20. März 2021
20.03.2021
Mallorca Zeitung

Hohe Abschläge bei Ladenmieten auf Mallorca

Lange Zeit waren Lokale in guten Lagen so gut wie unbezahlbar. Das hat sich mit der Pandemie geändert

20.03.2021 | 01:00
„Se traspasa": Schilder wie diese finden sich in Palma zurzeit an vielen Stellen. Die Übertragungen von Bars sind teils bis zu 60 Prozent billiger.

Anruf bei Makler Xisco. Wir geben uns als Interessent für ein 120 Quadratmeter großes Ladenlokal an der Playa de Palma aus, das derzeit für 2.700 Euro im Monat angeboten wird. Gute Lage, aber ein bisschen teuer, finden wir. Xisco lässt durchblicken, dass es bei der Miete sehr wohl Verhandlungsspielraum gebe. „Es ist aber wahrscheinlich, dass die Miete dann, wenn die Pandemie ausgestanden ist, erhöht wird", gibt der Makler zu bedenken.

Die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien auf Mallorca ist seit dem Ausbruch der Krise massiv zurückgegangen. Laut einer Studie der Immobilien-Consultingfirma CBRE ist der Leerstand bei Ladenlokalen innerhalb der vergangenen zwölf Monate in Palma um 64 Prozent nach oben geschnellt. Betroffen davon sind vor allem die traditionellen Haupteinkaufsstraßen im Zentrum, wie etwa die Flaniermeilen Jaume III und Born. Wer dieser Tage durch die Innenstadt von Palma läuft, kann tatsächlich alle paar Meter eines der Schilder im Schaufenster ausmachen, auf denen „Se alquila" (zu vermieten) oder „Se traspasa" (zu übertragen) steht.

Speziell in den exklusiven Innenstadtlagen machte sich laut der Studie das Fehlen finanzkräftiger Kunden aus dem Ausland bemerkbar. Im Carrer Jaume III sind nach Erkenntnissen von CBRE im Januar 2021 etwa 15 Prozent der Ladenlokale auf der Suche nach einem neuen Mieter gewesen. Ein Jahr zuvor waren es gerade einmal drei Prozent. Etwas stabiler war die Belegung in den eher von Einheimischen frequentierten Einkaufsstraßen, wie etwa Carrer Sant Miquel oder Carrer Oms, obwohl auch hier Geschäfte aufgegeben haben.

Und wer eröffnet schon in unsicheren Zeiten ein Geschäft oder eine Bar, sollte man meinen. Patricia und Rubén Fernández etwa haben es gewagt. Die beiden Geschwister haben die Bar Cristal an der Plaça d'Espanya wieder zum Leben erweckt, nachdem der deutsche Betreiber Helmut Clemens mit seinem Es Rebost krisenbedingt aufgab. Doch noch sind sie damit in der Minderheit.

Der Geschäftsführer des Immobilienunternehmens Gesmorent, Chechu Osinalde, berichtet der MZ: „Obwohl sich abzeichnet, dass die Pandemie in den kommenden Monaten zumindest deutlich abflaut, spüren wir noch keine gesteigerte Nachfrage nach Ladenlokalen." Gesmorent hat sich auf die Vermietung von Gewerbeimmobilien spezialisiert. Osinalde schätzt den Anteil an leer stehenden Lokalen im Stadtgebiet von Palma derzeit auf zehn bis zwölf Prozent. „Aber es sind ja auch noch viele Leute in Kurzarbeit. Wenn die endet, könnten noch einmal deutlich mehr Bars schließen", befürchtet der Geschäftsführer zumindest kurzfristig noch mehr Leerstand.

Einen etwas anderen Eindruck vermittelt Chesca Castañer, die Leiterin der Grupo Ferran in Palma, deren Schilder ebenfalls an vielen Geschäften zu finden sind. Sie macht vor allem seit dem Jahresende 2020 eine – wenn auch noch in geringem Umfang – spürbare Nachfragesteigerung gerade bei Ladenlokalen aus. „Wir haben immer wieder Anfragen, speziell von jüngeren Leuten, die ihr erstes Geschäft eröffnen wollen oder von alteingesessenen Unternehmern, die nun hoffen, für den gleichen Preis in eine bessere Lage umziehen zu können", erklärt Castañer.

Wer sich zurzeit dazu durchringe, einen Laden anzumieten, könne mit großzügigen Preisnachlässen rechnen, zumindest für die erste Zeit. „In den meisten Fällen vereinbaren die Mieter mit den Eigentümern einen deutlichen Mietnachlass zumindest für die ersten sechs Monate. Der kann durchaus 40 bis 50 Prozent betragen", sagt Castañer. Chechu Osinalde bestätigt die massiven Preisrückgänge auch bei den sogenannten traspasos, also der Übergabe der Einrichtung an den Nachmieter. „Hier kann man Schnäppchen machen, bis zu 60 Prozent weniger werden hier momentan verlangt." Die meisten Neuunternehmer würden nämlich lieber ihre eigene Einrichtung einbauen und dafür auf Kredite zurückgreifen.

Komplett zum Stillstand gekommen ist die Vermietung von Büroräumen - angesichts des verstärkten Homeoffice während und wohl auch nach der Pandemie kein Wunder. Lagerhallen hingegen würden weiterhin stark nachgefragt, die Preise seien hier eher gestiegen, sagt Osinalde.

Angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Lage und der gleichzeitigen Wohnungsnot nehmen laut Osinalde derzeit auch die Anträge auf Umwandlungen von Ladenlokalen zu Wohnungen noch einmal zu, gerade bei Immobilien, die sich nicht in Premium-Lagen befinden. Osinalde befürwortet diese Möglichkeit und bedauert, dass die strengen bürokratischen Bedingungen solche Umwandlungen häufig verhindern. „Da muss sich dringend etwas ändern", findet Osinalde.

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