Er untersuchte mehr als 350 Hundertjährige: Das haben besonders langlebige Menschen gemeinsam
Wie können wir lange gesund leben? Dieser Frage geht der spanische Langlebigkeitsexperte Manuel de la Peña in einem Ratgeber nach

Auch Spanien sei ein Paradies für Langlebigkeit, sagt Dr. Manuel de la Peña. | FOTO: PRIVAT
In seinem „Leitfaden für ein gesundes Leben bis 120“ („Guía para vivir sanos 120 años“) zeigt Manuel de la Peña anhand besonders langlebiger Menschen, welche Gewohnheiten und Lebensbedingungen unsere Lebenserwartung beeinflussen können. Der promovierte Mediziner ist Facharzt für Herz- und Kreislauferkrankungen, arbeitet zudem als Autor, Wissenschaftler und Forscher und leitet das „Instituto Europeo de Salud y Bienestar Social“ in Madrid.
Sie sprechen in Ihrem Leitfaden von bis zu 120 Jahren, die ein Mensch gesund leben kann. Wie realistisch ist es, das Alter zu erreichen?
Mit jedem Jahr wird es realistischer. Die Lebenserwartung wird in den kommenden fünf Jahren dank innovativer Behandlungen exponentiell wachsen. Die Französin Jeanne Calment zum Beispiel lebte bis zum Alter von 122 Jahren und brach den Langlebigkeitsrekord. Neben Jeanne Calment zählen weitere Frauen zu den ältesten Menschen der Geschichte. Die Japanerin Kane Tanaka und die US-Amerikanerin Sarah Knauss wurden jeweils 1 19 Jahre alt. Die französische Nonne Lucile Randon starb im Alter von 1 18 Jahren.
Gibt es auch Männer, die uralt werden?
Zu den ältesten Männern der Welt gehörten der Japaner Jirôemon Kimura, der 1 16 Jahre alt wurde, sowie der Venezolaner Juan Vicente Pérez Mora, der mit 1 14 Jahren starb. Der aus der Extremadura stammende Francisco Núñez Olivera erreichte ein Alter von 1 13 Jahren. Auch Saturnino de la Fuente wurde zum ältesten lebenden Mann der Welt erklärt. Er übernahm den Titel nach dem Tod des Puerto-Ricaners Emilio „Millo“ Flores, der im Alter von 1 13 Jahren den Guinness-Weltrekord gehalten hatte.
Ihr Institut beschäftigt sich seit etwa 30 Jahren mit dem Thema Langlebigkeit. Macht die Menschheit gerade einen entscheidenden Schritt in diese Richtung?
Natürlich findet ein Paradigmenwechsel in der Entwicklung der menschlichen Spezies statt, und Multimillionäre investieren in Formeln, um das Altern zu bremsen. Google hat Demis Hassabis (britischer KI-Forscher, Neurowissenschaftler sowie Mitbegründer des in London gegründeten Unternehmens DeepMind Technologies, die Red.) ein KI-Werkzeug namens AlphaGenomics abgekauft, mit dem man bereits die Wechselwirkung der Proteine und ihre biologische Ausprägung erkennen kann. Das hat uns Forschern zehn Jahrhunderte Forschungsarbeit erspart. Deshalb werden früher oder später Formeln entdeckt werden, um das Altern zu bremsen.
Klingt sehr optimistisch …
Elon Musk wird mit Neuralink und seinem Gehirnchip mit integrierten KI-Geräten den großen Sprung bei unseren geistigen Fähigkeiten ermöglichen. Mit dem Chip wird unser Denken dem Gehirn Befehle erteilen. Und die Japaner werden die Medizin mit Therapien zur Reprogrammierung von Stammzellen revolutionieren, und Gentherapien werden unzählige Krankheiten heilen. So könnte ich weiter die Zukunft der Langlebigkeit beschreiben.
In Ihrem Buch stellen Sie besonders langlebige Menschen sowie ihre Gewohnheiten und Lebensbedingungen vor. Haben sie etwas gemeinsam, das ein langes Leben begünstigt?
