Sonnenfinsternis und Augenschutz: Diese Tipps, die kaum jemand kennt, sollten Kinder und Erwachsene unbedingt beachten
Wo bekomme ich zuverlässige Schutzbrillen? Wann darf ich sie absetzen? Wie können sich Familien die Wartezeit während der partiellen Finsternis vertreiben? Und ist mein Standort eigentlich geeignet? Tipps von einem Astro-Experten

Viele Menschen sind sich nicht darüber bewusst, wie sie sich beim Beobachten einer Sonnenfinsternis richtig verhalten sollten. / dpa / Axel Heimken
Schutzbrille auf und los geht's mit der Sonnenfinsternis? Nein, ganz so einfach ist es nicht. Vor allem dann nicht, wenn auch Kinder beim Spektakel dabei sind, das sich am 12. August kurz vor Sonnenuntergang ereignen wird. "Selbst bei Erwachsenen stelle ich oft fest, dass sie ganz grundlegende Dinge zum Schutz ihrer Augen nicht kennen", so Lluc Mas. Er ist der Vorsitzende des mallorquinischen Raumforschungsinstituts (IMCE) - und versucht derzeit massive Aufklärungsarbeit zu betreiben. Denn eins stehe fest: Wenn Schäden auf der Netzhaut entstehen, dann sind sie in der Regel dauerhaft.
Die richtige Brille
So selbstverständlich es klingen mag: "Das Wichtigste ist, eine spezielle Schutzbrille für das Spektakel zu kaufen. Nicht allen ist das klar", appelliert Mas. Viele Leute erlägen dem Irrglauben, die Augen auch anders schützen zu können und griffen spontan zu anderen vermeintlichen Hilfsmitteln, die sie beim Blick in die Sonne vor die Augen halten wollen: Fotokameras, Handybildschirme, Negative von Fotofilmen, Sonnenbrillen oder Teleskope beispielsweise.
Von all diesen Methoden rät Mas rigoros ab. Auch Schweißerbrillen seien nicht empfehlenswert, es sei denn, sie verfügten über die Schutzstufe 13. "Aber dadurch wird das Bild etwas unscharf sein. Am besten ist es wirklich, die zertifizierten Sonnenfinsternisbrillen zu nutzen", so Mas.
Sicherheit bereits für einen Euro
Auch hier rät er zur Vorsicht. Im Internet oder in Billigläden auf der Insel sollte man den Schutz nicht kaufen. "Verlässlich sind die Modelle, die in Apotheken verkauft werden", so der Experte. Er habe schon vor einigen Wochen eine Brille für rund 3,50 Euro dort gekauft. "Jetzt sind sie seltsamerweise teilweise sogar günstiger zu haben, für rund einen Euro. Aber keine Angst: Sie taugen trotzdem etwas."
Wichtig sei, dass sie der Schutznorm EN ISO 12312-2:2015 entsprechen. Eine entsprechende Kennzeichnung liege bei. "Nicht zu verwechseln mit der Schutznorm für normale Sonnenbrillen, ISO 12312-1, die reicht für den direkten Blick in die Sonne nicht aus", betont Mas.
Das richtige Verhalten
Doch auch die richtige Schutzbrille alleine genüge nicht. Stattdessen müsse man einige Verhaltensweisen verinnerlichen, die man am besten schon vorher zuhause bespricht und erprobt.
Obwohl die totale Finsternis auf Mallorca nur rund 90 Sekunden erfüllt ist, wird im Vorhinehin bereits gut eine Stunde lang eine teilweise Finsternis zu beobachten sein. "Auf keinen Fall die ganze Zeit hinschauen, auch nicht mit Schutzbrille", so der Mallorquiner. Stattdessen lieber zehn, zwanzig Sekunden lang und dann wieder eine Pause machen.
Um sich die lange Zeit zu vertreiben, in der der Mond sich langsam aber stetig vor die Sonne schiebt, hat er zudem einen guten Trick, der gänzlich ungefährlich ist: "Man nehme zwei undurchsichtige Pappkartonscheiben, steche in eine verschieden große Löcher und halte sie so, dass die Sonne hindurch scheint und die andere, nicht löchrige Scheibe mit etwas Abstand dahinter", erklärt Mas. So könne man ganz ohne Brille sehen, wie sich die Sonnenfinsternis auf den hinteren Karton projiziere. "Das ist ideal, um das Geschehen auch gemeinschaftlich zu kommentieren."
Der große Moment
Wenn dann der große Moment gekommen ist - los geht die totale Finsternis um 20.31 Uhr - gelte ebenfalls einiges zu beachten. "Das wirklich Beeindruckende ist ja, zu beobachten, wie es von einen auf den anderen Moment schlagartig dunkel wird. Um das gut zu sehen, sollte man sich kurz bevor der Mond die Sonne komplett verdeckt umdrehen und die Brille abnehmen, um die Umgebung zu beobachten."
Auch die Sterne und andere Himmelskörper seien dann plötzlich deutlich zu sehen, allen voran die Venus leicht links über der Sonne. In den 90 Sekunden, in denen der Mond die Sonne gänzlich verdeckt, könne man auch ohne Schutz hinschauen, so Mas. "Wichtig ist, dass man sie auch rechtzeitig wieder aufsetzt. Denn so schnell es dunkel wird, so schnell wird es dann auch wieder hell."
Stoppuhr stellen hilft
Zumal die Pupillen sich während der Dunkelphase weiteten und bei der rückkehrenden Sonneneinstrahlung besonders empfindlich seien. "Am besten man stellt sich direkt zu Beginn der kompletten Finsternis einen Timer auf 60 Sekunden. In dieser Zeit kann man dann alles ganz genau anschauen, und wenn er klingelt, setzt man die Brille schnell wieder auf.
Ebenfalls wichtig: Kinder sollten die Brille während des ganzen Spektakels nicht anfassen. "Am besten die Regel einführen, dass sie die Hände in die Taschen stecken. Nur die Erwachsenen setzten ihnen den Schutz auf und ab. Sonst ist es ein natürlicher Reflex, die Brille dann, wenn es spannend wird, abzunehmen und zu schauen, ob das, was dort passiert, wirklich wahr ist. Aber dieser kurze Moment kann dauerhafte Schäden anrichten", so Mas.
Und Fotos?
Wer Fotos machen will, könne ruhig kurz auf den Handy- oder Kamerabildschirm schauen - aber immer mit der Schutzbrille auf der Nase. "Und wer eine normale Brille mit Dioptrin hat, muss auf jeden Fall die Schutzbrille vor die normale Brille setzen und nicht dahinter." Gleiches gelte für die Beobachtung durchs Teleskop: Der Sonnenfilter muss vor dem Objektiv angebracht sein, nicht vor dem Okular.
Wer allzu große Menschenansammlungen an der Süd- und Westküste vermeiden wolle, könne die Finsternis auch an anderen Orten der Insel erleben. Lluc Mas empfiehlt hierfür die Internetseite https://horitzo2026.com/. Hier kann man kostenlos seinen Standort angeben und wird dann detailliert darüber informiert, inwiefern die Sonnenfinsternis von dieser Stelle aus zu sehen sein wird.
"Haben Sie Spaß bei der Finsternis, genießen sie das Spektakel, es ist wirklich einmalig und bis 2053 auf Mallorca so nicht mehr zu beobachten", so Lluc Mas. "Aber denken Sie daran: Die Sonne wird es auch weiterhin geben, ihre intakte Netzhaut dagegen vielleicht nicht."
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