13. November 2019
13.11.2019

Der Traum von einem Tiny House auf Mallorca

Sie sind abbaubar und passen auf jedes Grundstück: In Palma gehen die ersten Tiny Houses in den Verkauf. Ob die Behörden da mitspielen?

13.11.2019 | 01:00
Das Muster-Tiny-House steht im Garten von Leon Haan. Es könnte auch anders gestaltet werden, solange es auf den Hänger passt.

Von einem bezahlbaren Häuschen auf Mallorca träumen viele. Immobilienmakler Kai Fischer von Fine Estates Mallorca will diesen Traum nun auf seine Weise erfüllen. 55.000 Euro plus Mehrwertsteuer (21 Prozent) kostet ein 20 Quadratmeter großes sogenanntes „Tiny House" schlüsselfertig. Fischer hat es seit Kurzem im Angebot, ein Musterhaus ist fast fertig. Der Begriff Tiny House stammt aus den USA und geht einher mit dem Trend, auf wenigen Quadratmetern zu wohnen und sich zu reduzieren.

Auf Mallorca werden die Tiny Houses von Leon Haan gebaut. Der Holländer lebt seit fünf Jahren auf der Insel, zuvor hat er in der Türkei gewohnt und dort Wellnessbereiche für Hotelketten gebaut. In der Nähe von Inca hat er sich mit einem mallorquinischen Schreinermeister zusammengetan, Leon Haans Frau Caroline hilft ebenfalls bei der Arbeit. „Die Häuser können völlig autark sein", sagt er. Der Strom kommt über eine Solaranlage auf dem Dach, das Wasser aus einem 1.000-Liter-Tank, der mitgeliefert wird.

Wie es drinnen aussieht, bestimmt der Kunde. „Im oberen Bereich ist normalerweise der Schlafbereich vorgesehen. Die Häuser können aber auch als Sauna genutzt oder als Module zusammengebaut werden", sagt Leon Haan. Außen gibt es einen Feuchtigkeitsschutz aus Aluminium, innen werden die 3,40 Meter hohen Wände aus Kiefernholz zum Beispiel mit Glaswolle gedämmt. Vom Boden bist zum Dach ist das Haus vier Meter hoch, der obere Teil kann für den Transport abgenommen werden. Die Fenster sind doppelverglast, es gibt eine Klimaanlage, die auch als Heizung genutzt werden kann, eine Küche, Dusche und ein Kompostklo.

Das Innenleben wird auf Kundenwunsch angepasst. Foto: Nele Bendgens

„Jedes der Häuser steht auf einem extra konstruierten Anhänger, der angemeldet und TÜV-geprüft ist", sagt Leon Haan. Die Hänger stammen aus Holland, in der kleinsten ­Variante sind sie 5,50 Meter lang, die größte Version kann bis zu 10,50 Meter messen. Dann steht das Haus auf vier Achsen. Die Breite ­beträgt immer 2,50 Meter, damit es für den Straßenverkehr zugelassen werden kann.

Als sich die MZ das erste Musterhaus vorführen lässt, bringt Immobilienmakler Kai ­Fischer zwei potenzielle Kunden mit. Nick S. (33) hat sich in seinem Leben auf das Nötigste beschränkt. Der Online-Unternehmer verkauft E-Zigaretten. „Früher hatte ich eine ­große Wohnung mit vier Schlafzimmern, in ­jedem Zimmer einen Fernsehen. Dann habe ich angefangen, mich radikal zu reduzieren." Seit ein paar Wochen fährt er mit einem Van durch Europa und arbeitet auch von dort. „Ich würde mir nie ein Haus kaufen, aber ein Tiny House auf Mallorca wäre als Basis schon nicht schlecht", sagt er.

Auch Julie Wolf (32) denkt darüber nach, sich eine Mini-Bleibe zuzulegen. „Ich bräuchte aber wahrscheinlich ein zweites als Ankleidezimmer", scherzt sie. Reduzieren will sich die Eventmanagerin nicht, aber sie wünscht sich einen kleinen Garten. „Ich lebe seit zehn Jahren auf Mallorca und liebe vor allem die ­Natur." Doch für eine Finca hat es bisher nicht gereicht. „Da ist das Tiny House doch eine ­Alternative", meint sie.

Traum mit Grauzone


Tiny Houses befinden sich auf der Insel noch in einer rechtlichen Grauzone. Kai Fischer meint, zumindest in Palmas Städtebau-­Vorschriften (normas urbanísticas) für Bauten im ländlichen Bereich (suelo rústico) eine ­Lücke gefunden zu haben. „Demnach ist es ­erlaubt, sich eine Gartenlaube zum Wohnen auf ein Grundstück zu stellen. Dazu muss man sich als Landwirt anmelden und ­vielleicht ein paar ­Tomaten großziehen", sagt er. Außerdem seien die Tiny Houses ja auch wieder abbaubar und könnten weg­gefahren werden.

Dass es diese Möglichkeit theoretisch gibt, bestätigt eine Sprecherin des mit dem Landschaftsschutz beauftragten Inselrats. Dafür bedürfe es allerdings zunächst einer Genehmigung durch das balearische Landwirtschaftsministerium, sagt sie der MZ. ­Voraussetzung dafür sei auf jeden Fall, dass das Grundstück mindestens 14.000 Quadratmeter groß ist. Fischer will in Es Pillari bei der Autobahnabfahrt Son Oms diese Hürde mit einem ­genügend großen Grundstück nehmen, das er in Parzellen aufteilt, die er per Mietkauf ­anbietet. Laut der ­Inselrats-Sprecherin ist darüber hinaus wohl auch noch eine Baugenehmigung der Stadt notwendig, sie halte es für sehr zweifelhaft, dass diese Lizenzen erteilt werden. Kai Fischer versucht es trotzdem.

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