Fast 700.000 Menschen auf der Welt sind bereits älter als 100 Jahre, mehr als 5.000 Menschen haben in der Geschichte der Menschheit 1 10 Jahre überschritten. Nachdem ich klinische Interviews mit mehr als 350 Menschen geführt habe, die älter als 100 respektive 1 10 Jahre sind, konnte ich feststellen, dass sie alle denselben gemeinsamen Nenner haben.
Der da wäre?
Die mediterrane Ernährung, tägliche körperliche Bewegung und das Hören von Musik für mindestens 30 Minuten am Tag sind die drei Schlüssel, die 75 Prozent unserer Langlebigkeit beeinflussen. Nur 25 Prozent hängen von unseren Genen ab.
Bei den Regionen mit einer besonders hohen Zahl alter Menschen wird oft Japan genannt. Welche anderen Länder und Regionen fallen sonst noch auf?
Japan hat 90.000 Menschen, die älter als 100 Jahre sind, und die japanische Insel Okinawa ist eine der fünf sogenannten blauen Zonen wegen der Langlebigkeit ihrer Bevölkerung. Die anderen blauen Zonen sind Sardinien in Italien, Ikaria in Griechenland, Nicoya in Costa Rica und Loma Linda in Kalifornien. Diese Regionen stehen symbolisch für eine Lebensphilosophie. In Wirklichkeit gibt es jedoch noch andere Paradiese der Langlebigkeit – wie zum Beispiel Spanien.
Woran liegt das?
Das liegt an der hohen Qualität der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und der Produkte aus dem Meer, an seinem soliden Gesundheitssystem, seiner großen sozialen Sicherheit und seiner mediterranen Ernährung. Dazu gehört Olivenöl, das sehr reich an Polyphenolen und Antioxidantien ist, die unsere Herz-Kreislauf-Gesundheit schützen.
Wie wirkt sich das demografisch aus?
In Spanien sind fast 20.000 Menschen bereits älter als 100 Jahre. Ich nenne mal ein paar Beispiele: Teresa Fernández Casado, 1 13 Jahre alt, Regina Ramos, 1 12, Sor Rosario Soto, 1 12, Jesús Redondo, 1 1 1, und Antonia Figueroa, 1 10. Es gibt aber noch viele andere. Sie alle zusammen bringen Spanien weltweit auf das Podium der Langlebigkeit.
In Ihrem Buch befassen Sie sich auch mit Forschungen, wie das Leben verlängert werden kann. Sie nennen vor allem alltägliche Aktivitäten, die Gesundheit und Langlebigkeit fördern können. Welche sind die wichtigsten?
Man muss gesunde Gewohnheiten in unsere täglichen Abläufe integrieren, weil das Gehirn nach dem Gesetz des geringsten Aufwands arbeitet. Wir müssen diese Widerstände überwinden, bis wir gesunde Entscheidungen automatisieren.
Auch das Umfeld hat laut Ihren Untersuchungen Einfluss auf ein langes und gesundes Leben. Aber wie lässt sich solch ein günstiges Umfeld schaffen?
Wir alle können im eigenen Zuhause unsere eigene blaue Zone schaffen. Es geht darum, noch heute damit anzufangen und nicht bis morgen zu warten, um drastische Entscheidungen zu treffen, alle ungesunden Gewohnheiten aufzugeben und eine neue Etappe zu beginnen. Dabei soll eine Lebensphilosophie gelten, in der gesunde Entscheidungen und gesunde Gewohnheiten Vorrang haben.
Und wie sehen diese aus?
Ernährung, körperliche Bewegung, Meditation, Atem- und Entspannungstechniken, mentale Kontrolle, Gelassenheit und das Hören von Musik sollen zu unseren automatischen Leitlinien im Alltag werden, ohne dass wir darüber nachdenken müssen.
Gibt es so etwas wie eine allgemeine Formel, um ein hohes Alter zu erreichen?
Die Gesundheit zur Priorität machen. Erst vor wenigen Tagen haben wir ein sehr technologisches sogenanntes 5-Tesla-Magnetresonanzgerät in Betrieb genommen. Damit können wir Bilder des gesamten Körpers erstellen, jede Erkrankung frühzeitig diagnostizieren und den Symptomen zuvorkommen. Hier müssen wir anfangen, wenn wir wissen wollen, wo wir stehen, um die Langlebigkeit anzugehen. Wenn deine Gesundheit Priorität hat, kannst du vorsorgen und länger und besser leben.
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