21. Dezember 2019
21.12.2019
Mallorca Zeitung

Was kann ein Makler auf Mallorca so alles?

Büroadressen, Verhaltenskodex, Ausbildungsstandards: Die Balearen-Regierung will die Branche strenger regulieren. Derzeit ist die Bandbreite groß

21.12.2019 | 01:00
Drei Mallorca-Makler: (v.l.) Robert Maunder, Kerstin Honrath und Jürgen Conzelmann.

Kerstin Honrath, Honrath House Hunters

Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Kerstin Honrath im Immobiliengeschäft unterwegs. Die 54-Jährige, die seit vier Jahren auf Mallorca lebt, begann ihre Laufbahn in Italien mit der Sanierung von Altbauten. Von dort ging es nach München zu einem ­Luxusmakler und danach zu einem großen Gewerbe­immobilienmakler in Berlin, der auch für die Treuhand arbeitete. „Ich habe Erfahrung quer durch den Garten", sagt Honrath, die zwischenzeitlich mit einem eigenen Schuhlabel in der Schweiz einen siebenjährigen Abstecher in die Modewelt machte. „Auf Mallorca bin ich dann wieder zu meiner Leidenschaft gekommen, den Immobilien."

Dafür habe sie auf der Insel zunächst den Markt eingehend studiert. „Ich wusste ja, es gibt schon sehr viele hier." Sie tastete sich vorsichtig an das Thema heran, allerdings hatte sie durch ihren Hintergrund - unter anderem zog sie im Lauf ihres ­Lebens 30 Mal um und baute selbst - die nötige Erfahrung, um es schließlich zu wagen. Inzwischen hat sie sich mit dem Team von Homefinder Mallorca zusammengetan, um Synergien zu nutzen. Sie bringt zumeist die Kunden mit, Homefinder Mallorca hat die Objekte im Angebot. „Und das sind junge Kerle, von daher ergänzen wir uns sehr gut." Sie selbst sieht Seiteneinsteiger im Maklerwesen nicht negativ. „Es gibt sehr gute Quereinsteiger und schlechte Professionelle." Es gehe vor allem um die Empathie dem Kunden gegenüber. „Diejenigen, die nur Zahlen und Fakten wissen, haben es schwer." Klar gehöre es dazu, den Markt zu kennen. Aber das allein mache nicht den Erfolg aus.


Kerstin Honrath. Foto: Daniel Koke

Jürgen Conzelmann, First Class Estate

Jürgen Conzelmann ist seit zehn Jahren Inhaber der Immobilienfirma First Class Estate Mallorca. Der gelernte Ingenieur von der Schwäbischen Alb leitete bereits vor seiner Auswanderung auf die Insel Immobilienprojekte in Deutschland, bevor er sich in Richtung Spanien orientierte. Das erste Haus baute er in Andalusien, ­bevor Conzelmann nach kurzer Rückkehr nach Deutschland nach Mallorca auswanderte und das bereits bestehende Unternehmen First Class ­Estate in Santa ­Ponça kaufte. „Durch meine vor­herigen Unternehmungen hatte ich schon Erfahrung mit Aus- und Umbau. Deshalb waren mir Themen wie etwa Bauqualität nicht fremd", sagt Jürgen ­Conzelmann, der 2009 inmitten der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise auf Mallorca begonnen hat.

Da habe er gelernt, jedem Kunden mit jedem Budget dieselbe Aufmerksamkeit zu schenken. „Wenn man langfristig hier auf der Insel als Makler arbeiten will, dann muss man zwangsläufig auf das schnelle Geld verzichten. Das funktioniert hier nicht." Der Markt auf Mallorca sei der „knall­härteste", wie es ­Conzelmann ausdrückt. Vor allem in den vergangenen Jahren sei der ­Wettbewerb immer schärfer geworden. „Auch die Kunden sind inzwischen immer besser vorbereitet. Auch wenn sie nur ein geringes Budget zur Verfügung haben, fragen sie sehr präzise nach." Da trenne sich dann schnell die Spreu vom Weizen bei den Maklern auf der Insel. So manch einer käme schon mit der falschen Einstellung. „Dabei hat Mallorca noch auf niemanden gewartet", sagt ­Conzelmann. Manche der neuen Mitbewerber wüssten noch nicht einmal, wo Campos oder Felanitx liegen.


Jürgen Conzelmann. Foto: Robert Gaviota

Gülcan Kamps, freie Immobilienmaklerin

Eine, die es auf Mallorca versucht hat oder weiter versucht (ganz so klar ist das nicht), ist Gülcan Kamps. Die ehemalige VIVA-Moderatorin will mit ihrem Namen Geschäfte machen. Allerdings ist nicht bekannt, ob sie tatsächlich schon ein Haus verkauft hat. Auf ihrer Instagram-Seite gibt es zwar einen Screenshot-Ausschnitt eines Artikels in der „Bild" mit der Überschrift „Sie ist jetzt Immobilienmaklerin auf Mallorca", Bilder von Häusern finden sich auf ihrer Seite aber kaum.

