Tui-Konzernchef Sebastian Ebel befürwortet Verbot von Immobilienkäufen durch Ausländer
Spitzenmanager verweist im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Folgen des Massentourismus auf Dänemark, wo Deutsche keine Häuser zur privaten Nutzung kaufen können

Sebastian Ebel. / Clara Margais/dpa
Überraschendes Statement eines Spitzenmanagers: Sebastian Ebel, Chef des Reisekonzerns Tui, befürwortet prinzipiell ein Verbot von Immobilienkäufen an Ausländer in touristisch attraktiven Regionen wie Mallorca. "Schwierig wird es dort, wenn der ausländische Tourist praktisch die ganzen Häuser wegkauft, weil er 10.000 Euro mehr hat", sagte er, in einem "Bild-Talk". "Und da verweise ich immer gern auf das dänische Modell. Ein Deutscher kann in Dänemark kein Haus für private Nutzung kaufen."
Nun sind der freie Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital Grundfreiheiten der EU. Das auch auf Mallorca immer wieder geforderte Verbot der Immobilienkäufe durch Nicht-Residenten gilt deswegen als kaum umsetzbar. Dänemark hatte 1992 seine Zustimmung zu den Maastrichter Verträgen davon abhängig gemacht, dieses Verbot beibehalten zu dürfen.
Frage des Wohnraums sei das zentrale Problem
Ebel hält die Frage des Wohnraums für das zentrale Thema bei den Protesten gegen den Massentourismus auf Mallorca. "Es gibt diese Proteste, die sich gegen bestimmte exzessive Themen wie Erhöhung der Mieten und nicht vorhandenen Wohnraum, gestiegene Häuserpreise und Verkehrsaufkommen richten. Und das sollten wie unbedingt ernst nehmen, weil uns das genauso gehen würde."
Die eigenen Kunden seien nicht das Problem. "Der Pauschaltourist geht in ein Hotel und nimmt niemandem das Haus oder Apartment weg, er wird mit dem Bus mit 50 Reisenden dort hingebracht - also nicht 50 Mal Individualverkehr - und er bleibt im Durchschnitt zehn bis elf Tage und nicht zwei oder drei."
Im "guten Austausch" mit der Balearen-Regierung
Wichtig sei zu schauen, "was bewegt die Leute, wie viel Tourismus wollen sie, welchen wollen sie nicht", so Ebel. "Letztlich sind es die Menschen, die dort vor Ort leben, die bestimmen, wie viel Tourismus sie wollen." Darüber sei man in einem "guten Austausch" mit den Verantwortlichen vor Ort.
Es brauche eine "Gesamtstrategie", um die negativen Auswirkungen des Tourismus zu mindern", so der Tui-Chef, der in dem Gespräch nicht explizit auf das Thema Ferienvermietung eingeht. "Und das hat ganz viel mit Wohnraum zu tun - deswegen bauen wir für unsere Mitarbeiter oft auch Staff-Houses, wo sie wohnen können, aber auch der Polizist, der für neun Monate dort ist". Ebel hatte bereits zuvor in Aussicht gestellt, dass Tui auch selbst Wohnraum auf Mallorca schaffen könnte.
- Ein Sexsymbol der 80er, die schönste Frau der Welt und deutsche TV-Stars: So war die Marcel Remus-Party auf Mallorca
- Mallorcas Rettungsschwimmer schlagen Alarm: „Lage an Calviàs Küste ist untragbar“
- Tragödie auf Mallorca: Zwei Menschen sterben bei Wohnhausbrand in der Urlauberhochburg Magaluf
- Playa-Unternehmer Carlos Lucio kauft weiter die legendäre Bierstraße auf Mallorca auf
- Tragödie auf Mallorca: Defekter Kühlschrank soll tödlichen Brand in Magaluf ausgelöst haben
- Dramatischer Rettungseinsatz an der Playa de Palma: Deutscher ertrinkt beinahe in Hotelpool
- Mietwagen-Schock auf Mallorca: Preise steigen um mehr als ein Drittel
- Trotz Protesten von Anwohnern und Denkmalschützern: Abriss einer historischen Villa in Palma hat begonnen

