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Dicke Luft in Son Espases: Im größten Krankenhaus auf Mallorca braucht es eine Supervision

Die Geschäftsführerin steht im Kreuzfeuer der Kritik. Es geht um Zuschläge für OPs und ein vergiftetes Arbeitsklima

Das 2011 eröffnete Son Espases ist das wichtigste und größte Krankenhaus der Insel.

Das 2011 eröffnete Son Espases ist das wichtigste und größte Krankenhaus der Insel. / Son Espases

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Die Hunderte von Patienten, die täglich im Landeskrankenhaus Son Espases vor den Toren von Palma behandelt werden, bekommen nur am Rande mit, wie es seit Monaten hinter den Kulissen im größten Klinikum der Inseln brodelt. Nun ist die Krise in den vergangenen Tagen eskaliert. Nach außen hin sichtbar sind überfüllte Notaufnahmen, lange Wartelisten und Ärztestreiks, intern gibt es zusätzlich Zoff um finanzielle Anreize für – allerdings nur – Teile des Personals. Und hinter all dem steht ein schwerwiegender Konflikt zwischen der Klinikleitung und den Mitarbeitern. Das Klima ist offenbar vergiftet.

Zielscheibe der Kritik ist die Geschäftsführerin von Son Espases, Cristina Granados. Aus Berichten des Teams ergibt sich das Bild einer Krankenhausleitung, die von Spannungen, „mangelndem Zusammenhalt“ und einem „fortschreitenden Vertrauensverlust“ zwischen „fast allen“ Bereichsverantwortlichen des Klinikums und Granados geprägt sei. „Sie hat ein Team, das gegen sie arbeitet“, fasst einer der befragten Ärzte die Lage zusammen.

Situation hat sich noch verschärft

Kritik an Auftreten und Führungsstil von Granados ist nicht neu. Bereits zu Jahresbeginn gab es Berichte, nach denen innerhalb eines Jahres bis zu zehn Mitglieder ihres Teams gingen. Diese Serie von freiwilligen und erzwungenen Kündigungen ging damals mit Vorwürfen einher, wonach ihr Führungsstil stark konfliktbeladen sei und abweichende Meinungen kaum dulde.

Mitarbeiter im Landeskrankenhaus Son Espases bei der Verlegung eines Kranken.  | FOTO: MANU MIELNIEZUK

Mitarbeiter im Landeskrankenhaus Son Espases bei der Verlegung eines Kranken. / FOTO: MANU MIELNIEZUK

Seither soll sich die Situation nicht nur nicht gebessert haben, sondern sich zunehmend verschärfen. Mitarbeiter beschreiben ein Arbeitsklima, in dem „direkte und einseitige Anweisungen“ von oben dominierten und in dem sich ein Teil der Verantwortlichen des Hauses von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen fühle. Lediglich der Ärztliche Direktor Vicente Torres liege vollständig auf einer Linie mit der Geschäftsführerin. Die übrige Führungsriege hege erhebliche Differenzen mit ihr – sowohl in Bezug auf ihren Führungsstil als auch auf konkrete Entscheidungen.

Große finanzielle Anreize - aber nur für einige

Im Mittelpunkt der Kritik steht das von Cristina Granados eingeführte System finanzieller Anreize für die 14 Abteilungen, die Operationen durchführen. Diese erhalten für zusätzliche Eingriffe am Nachmittag deutlich höhere Vergütungen als gewöhnlich. Während einige Fachärzte für eine OP-Sitzung mehrere Hundert Euro zusätzlich einnehmen können – teilweise bis zu 920 Euro für einen Nachmittag –, bleiben Abteilungen wie Innere Medizin, Neurologie, Kardiologie oder Pneumologie außen vor, da sie grundsätzlich nicht operieren. Für sie gilt weiter die reguläre Vergütung für Überstunden. „Unter vielen Beschäftigten herrscht großer Ärger, weil ihre Überstunden nicht zu dem deutlich höheren Satz bezahlt werden“, heißt es.

