Welche Zecken es auf Mallorca gibt und welche Krankheiten sie übertragen
Frühling ist auch auf Mallorca Zeckenzeit. Panik ist aufgrund der kleinen Blutsauger nicht angesagt, auf der Hut sein sollte man aber trotzdem

Eine Hyalomma-Zecke kann mit Blut vollgesaugt bis zu zwei Zentimeter lang sein. / MURAT/DPA
Zecken sind echte Dauerbrenner. Die kleinen Blutsauger gibt es bereits seit über 100 Millionen Jahren. Damals liefen noch Dinosaurier über die Erde. Dass auch auf Mallorca einige Arten heimisch sind, ist seit Längerem bekannt. Allerdings scheint sich die Zeckenpopulation in diesem Frühjahr entweder vermehrt oder es verstärkt auf Menschen abgesehen zu haben. Wer sich im Bekanntenkreis umhört, der wird früher oder später auf Berichte über einen Zeckenbiss stoßen.
Und obwohl Mallorca nach wie vor kein Hochrisikogebiet ist, wie etwa weite Teile von Süddeutschland oder auch Österreich, gibt es auch auf der Insel Zecken, die gefährliche Krankheiten übertragen können. Die MZ hat mit dem Insektenexperten Miguel Ángel Miranda von der Balearen-Universität UIB gesprochen, um die Gefahr einzuschätzen. Er beschäftigt sich intensiv mit Zecken, hat aber nicht festgestellt, dass es auf Mallorca in der jüngeren Vergangenheit einen Zuwachs der Population gegeben hat. „Das können wir zumindest nicht mit Zahlen belegen. Was sich aber geändert hat in den vergangenen Jahren ist, dass die Menschen mehr mit der Natur in Kontakt treten.“
Miranda denkt dabei vor allem an die immer zahlreicher werdenden Ausflügler: Wanderer, Radfahrer oder Bergläufer. „Hinzu kommt, dass aufgrund der Immobilienpreise immer mehr Menschen auch außerhalb von Siedlungen im ländlichen Raum leben und dort eher mit Zecken in Berührung kommen als in städtischen Umgebungen.“ Insgesamt seien die Menschen so inzwischen auch auf Mallorca stärker Zeckenausgesetzt.
Welche Zecken gibt es überhaupt auf Mallorca?
Miranda hat vor allem drei Sorten identifiziert: Die Art, die auf der Insel mit Abstand am häufigsten auftritt, ist die sogenannte Hyalomma, auch als Riesenzecke bekannt. Hier gibt es zwei Unterarten: zum einen die Hyalomma lucitanicum, zum anderen die Hyalomma marginatum. Beide sind vor allem durch ihre Größe auffällig. Speziell die Hyalomma marginatum kann im mit Blut vollgesogenen Zustand bis zu zwei Zentimeter lang werden. Die Riesenzecke ist auch durch ihre charakteristischen, hell-dunkel gestreiften Beine gut identifizierbar.
„Sie haben eine Eigenschaft, die andere Zecken nicht haben: Sie verfolgen gezielt ihre Wirte über mehrere Meter hinweg und sind noch dazu deutlich schneller als die anderen Zecken unterwegs“, sagt Miranda. Die Hyalomma-Zecken haben im Gegensatz zu anderen Sorten nämlich Augen und können sich deshalb deutlich besser orientieren als ihre Artgenossen.
Neben der Riesenzecke ist auch die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) auf Mallorca verbreitet. Diese hat es allerdings, wie ihr Name schon sagt, vor allem auf Hunde und andere Tiere abgesehen. Weniger verbreitet sind auf Mallorca die anderen Arten, wie etwa der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus).
Ihren Anteil schätzt der deutsche Mikrobiologe und Zeckenexperte Michael Bröker aus Marburg auf nur rund zehn Prozent. Bröker interessiert sich ebenfalls für die auf Mallorca vorkommenden Zeckenarten und hatte vor ein paar Jahren unsere Leser dazu aufgefordert, ihm Zecken zu schicken, die sie auf Mallorca gefunden haben.
Welche Krankheiten übertragen die Zecken auf Mallorca?
