22. Februar 2019
22.02.2019

Palma de Mallorca wehrt sich gegen geplante Schlafnischen in Mini-Wohnungen

Die städtische Bauordnung verbiete solche Projekte, erklärt der Bürgermeister. Auch Architekten, Bauunternehmer und Anwohnerverbände kritisieren das Vorhaben

22.02.2019 | 08:57
Wohnprojekte des Unternehmens, das nun in Palma für Kritik sorgt.

Mit Empörung und klaren Worten hat die Stadt Palma de Mallorca auf die Ankündigung des Unternehmens Haibu 4.0 reagiert, in der Balearen-Hauptstadt Mini-Wohnungen vermarkten zu wollen: "Mit Wohnraum darf man weder spielen noch spekulieren", erklärte Bürgermeister Antoni Noguera am Donnerstag (21.2.).

Zuvor war bekannt geworden, dass das Unternehmen in Palma auf einem Raum von 500 Quadratmetern Fläche auf 250 Quadratmetern 40 Mini-Doppelzimmer einrichten und diese um weitere 250 Quadratmeter Gemeinschaftsraum der Riesen-WG erweitern will. In Barcelona und Paris hatte die Firma bereits mit Schlafnischen für Aufsehen gesorgt. In Palma sollen die Privaträume etwas größer ausfallen, dafür aber für Paare gedacht sein, die während der Saison auf der Insel arbeiten.

Schlafzimmer auf zwei oder sechs Quadratmetern einzurichten "ist vom Gesetz nicht erlaubt, und deswegen geht es nicht", erklärte Noguera in Bezug auf Palma de Mallorca. Das Vorhaben passe auch nicht zu der Grundvorstellung der Politik, mit der man "immer das Wohlergehen der einzelnen Person" verfolge.

Die städtischen Richtlinien schreiben Schlafräume von mindestens acht Quadratmetern vor. Wohnungen müssten eine Mindesfläche von 35 bis 40 Quadratmetern bei einer Raumhöhe von 2,5 Metern haben.

Auch der Sprecher der Anwohnerverbände, Joan Forteza, kritisierte das Vorhaben "Wohnnischen" einzurichten. Dass verstoße "gegen die Würde der Menschen, die in prekären Lebensumständen" lebten. Das Unternehmen gibe vor, mit vergleichsweise niedrigen Mieten auf deren Situation einzugehen. "Aber sie löst die Probleme nicht, sondern nutzt sie für den eigenen Profit aus", so Forteza.

Der Sprecher der Architektenkammer, Nacho Salas, erklärte: "Es handelt sich nicht um Wohnungen, sondern um vorübergehende Unterkünfte, wie in den früheren Gästehäusern oder Hostels, in denen Gastarbeiter unterkamen." Solche Immobilien seien "weder geeignet um darin zu wohnen, noch um als Gast unterzukommen". Allerdings hält Salas es für sinnvoll, die aktuell geltenden Vorschriften flexibler zu machen, um mehr Optionen auf dem Wohnungsmarkt zu ermöglichen.

Auch der Sprecher der Bauträger, Luis Martín, kritisierte die Idee von Schlafnischen. Solche Angebote hätten nichts mit einer "würdigen Wohnung" zu tun und damit "der falsche Weg". Auch Martín weist jedoch auf die Notwendigkeit hin, neue kleinere Wohnungen zu bauen, weil dies den Bedürfnissen der Bevölkerung entspreche. /tg

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