Hinzu kommt, dass immer mehr Operationen aus dem Vormittag in den Nachmittag verlegt werden – und dann aufgrund der Extrazahlungen für die öffentlichen Kassen deutlich teurer werden. Um 1 12 Prozent ist diese Zahl der außerordentlichen Operationen zwischen Januar und April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen.

"Ungleiche Behandlung"

Die Quellen sprechen von einer „ungleichen Behandlung“, die „großen internen Unmut“ ausgelöst habe und in eine Art „Boykott“ gemündet sei, durch den Entlassungen stationärer Patienten „unnötig in die Länge gezogen“ würden. Diese Verzögerungen erschweren den täglichen Betrieb, weil Betten für andere Bereiche fehlen. Das wiederum verstärke den Druck auf die Notaufnahme. Nach Angaben der Quellen führt dieser Frust zunehmend zu einer nachlassenden Zusammenarbeit zwischen einzelnen Bereichen.

Die Entscheidung, an Granados festzuhalten, führen die Insider auf den Willen der PP-geführten Landesregierung zurück, eine institutionelle Krise zu vermeiden, sowie auf die politische Zweckmäßigkeit, ein Jahr vor den Regionalwahlen den „sozialen Frieden“ zu bewahren. Granados selbst musste am 10. Juni zur Anhörung im Balearen-Parlament antreten, wo sie auf die Fragen der Opposition antworten sollte. Allerdings nutzte sie mehr als die Hälfte der Zeit ihres Auftritts dafür, ihre Verdienste um das Krankenhaus zu skizzieren. Zudem stellte sie klar, dass sie keinerlei Absicht habe, zurückzutreten.

Kritik seitens der Opposition

Die sozialistische Abgeordnete Patricia Gómez warf Granados vor, die Ausgaben im OP-Bereich erhöht zu haben, obwohl die Zahl der Eingriffe zurückgegangen sei. Zugleich kritisierte sie die Verlängerung der Wartelisten, die wiederholten Überlastungssituationen in der Notaufnahme und den Vertrauensverlust innerhalb ihres Führungsteams. Marta Carrió von Més per Mallorca stellte das Führungsmodell der Managerin grundsätzlich infrage und forderte sie auf, angesichts der zahlreichen Abgänge in ihrem Team selbstkritisch Bilanz zu ziehen.

Granados’ zentrale Verteidigungslinie bestand darin, einen Großteil der Probleme auf den Ärzte-Streik zurückzuführen. „95 Prozent der Operationen, die nicht stattgefunden haben, sind eine Folge des Streiks“, erklärte sie. Auch 40 Prozent des Rückgangs bei Sprechstunden und diagnostischen Untersuchungen seien darauf zurückzuführen. Weder sie noch das Gesundheitsministerium der Balearen könnten den Konflikt lösen, da dieser in der Zuständigkeit des spanischen Gesundheitsministeriums liege.

Auch am Landeskrankenhaus Son Espases veranstalteten die Gewerkschaften am Dienstag (9.12.) eine Kundgebung

Bei einer Demonstration von Ärzten im Dezember 2025 vor Son Espases. / B. Ramon

Geschäftsführerin lässt Vorwürfe von sich abperlen

Granados bestritt außerdem, dass Entlassungen von Patienten bewusst verzögert würden. Die längere Verweildauer im Krankenhaus erklärte sie mit der größeren Komplexität der Patientenversorgung und den Schwierigkeiten, diese in sozialmedizinische Einrichtungen zu verlegen. Konkrete Daten, die diese Darstellung stützen, legte sie nicht vor. Auf die Frage, ob sie weiterhin die Unterstützung ihres Führungsteams genieße, antwortete sie nicht direkt. Stattdessen erklärte sie lediglich: „Führungswechsel gehören zur normalen Dynamik jeder Organisation.“

Auch andere Kritikpunkte wies sie zurück. So bestritt sie, Anweisungen gegeben zu haben, Patienten wegen des Ärzte-Streiks nicht über Terminabsagen zu informieren. Die Managerin erklärte, sie verfüge über E-Mails, die ihre Darstellung belegten, und habe diese sogar bei sich. Sie las sie jedoch nicht vor und zeigte sie auch nicht, obwohl die Abgeordneten sie ausdrücklich dazu aufforderten.

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