Es sind ausschließlich die weiblichen Exemplare, die Blut saugen. Die meisten Zecken tragen in sich sogenannte Rickettsien, das sind Bakterien, die verschiedene Krankheiten auslösen können. Im Falle der Riesenzecke Hyalomma sind das vor allem das Mittelmeer-Fleckfieber (fiebre botonosa) oder auch das Krim-Kongo-Fieber. Letzteres sei allerdings eher auf dem spanischen Festland festzustellen, sagt Miguel Ángel Miranda von der UIB. „Auf Mallorca ist mir bisher kein Fall davon bekannt.“ Vor allem das Krim-Kongo-Fieber kann einen gefährlichen Verlauf nehmen, wenn es im Zuge der Erkrankung zu Blutungen kommt. Dann führt die Krankheit nicht selten zum Tod.
Die Braune Hundezecke trägt ebenfalls im Speichel die Rickettsien und kann verschiedene Krankheiten übertragen. Vor allem für Hunde ist die Zecke gefährlich, weil sie die Vierbeiner mit Ehrlichiose und Babesiose infizieren kann. Menschen sind weniger gefährdet, können in seltenen Fällen aber durch die Rickettsien auch mit dem Mittelmeer-Fleckfieber infiziert werden.
Möglich sind auch Infektionen mit der sogenannten Tick-borne Lymphadenopathy, die sowohl auf Deutsch als auch auf Spanisch mit TIBOLA abgekürzt wird. Dabei schwellen die Lymphknoten an, es kommt zu Kopfweh und Gliederschmerzen. Nicht zu verwechseln ist diese Krankheit mit der mit ähnlichen Symptomen einhergehenden Borreliose, die in Mitteleuropa weitverbreitet ist und gegen die es bislang noch keine Impfung gibt – anders als gegen die Hirnhautentzündung FSME, die laut Miranda auf Mallorca bisher aber nicht registriert wurde.
Was tun bei einem Zeckenbiss?
Miranda rät dazu, immer ins Gesundheitszentrum oder die Notaufnahme zu gehen, um die Zecke fachmännisch entfernen zu lassen. „Hierfür gibt es klare Protokolle. Dazu kommt, dass der Zeckenbiss dann bereits in der Krankenakte des Patienten verzeichnet ist, was bei einem späteren Auftreten von Symptomen die Diagnose vereinfachen kann“, sagt Miranda, der in den Jahren 2024 und 2025 mit zahlreichen Ärzten auf den Inseln beim Thema Zecken zusammenarbeitete.
In einem Projekt waren die Hausärzte dazu aufgerufen, ihm alle Zecken der Patienten einzuschicken, sodass Miranda einen Überblick über die hier auftretenden Tiere und Erreger gewinnen konnte. Er habe an die 1 10 Zecken zugesandt bekommen, sagt er. Aber das sei sicher nur die Spitze des Eisbergs, weil viele Menschen die Tiere daheim entfernten, ohne zum Arzt zu gehen. Fehl am Platze ist allerdings Panik, denn nur wenige Zeckenbisse führen tatsächlich zu einer Erkrankung. Ohnehin ist laut dem Mikrobiologen Michael Bröker der Mensch nur ein Zufallswirt. Die Zecken haben es laut ihm auf kleine Nagetiere abgesehen. Und ähnlich wie bei Mücken seien manche Menschen anfälliger für Zeckenbisse.
Wie verhindert man einen Biss?
Menschen mit Haustieren, vor allem Hunden, sind deutlich aufgeklärter beim Thema Zecken, hat Miranda festgestellt. Fast alle Hundehalter würden ihren Tieren ein Halsband mit Duftstoffen umhängen, das Parasiten abhält. Verhindern lässt sich ein Zeckenbiss trotzdem nicht vollständig – weder bei Tieren noch beim Menschen. Mit langen Hosen, geschlossenen Schuhen und einer gründlichen Begutachtung zu Hause nach einem Tag in der Natur fahre man aber schon ganz gut, sagt Miranda. Wer sich vorrangig in der Stadt aufhalte, könne ohnehin beruhigt sein. In Grünflächen und Parks in Palma habe Miranda und sein Team bisher noch keine Zecken ausfindig machen können.
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