Ehemaliger Betrüger will Geschäft des festgenommenen Mallorca-Maklers übernehmen

Bei dem Mann handelt es sich eigenen Aussagen zufolge selbst um einen Geschädigten des Immobilienbetrugs

Immobilienbetrug kann auch im spanischen Monopoly ins Gefängnis führen.

Immobilienbetrug kann auch im spanischen Monopoly ins Gefängnis führen. / Nele Bendgens

Ciro Krauthausen

Ciro Krauthausen

Der auf Mallorca aufgeflogene mutmaßliche Immobilienbetrug in großem Stil bekommt einen schrillen und boulevardtauglichen Nebenschauplatz: Nun kündigt ein vorbestrafter ehemaliger Betrüger in den sozialen Netzwerken an, dass er das Geschäft des am 8. Dezember in Deutschland festgenommenen bekannten Insel-Maklers übernehmen will. Hintergrund, wie er in einem Video erklärt: Er selbst sei von dem 37-jährigen Beschuldigten betrogen worden.

Der dank intensiver Werbung inselweit bekannte Makler soll systematisch Anzahlungen für Immobilienkäufe einbehalten haben, die dann nie zustande kamen. Nach derzeitigem Kenntnisstand befanden sich unter den Geschädigten auch ein auf der Insel ansässiger Unternehmer, ein in Hongkong lebendes Paar sowie drei deutsche Unternehmer. Letztere sollen um 2,2 Millionen Euro gebracht worden sein.

Jetzt kommt auch der ehemalige Betrüger hinzu. In dem im Netz zirkulierenden Video schildert er, mit reichlich nicht jugendfreien Kraftausdrücken unterlegt, wie der festgenommene Makler auch ihm und seiner Familie ein Haus im Wert von etwa einer Million Euro in Aussicht gestellt und dafür entsprechende Anzahlungen erhalten habe.

„Wenn du ein guter Betrüger bist, bist du auch ein guter Geschäftsmann. Aber legal.“

Dann aber habe sich herausgestellt, dass der Besitzer der Immobilien gar nicht verkaufen wollte und der Maklervertrag womöglich gefälscht worden war. Zur Rede gestellt, habe der Makler schließlich eingewilligt, die über 200.000 Euro in Raten zurückzuzahlen, was bis auf einen Restbetrag auch geschehen sei.

Gut zu sprechen ist der Ex-Betrüger auf den mutmaßlichen Ist-Betrüger dennoch nicht. Er habe der Frau des Festgenommenen - gegen die als Geschäftsführerin der Immobilienfirma ebenfalls ermittelt wird - angeboten, auf seine Forderungen zu verzichten und stattdessen die mittlerweile geschlossenen Immobilienbüros in Puerto Portals und Port d'Andratx zu übernehmen. Handelseinig sei man sich aber noch nicht geworden.

Der ehemalige Betrüger kam zuletzt 2011, als er eine kurze Haftstrafe verbüßte, mit dem Gesetz in Berührung. Wie er der MZ berichtet, unterzog er sich danach einer Drogentherapie und machte eine Automobilverkäufer-Lehre. Seither habe er Flüchtlingsunterkünfte und Senioren-WGs betrieben sowie mit Immobilien gehandelt. Derzeit habe er zwei Maklerbüros in Deutschland.

Der Mann hat über sein abwechslungsreiches Leben zwischen Drogensucht und Abzocke auch schon ein Buch geschrieben. Auf Instagram präsentiert er sich vor derzeit 87.000 Followern mit protzigen Autos und Uhren. In einem Zeitungsinterview gab er auch einmal folgenden schönen Satz zum Besten: „Wenn du ein guter Betrüger bist, bist du auch ein guter Geschäftsmann. Aber legal.“