07. Januar 2021
07.01.2021
Mallorca Zeitung

Wenig Hoffnung auf günstige Neubauwohnungen im einheimischen Markt auf Mallorca

Der Branche hat die Corona-Krise stark zugesetzt. Baufirmen setzen auf finanzstärkere Ausländer

07.01.2021 | 11:00
Teurer Spaß: ein Immobilienkauf auf Mallorca.

Es hatte sich bereits 2020 angedeutet: Dieses Jahr tut sich wenig am Immobilienmarkt auf Mallorca. Und vor allem für die einheimische Bevölkerung sieht es in Sachen bezahlbarer Wohnraum düster aus. Darauf hat nun der Präsident der Bauträger auf den Inseln, Luis Martín, hingewiesen. Weil sich die finanzielle Lage vieler Familien auf Mallorca durch die Coronakrise verschärft habe, könnten speziell junge Menschen derzeit kaum eine Hypothek aufnehmen und somit eine Wohnung abzahlen. Deshalb setzen die Baufirmen der Insel in diesem Jahr verstärkt auf den Zweitwohnungsmarkt, der vor allem durch wohlhabendere Ausländer aus Nord- und Mitteleuropa bedient wird.

Die Nachfrage aus diesen Regionen sei nach wie vor stark, so Martín. Die Folge: Die Baufirmen setzen auf Immobilien mit einem Preis von 350.000 Euro aufwärts. Viele Projekte, die günstigere Wohnungen in Aussicht stellen, werden derzeit erst einmal geparkt. Für die Bevölkerung auf der Insel, speziell junge Menschen, die sich ihre erste Wohnung kaufen möchten, wird dieses Unterfangen daher nahezu unmöglich. Bei einem Preis von 350.000 Euro kommen noch einmal etwa 14 Prozent Nebenkosten dazu, so dass der Preis dann knapp 400.000 Euro beträgt. Da Banken üblicherweise maximal etwa 80 Prozent des Kaufpreises als Hypothek zur Verfügung stellen, müssen potenzielle Wohnungskäufer mindestens 80.000 Euro angespart haben - etwas, das kaum ein junger Mensch auf Mallorca schafft.

Die Krise hat die wirtschaftliche Lage vieler Familien derart verschärft, dass immer mehr Menschen versuchen, aus bereits geschlossenen Kaufverträgen wieder auszusteigen, weil sie den Kredit nicht bedienen können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Banken keine Kredite an von Kurzarbeit oder Freistellung betroffenen Beschäftigte erteilen. Die ein oder andere Baufirma ist deshalb bereits in Schwierigkeiten geraten, weil sie auf den einheimischen Markt setzte, dort die Nachfrage aber eingebrochen ist.

Luis Martín macht zudem auf ein Problem aufmerksam, das sich in den kommenden Jahren akzentuieren dürfte. Wenn die Aktivität in der Baubranche 2021 einschläft, werde es mehrere Jahre dauern, bis sie wieder komplett aufgenommen werden kann. Hauptgrund dafür: die lange Wartezeit auf Baugenehmigungen, die nicht selten ein Jahr oder mehr betragen. /jk

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