Operationen werden verschoben: So bereiten sich Mallorcas Krankenhäuser auf die Sonnenfinsternis vor
Ärzte äußern Unmut über die Verschiebung von Krebsoperationen aufgrund des Naturspektakels

Einige Operationen werden vom 12. August auf den nächsten Tag verlegt. / DM
Auch die öffentlichen Krankenhäuser auf Mallorca werden von der Sonnenfinsternis betroffen sein: In Son Espases, Son Llàtzer, dem Krankenhaus von Inca und dem von Manacor werden für den 12. August einige geplante Operationen verschoben, um Betten und Behandlungskapazitäten im Falle eines medizinischen Großeinsatzes freizuhalten. Betroffen sind auch onkologische Eingriffe, die nach Einschätzung der behandelnden Ärzte ohne gesundheitliche Nachteile auf einen späteren Termin verlegt werden können.
Nach Angaben des balearischen Gesundheitsdienstes IB-Salut sollen möglichst viele Operationssäle, Intensivbetten und Plätze in den Aufwachräumen verfügbar bleiben. Die Behörden rechnen damit, dass Tausende Menschen zur Beobachtung der Sonnenfinsternis nach Mallorca reisen. Im schlimmsten Fall könnten Verkehrsunfälle, Stürze oder Augenverletzungen zu einem plötzlichen Anstieg der Patientenzahlen führen. Auch auf einen Großunfall mit zahlreichen Verletzten wollen die Krankenhäuser vorbereitet sein.
"Das ist ein Skandal"
Bei einigen Ärzten sorgt die Maßnahme angesichts der ohnehin langen Wartelisten für Unmut. Besonders die Verschiebung von Krebsoperationen stößt auf Kritik. „Das ist ein Skandal“, sagte einer der von der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" befragten Mediziner. Seiner Ansicht nach hätte der Einsatz früher geplant werden müssen, damit bereits feststehende Operationstermine nicht geändert werden müssen.
IB-Salut betont, dass ausschließlich medizinisch aufschiebbare Eingriffe verlegt würden – auch in der Onkologie. Entscheidend sei die Einschätzung des jeweiligen Ärzteteams. Dringende Operationen finden wie geplant statt, alle anderen sollen möglichst auf den Tag vor oder nach der Sonnenfinsternis, spätestens jedoch um vier oder fünf Tage verschoben werden.
Son Espases und Son Llàtzer besonders betroffen
Im Universitätskrankenhaus Son Espases läuft der reguläre Operationsbetrieb am 12. August bis 15 Uhr. Die für den Nachmittag geplanten Eingriffe, für die die Ärzte ohnehin Überstunden machen müssten, wurden abgesagt. Verschoben werden zudem lange, aufschiebbare Operationen, nach denen Patienten auf der Intensivstation oder im Aufwachraum betreut werden müssten.
Im Krankenhaus Son Llàtzer endet der geplante Operationsbetrieb bereits um 13.30 Uhr. Aufschiebbare Eingriffe werden auf die beiden Tage vor und nach der Sonnenfinsternis verteilt. Wegen seiner Nähe zur Playa de Palma rechnet das Krankenhaus mit besonders vielen möglichen Patienten. In dem Gebiet werden zahlreiche Menschen erwartet, die das Naturschauspiel beobachten wollen.
In Inca wird der Terminkalender freigehalten
Anders ist die Situation in den Krankenhäusern von Inca und Manacor. In Inca wird der Terminkalender für den 12. August bereits seit Wochen freigehalten. Dort finden nur kleinere ambulante Eingriffe statt, für die keine stationäre Aufnahme erforderlich ist. Das Krankenhaus von Manacor behält einen Teil der Operationen am Vormittag sowie die ambulanten Eingriffe bei. Patienten sollen bei Bedarf jedoch noch am Nachmittag entlassen werden können, um Betten freizumachen.
Wie viele Operationen insgesamt verschoben werden, steht noch nicht fest. Die chirurgischen Abteilungen wollen am Donnerstag und Freitag endgültig über die Eingriffe entscheiden. Die Planung könne sich durch Notaufnahmen, Absagen und kurzfristige Änderungen laufend verändern, erklärte IB-Salut.
Zusätzliche Mitarbeiter
Für die Sonnenfinsternis werden bis zu 160 zusätzliche Mitarbeiter im Rettungsdienst SAMU 061, in den Krankenhäusern und in der medizinischen Grundversorgung eingesetzt. Außerdem werden die Notaufnahmen, die Augenheilkunde und 18 Gesundheitszentren in besonders stark besuchten Gebieten verstärkt.
In Son Espases und Son Llàtzer stehen jeweils zwei zusätzliche Augenärzte bereit, um mögliche Schäden durch den ungeschützten Blick in die Sonne zu behandeln. Der medizinische Sondereinsatz dauert bis zum 15. August, da sich Verletzungen der Netzhaut teilweise erst 24 bis 48 Stunden nach der Sonnenfinsternis bemerkbar machen.
Abonnieren, um zu lesen
- Dramatischer Vorfall in Palma: Mann springt von Hochhaus und fällt auf Gäste einer Caféterrasse
- Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez: Wie der Mallorca-Muffel hier früher Herzen brach
- Gleich zwei Waldbrände auf Mallorca - zwischenzeitlich auch Menschen in Gefahr
- Weil mitten im Sommer die Strandliegen fehlen: Balearen-Regierung feuert oberste Küstenchefin
- Nach Palma jetzt Sóller: Erneut großer Protest gegen Massentourismus auf Mallorca
- Angst vor Chaos zur Sonnenfinsternis auf Mallorca: Warum ab Montag (10.8.) auch Soldaten zum Einsatz kommen
- Nach Überfall mit Pistole: Wie die Polizei Lübeck einem Mallorca-Urlauber half, sein Portemonnaie an der Playa de Palma zurückzubekommen
- Zahl der Kontrollen von Autos mit ausländischen Kennzeichen spürbar erhöht': Veranstalter streicht Oldtimertreffen Mallorca Car Week