Vorwoche. Unerwarteter Regen oder Hitze könnten einen Einfluss auf den Pollenflug haben.
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