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Einsturzgefährdete Häuser auf Mallorca: Was ist eigentlich der Gebäude-TÜV IEE?

Wer auf Mallorca eine Immobilie besitzt, muss sie regelmäßig von Architekten prüfen lassen. Wie der Check funktioniert und was er kostet

Offensichtliche Mängel: Risse in der Fassade sind kein gutes Zeichen.  | FOTO: DM

Offensichtliche Mängel: Risse in der Fassade sind kein gutes Zeichen. | FOTO: DM

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Seit dem tragischen Einsturz des Medusa Beach Club an der Playa de Palma, bei dem vier Menschen starben, ist der informe de evaluación de edificios (IEE) in aller Munde. Der sogenannte Gebäude-TÜV (früher ITE) ist eine vergleichsweise junge Vorschrift. Wer auf der Insel eine Immobilie hat, kommt früher oder später nicht um den Check herum.

Im Jahr 1999 legte die Zentralregierung in Spanien fest, dass Immobilieneigentümer die Verantwortung dafür tragen, ihre Gebäude in Schuss zu halten. 2004 führte das Rathaus Palma analog zu anderen spanischen Gemeinden die ITE ein, die inspección técnica de edificios. Bis heute sind Marratxí, Inca und Manacor nachgezogen. „Das spanienweite Gesetz galt anfangs nur in Gemeinden mit mindestens 25.000 Einwohnern. Wer auf Mallorca seine Finca in einem kleinen Dorf hatte, musste sich nicht darum scheren“, erklärt der Architekt Luis Marín, der früher an der Balearen-Universität lehrte und heute mit seinem Büro IEE Mallorca den Check anbietet. Um die Lücke in kleinen Gemeinden zu schließen, legte die Balearen-Regierung 2017 fest, dass der IEE für alle Immobilienbesitzer obligatorisch ist – sei es auf dem Dorf oder in der Stadt.

Worin besteht der IEE?

Die Architekten besichtigen die Wohnung oder das Haus. „Der Check besteht aus drei Teilen“, sagt Marín. Der wichtigste Punkt ist die Suche nach Schäden. „Wir prüfen, ob es in der Fassade, an Säulen oder Wänden Risse gibt, die die Sicherheit gefährden.“ Feuchtigkeit ist ein weiterer Warnhinweis. „Zudem offensichtliche Sachen wie ein verrostetes Geländer. Ein Fragezeichen sind Zwischenwände, weil wir nicht wissen, was dahintersteckt.“

Beim zweiten Punkt geht es um die Barrierefreiheit. Da Rollstuhlrampen nicht vorgeschrieben sind, ist dies eine Formalie. Zuletzt wird noch das Energiezertifikat, das eigentlich nur beim Verkauf oder der Vermietung gebraucht wird, ausgestellt. Es gibt auf einer Skala von A (sehr gut) bis G (mies) an, wie nachhaltig das Gebäude in Sachen Energieverbrauch ist.

Wer muss den IEE machen?

„Theoretisch müssen alle Gebäude 30 Jahre nach ihrem Bau dem ersten Teil des IEE unterzogen werden“, sagt Marín. In der Praxis kontrolliere das niemand. „Sollte es zu einem Einsturz kommen, kann der Besitzer dann aber für das fehlende Zertifikat verantwortlich gemacht werden.“

Nach 50 Jahren muss der komplette Check vollzogen werden. Das wäre derzeit vor Baujahr 1974. „Die Rathäuser von Palma, Marratxí, Inca und Manacor verschicken mitunter Briefe zur Erinnerung. Darauf verlassen kann und sollte man sich aber nicht“, sagt der Experte. „Darüber hinaus pochen auch manche Versicherungsunternehmen auf den IEE.“ Andere Gemeinden – wie das Rathaus Calvià – kümmerten sich herzlich wenig um das Thema. Solange es keine Probleme gibt, ist es nicht strafbar, den IEE nicht zu machen“, sagt Marín. Doch sollte es gar zu einem Einsturz kommen, würde der Ärger gigantisch.

Wer sich unsicher ist, in welchem Jahr sein Haus gebaut wurde, kann das schnell beim Katasteramt unter sedecatastro.gob.es prüfen. Einfach auf der Startseite auf den „Buscador de inmuebles“ gehen und unter „Calle/Número“ die Adresse angeben.

Was kostet der Check?

„Für ein Einfamilienhaus können die Besitzer mit einem Preis ab 300 Euro für den ersten Teil des IEE kalkulieren, den kompletten Bericht gibt es ab 400 Euro“, sagt Marín. Im Falle von Mehrfamilienhäusern kommt die Eigentümergemeinschaft für die Kosten auf. Je mehr Wohnungen ein Gebäude hat, umso günstiger wird der Check für jeden Einzelnen. „Mitunter reden wir dann von nur noch 30 Euro pro Wohneinheit.“

Eine Wartezeit wie bei der ITV – dem Auto-TÜV in Spanien – gibt es beim IEE nicht. „Das ist eine Sache von Tagen. Wir hatten aber schon Kunden, die uns am 30. Dezember anfragten und unbedingt noch im selben Jahr das Ergebnis wollten. Das wird eher nichts“, sagt Marín. Wobei auch keine Strafe droht, wenn der Bericht zu spät eingereicht wird. Denn nur wer bei einer Prüfung dabei auffällt, dass er trotz Fälligkeit den Check hätte machen müssen, zahlt ein Bußgeld in Höhe von 600 bis 1.500 Euro. „Bei einsichtigen Leuten, die dann direkt den IEE in Auftrag geben, wird die Strafe auf 150 Euro reduziert.“

Das Ergebnis kann favorable (bestanden) und desfavorable (nicht bestanden) sein. Um durchzufallen, müssen schwerwiegende Mängel vorliegen. „Sind sie sehr gravierend, rufe ich direkt Rathaus und Polizei an, die eine Sperrung des Gebäudes veranlassen“, sagt Marín. Andernfalls liege es an den Beamten, ob sie Ausführung der Reparaturarbeiten überprüfen. „Manchmal ordnet die Stadt die Ausführung binnen eines Monats an.“ Nach dem IEE bei Gebäuden mit einem Alter von 50 Jahren ist der Check dann alle zehn Jahre fällig.

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