Mit der MZ sprach sie dieses Jahr, erklärte aber vorher, sie werde keine persönlichen Fragen beantworten. Als die MZ ihr das Interview zur Ansicht schickte, gab sie keines ihrer Zitate frei. Sie sei mit dem Gesprächsverlauf nicht zufrieden gewesen, ließ Sie über ihr Management ausrichten. Unter anderem berichtete sie damals, dass sie vor fünf, sechs Jahren angefangen habe, mit dem ersten Projekt auf Mallorca Fuß zu fassen. Hinter ihr stehe ein ganzes Team, sie sei das Gesicht, das die Vermarktung erleichtern soll. Kamps sprach von drei Wohnungen in Santa Ponça, die vermarktet werden sollen.


Gülcan Kamps. Foto: Bendgens

Robert Maunder, First Mallorca

Der Brite Robert Maunder gründete gemeinsam mit seiner heutigen Ex-Frau Heidi Stadler vor 24 Jahren First Mallorca, nachdem er zuvor jahrelang in verantwortlichen Positionen in der Tourismusentwicklung in Europa, in Afrika, im Nahen Osten und in Südostasien unterwegs war. „Damals konnte man die Immobilien­agenturen, die ausländische ­Käufer hatten, an einer Hand abzählen", sagt er. Dennoch habe man sich schon damals auf eine Region oder ein bestimmtes Produkt spezialisieren müssen, um erfolgreich zu sein. Im Falle von First Mallorca sollte das die Ecke rund um Costa d'en Blanes und Bendinat sein. Das Internet begann, den Markt grundlegend zu verändern, Mallorca wurde immer populärer, die Preise stiegen. „Da war Fantasie drin", sagt ­Maunder.

Heute sei die Situation ganz anders, heute würde er auf einem Markt, auf dem unqualifizierte und unprofessionelle ­Agenturen wie die Pilze emporschössen, kein neues ­Immobilienunternehmen eröffnen. Die Vorteile lägen klar bei den alteingesessen und etablierten Maklern, die man an einer Hand abzählen könne. First Mallorca habe ­inzwischen 51 fest angestellte und hoch spezialisierte Mitarbeiter. Der Firmensitz ist 700 Quadratmeter groß, an wichtigen Standorten gibt es Büros. „Das heute noch einmal neu aufzubauen, würde 15 bis 20 Millionen Euro Sofortinvestition bedeuten. Aber dann bräuchte man auch noch das geeignete Personal." Das zu finden, könne Jahre dauern, in denen schon ­Gehälter bezahlt werden müssen. Daran seien schon mehrere Unternehmen gescheitert.


Robert Maunder. Foto: First Mallorca

Denis Luedemann, Luxury Estates Mallorca

Er sei schon lange international unterwegs, erzählt Denis Luedemann. Vor einigen Jahren hatte er eine eigene Firma im Bereich Markenaufbau und arbeitete unter anderem in Hongkong. „Irgendwann hat mich dann ein Freund auf Mallorca gefragt, ob ich in seiner Immobilienagentur anfangen kann", erzählt Luedemann, der inzwischen nicht mehr in dieser Agentur ist, sondern für Luxury Estates Mallorca in Port d'Andratx arbeitet. Er sei ein Seiteneinsteiger, sagt er. Einer, der das Handwerk nicht von der Pike auf gelernt hat. „Aber ich habe durch meine vorherigen Kontakte einige Kunden mitgebracht."

Dass er in einer kleinen Agentur mit lediglich acht Mitarbeitern untergekommen ist, sieht Luedemann als Vorteil. „Da sind Leute mit viel Erfahrung dabei. Von denen lerne ich ständig dazu." So komme etwa sein Managing Partner aus dem Baugewerbe. Aber selbst wenn man von der Materie Ahnung habe, sei das noch keine Garantie dafür, dass man ein guter Makler sei. „Man muss bei einem Besichtigungstermin ein Gefühl für die Situation haben. Das kann man nicht lernen." Es gebe auf Mallorca sehr gute Makler, aber auch „viele Spinner", die sich schon als Makler fühlten, weil sie ein Handy besäßen.


Denis Luedemann. Foto: Adrian Gajda

Robin Ratjen, @bestofmallorca

Der Hamburger Robin Ratjen (30) ist geschäftstüchtig – und weiß besser als viele andere im Immobiliensektor auf der Insel, mit Insta­gram umzugehen. Ratjen benötigt keine eigene Website, sondern ­akquiriert seine Kunden ausschließlich über die Foto-Plattform und Hochglanzaufnahmen von Luxusimmobilien auf Mal­lorca. „Ich habe gemerkt, dass vor ­allem junge Leute darauf anspringen", sagt er. Ratjen kann dabei durchaus Erfahrung in der Immobilienbranche aufweisen. Er hat bereits in Hamburg und auf Mallorca für Engel & Völkers gearbeitet. In Santanyí absolvierte er bei dem Franchise-Immobilien-Riesen ein Praktikum und arbeitete danach ein Jahr lang dort als Makler.

2018 schrieb er seine ­Bachelor-Arbeit über das Thema Effizienz von Instagram für das Immobilien-Marketing. Heute vermarktet Robin Ratjen nicht direkt Immobilien, sondern bringt vor allem die Kunden mit, die sich für ein Objekt auf Mallorca interessieren. Für die begibt er sich auf die Suche und spricht mit den Maklern. Er sehe sich deshalb eher als „Zuarbeiter". Zusätzlich zu seinem Maklerdasein auf Mallorca hat Robin Ratjen im November als Investmentmanager bei einer ­Firma in Köln angefangen, die ­Gewerbeimmobilien in Mittel­europa betreut.


Robin Ratjen. Foto: Marcus Brell
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