30. August 2018
30.08.2018

Immobilien-Betrug auf Mallorca: Hauptverdächtiger wohl in Südamerika

Ein Immobilien-Skandal wirft lange Schatten: Mehr als 200 Kunden kauften Häuser ab Plan, die nie gebaut wurden. Die Polizei nimmt sechs Verdächtige fest

30.08.2018 | 11:38
Hausdurchsuchung am Mittwoch.

Im Fall mutmaßlichen Immobilien-Betrugs auf Mallorca, in dem die Guardia Civil am Mittwoch (30.8.) sechs Verdächtige vorübergehend festgenommen hat, wurde der Hauptverdächtige zur Fahndung ausgeschrieben. Vermutet wird, dass sich C.G.R. nach Südamerika abgesetzt hat.

Es ist wohl der bislang größte Fall von Immobilien-Betrug auf Mallorca. Ein Firmengeflecht um das Unternehmen Mallorca Investment soll Immobilien ab Plan verkauft haben, ohne dass diese Projekte je durchgeführt wurden. Die Schwere des Falls liegt dabei weniger in der mutmaßlich ergaunerten Geldmenge – eine Summe, die vermutlich im einstelligen Millionen-Bereich liegt – sondern in der Anzahl der Geschädigten. Mehr als 200 Einzelpersonen und Familien investierten in die zu bauenden Immobilien, ohne je etwas für ihr Geld bekommen zu haben.

Service: Tipps und Warnsignale beim Kauf von Immobilien vor dem Bau auf Mallorca

Die Guardia Civil ermittelt seit Monaten in dem Fall und schlug schließlich am Mittwoch (29.8.) zu. In der Balearen-Hauptstadt nahm sie sechs Verdächtige fest, durchsuchte insgesamt sechs Firmensitze und Privatwohnungen und beschlagnahmte Computer, Bargeld und Unterlagen. In der mit der Polizei auf dem spanischen Festland koordinierten „Operació Lloriguera" (Katalanisch für „Operation Karnickelbau") wurden zudem zwei Wohnungen in weiteren spanischen Städten durchsucht.

Die MZ konnte mit zwei betroffenen Paaren sprechen, die jeweils fünfstellige Summen für Bauprojekte angezahlt hatten und jetzt um ihr Geld bangen. „Zunächst schien alles ganz seriös", schildert einer der Geschädigten am Telefon. Das schick eingerichtete Immobilienbüro in Coll d­'en Rebassa habe im Frühjahr 2017 – damals unter dem Namen Lujo Casa – einen soliden Eindruck gemacht. Der Verkäufer, ein Spanier mit den Initialien C.G.R., wirkte vertrauenswürdig und versprach gute Preise bei Vorauszahlungen von 10, 20 oder 30 Prozent. „Die Baupläne waren professionell und der Preis verlockend", erklärt der Mann, der sich zusammen mit seiner Frau ein noch zu bauendes Chalet in Es Pont d'Inca ganz in der Nähe des Krankenhauses Son Llàtzer reservierte. Man nahm Kontakt zu anderen Kunden auf und gründete eine WhatsApp-Gruppe.

Doch schon bald machte sich in der Gruppe Misstrauen breit. Nachfragen im Rathaus von Marratxí ergaben, dass sich das Unternehmen zwar das Grundstück reserviert, aber nie die entsprechende Anzahlung geleistet oder die nötigen Unterlagen eingereicht hätte. Die ersten Anleger verlangten ihr Geld zurück und wurden über Monate hingehalten. Andere leisteten hingegen weitere Anzahlungen, um sich einen noch besseren Preis zu sichern. „Manche Familien haben bis zu 80.000 Euro gezahlt, ohne dass der Bau je begonnen hat", erzählt der Betroffene. Der große Schock kam, als ein anderes Unternehmen das Grundstück kaufte und dort den Bau eines ganz anderen Projekts begann.

Seit etwa Anfang des Jahres 2018 sei der Kontakt zu dem Verkäufer C.G.R. schließlich ganz abgebrochen. „Er erklärte uns, er werde aufs Festland reisen, um dort für Finanzierung zu sorgen. Dann antwortete er weder auf E-Mails, noch ging er ans Telefon", berichtet ein weiterer Geschädigter.

Die Ermittler verdächtigen das Unternehmen, auf diese Weise Bauvorhaben in mehreren Orten der Insel verkauft zu haben. Darunter Reihenhäuser, Chalets und Wohnungen in Marratxí, Llucmajor, Santa Ponça und Palma.

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