Während im Carrer Antoni Maura mitten in dem kleinen Ort Lloseta im Inselinneren von Mallorca die Maschinen der Bauarbeiter, die die Straße ausbessern, röhren, herrscht schon einige Meter weiter am Montagmittag (16.11.) wieder Totenstille. Es ist einer der Tage, an denen die milde Herbstsonne wohl einige Bewohner dazu einladen würde, durch die Grünflächen und das Anwesen des nahe gelegenen Palau d'Aiamans zu streifen. Doch die Tore des Herrensitzes aus dem 18. Jahrhundert, zu dem auch ein über 8.000 Quadratmeter großer Park gehört, sind verschlossen - zum einen, weil das Anwesen in ­Privatbesitz ist und das Rathaus nur ein gelegentliches Nutzungsrecht für die Gärten hat, zum anderen weil ein Besuch mittlerweile ­gefährlich sein könnte, da das traumhafte Anwesen dringend renoviert werden muss.

Es ist ein Stück Geschichte Mallorcas, das da vor sich hin rottet, weil sich Eigentümer, Rathaus und Inselrat nicht über die Nutzung einigen können. Es erzählt vom Aufstieg und Niedergang des Adels. Der Sitz der Grafen von Aiamans und Barone von Lloseta ging 1927 in den Besitz des Financiers und einstigen Schmugglers Joan March über. Seine Erben verkauften es 1975, heute gehörte es einem Investmentfonds namens Oasis mit Sitz auf Ibiza.

Die Besitzer interessieren sich schon seit Jahren dafür, den Palast touristisch zu nutzen und etwa ein Hotel daraus zu machen", sagt Bürgermeister Chema Muñoz beim Besuch der MZ. Das Rathaus ist im Prinzip einverstanden, allerdings nur unter der Bedingung, dass es die Gärten künftig dauerhaft öffentlich nutzen kann. Schließlich wolle man den Bewohnern des Ortes ausreichend Grünflächen bieten.

Nun steht der Palast aber unter besonderem Schutz. Ihn in ein Hotel zu verwandeln, ist nicht ganz einfach. Um etwa Umbauarbeiten im Inneren des Gebäudes zu ermöglichen, hatte Mallorcas Inselrat das Anwesen 2018 bereits vom „Bien de Interés Cultural" (BIC) zum „Bien Catalogado" heruntergestuft. Das äußere Erscheinungsbild des Palastes muss jedoch gewahrt bleiben.

Eine touristischen Nutzung, die auch den Wert des Anwesens deutlich steigern würde, ist damit aber noch nicht genehmigt. „Das letzte Wort in dieser Angelegenheit haben nicht wir, sondern der Inselrat, und selbst dort muss der Antrag erst durch verschiedene Abteilungen durch", sagt der zuständige Gemeinderat von Lloseta Bartomeu Ripoll. Und das kann dauern.

Nun machte Oasis vergangenen März Druck: Sollte die touristische Nutzung verwehrt bleiben, werde man das Rathaus juristisch zur Enteignung zwingen. Das würde ­richtig ins Geld gehen: Das Rathaus schätzt den Wert des Palastes und der Gärten auf ins­gesamt elf Millionen Euro. Die Gemeinde verfügt aber nur über ein Jahresbudget von sieben Millionen Euro.

Oasis hat den Verantwortlichen im März eine Frist von zwei Jahren gesetzt. Letztlich sind drei Akteure aufeinander angewiesen: die Eigentümer, das Rathaus und der Inselrat. Damit der Palast nicht irgendwann ganz zerfällt und am Ende niemand etwas von dem prächtigen Herrensitz hat, will sich das Rathaus nun beim Inselrat für die Vereinbarung mit der öffentlichen Nutzung der Gärten im Austausch für die mögliche touristische Nutzung einsetzen. „Wenn die Eigentümer nicht mit uns an einem Strang ziehen, können sie auf dem Anwesen auch kein Hotel bauen und es nicht verkaufen", so der sozialistische Bürgermeister Chema Muñoz. „Wir vertrauen beide darauf, dass der Inselrat die touristische Nutzung erlaubt." Bisher hat man sich in der ebenfalls sozialistisch geführten Inselregierung weder für noch gegen den Vorschlag ausgesprochen.

Zuletzt hatte das Rathaus den Palast etwa bei der Ankunft der Heiligen Drei Könige im vergangenen Jahr oder im Wahlkampf-Endspurt genutzt. Als der Palast vor einigen Jahren noch in besserem Zustand war, fanden dort regelmäßig Konzerte - unter anderem trat hier Patti Smith auf -, Theateraufführungen, Buchvorstellungen oder andere Veranstaltungen statt. „Immer, wenn wir ihn nutzen wollten, haben wir von den Eigentümern die Genehmigung dafür bekommen", so Chema Muñoz, der auf die dauerhafte Nutzung hofft. Trotz mehrfacher Anfragen wollten sich weder Oasis noch der Inselrat gegenüber der MZ zu dem Thema äußern.

Schon seit Ende August steht der Palast auf einem bekannten spanischen Immobilienportal für über 11 Millionen Euro zum Verkauf. Im Beschreibungstext steht auch, dass sich der Palast, zu dem auch ein Pool gehört, gut für eine touristische Nutzung eignen würde, oder, um ihn in ein Krankenhaus umzugestalten.