Immobilien auf Mallorca: Was soll das eigentlich heißen, Luxus?
Auf Mallorca, so scheint es, kommen nur noch Luxusimmobilien auf den Markt. Was darunter zu verstehen ist, steht auf einem anderen Blatt. Wir haben bei einem Architekten, einer Maklerin, einem Bauträger und zwei Innenarchitekten nachgefragt

Von Quadratmeta gestaltetes Rooftop des Projekts Casa Palma Bay. / FOTO: ARANZAZU MENCK
Es ist auf Mallorca mittlerweile so gewöhnlich, dass es kaum noch Beachtung findet. Kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht in den Medien, auf Bauzäunen oder in Werbebannern im Internet von neuen Bauprojekten auf der Insel erfährt. Eine Sensation wäre es, wenn jemand bezahlbaren Wohnraum baut. Aber das ist derzeit eher selten. Wenn man auf Mallorca einen Baukran sieht, dann kann man davon ausgehen, dass sich unten ein Schild befindet, an dem auf Englisch, Deutsch und Spanisch ein Wort steht: Luxury. Luxus. Lujo.
Was das in der Praxis bedeutet, ist dabei nicht immer so klar. Zwar gibt es meist schöne computergenerierte Bilder von Schlafzimmern mit traumhaften Ausblicken und idyllischen Außenbereichen mit Pool. Doch in eine echte Luxusimmobilie kommt man selten hinein. Was wünschen sich diejenigen, die alles haben können, für ihre Häuser?

Der Spa-Bereich des Neubaus Xo Jonquet. / XO-Jay
Das letzte Stück Bauland
Eines der Projekte, das in den vergangenen Tagen viel Aufmerksamkeit bekommen hat, befindet sich im Mühlenviertel Es Jonquet. Der Bauträger XO-Jay hat von der Stadt das Okay bekommen, auf der letzten verbliebenen Brache des Stadtteils einen Wohnkomplex im hochpreisigen Bereich zu bauen. Direkt hinter dem Hard Rock Café am Paseo Marítimo sollen 56 Wohnungen und eine Villa entstehen. 80 bis 300 Quadratmeter groß. Neben den obligatorischen Gemeinschaftspool und Fitnessstudio soll den Anwohnern hier nach Bauabnahme im Jahr 2028 unter anderem ein Chauffeurservice, ein Concierge-Dienst und ein Gemeinschaftsboot zur Verfügung stehen. Die Preise liegen im Millionenbereich.
Das Konzept der Wohnanlage passe sich an die veränderten Bedürfnisse der zahlungskräftigen Klientel an, heißt es auf Anfrage bei XO-Jay „Vor 15 Jahren bedeutete Luxus sicherlich, ein großes, abgeschiedenes Anwesen zu haben. Heute ist Luxus vor allem eins: Nutzbarkeit.“
Anders gesagt: ständige Erreichbarkeit. Das große Kapital Mallorcas sei die Anbindung. Die wenigsten Menschen, die eine Wohnung in einer solchen Anlage – XO-Jay hat unter anderem auch eine im Neubauviertel Nou Llevant gebaut – wohnen dauerhaft dort. „Die Frage ist: Kann man spontan für ein bis drei Tage zwischendurch auf die Insel kommen?“
Bei einer abgeschiedenen Finca lohnt sich der Aufwand nicht. Bei einem Apartment in Palma hingegen schon. Vor allem, wenn man vorher den Consierge anrufen kann und ihn bittet, die Reinigung und ein paar Einkäufe zu organisieren. Und wenn man einen Ausflug mit dem Boot machen möchte, kann man dies gleich auch reservieren. „Es heißt nicht, dass alle Kunden diese Dienste in Anspruch nehmen. Aber es ist gut, die Möglichkeit zu haben.“ Dies ziehe nicht nur internationale Klientel an: „Auch Spanier finden daran Gefallen.“

Ein Haus darf sich nicht aufdrängen: Villa von Osvaldo Luppi. / FOTO: CARLOS TERRA
Zitronenschale auf dem Tisch
Lena Langnickel ist Maklerin beim Unternehmen Claus von Benz. Die Firma ist ein Newcomer auf dem hart umkämpften Markt der Luxusimmobilien auf der Insel. Auch sie beobachtet einen Trend dahin, dass man möglichst wenig Arbeit mit der Zweitwohnung hat. „Natürlich wollen einige Kunden gerade bei Neubauten in Sachen Gestaltung mitbestimmen. Immobilien im Luxusbereich verkaufen sich gut, wenn sie komplett gestaged sind. Das heißt, wenn die Zitronenschale auf dem Tisch steht, die Vorhänge hängen und das teure Besteck in der Schublade liegt.“
Im besten Fall ist das Haus auch mit einer Infrastruktur versehen, die die Arbeitsbereiche von den Wohnbereichen trennt. Ein Beispiel sei die sogenannte Schmutzküche. Also eine Küche, häufig mit Industrieausstattung, die sich hinter der „offiziellen“ Küche befindet und in der tatsächlich gekocht wird. „Vorne ist nur Show“, sagt Lena Langnickel.
Die Immobilie als Ruhepol
Wie eine Luxusimmobilie von innen aussehen kann, davon kann man sich bald in Palmas Stadtteil Foners ein Bild machen. Aranzazu und Max Menck betreiben seit sieben Jahren auf Mallorca das Innenarchitektur-Büro Quadratmeta. Hier, in einer ehemaligen Werkstatt im Arbeiterviertel in der Nähe des Gesa-Gebäudes, entsteht der neue Showroom der Firma. Das Ehepaar hat andere Erfahrungen mit den Kunden gemacht: „Wir sind überrascht, wie gut vorbereitet sie in die Gespräche gehen. Die haben sehr genaue Vorstellungen und wollen sich einbringen.“
Auf Luxus im Sinne eines Smarthome seien die wenigsten aus, sagt Aranzazu Menck. Vielmehr gehe es darum, abschalten zu können, einen Ruhepol zu schaffen. Wichtig sei vor allem viel Licht und wenn möglich große Außenbereiche. Zudem wünschten sich viele angehende Immobilienbesitzer visuelle Ruhe. „Technische Geräte wie der Fernseher sollen zwar da sein, werden aber versteckt.“ In der Wohlfühloase Mallorca-Immobilie lege man viel mehr Wert darauf, die Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen.
Dabei komme es nicht unbedingt darauf an, dass man ein großes Haus habe. Man könne den Komfort in einer kleinen Wohnung genauso schaffen wie in einer Villa, ergänzt Aranzazu Menck. „Sei es durch die großen Fenster für mehr Licht oder die Materialien, die man auf die Bedürfnisse der Kunden anpasst.“ Wichtig sei, dass sich die Kunden nicht von Äußerlichkeiten täuschen lassen. „Manchmal blendet der tolle Ausblick oder die angesehene Lage, und die augenscheinliche Traumimmobilie verwandelt sich in einen Albtraum“, sagt Max Menck. „Sei es, weil überall Schimmel ist oder weil man sich in einer Gegend befindet, in der man kontinuierlich Baulärm ausgesetzt ist.“
Eine Frage der Privatsphäre
Ähnlich argumentiert Osvaldo Luppi. Der mehrfach für seine Immobilien preisgekrönte Architekt ist seit 20 Jahren auf der Insel aktiv. Für ihn hat es eine Banalisierung des Begriffs Luxus im Immobilienbereich auf der Insel gegeben. „Häufig wird der Preis in den Mittelpunkt gestellt oder die Marken der verwendeten Produkte.“ Dies sei ein bisschen so, wie wenn jemand mit teuren Klamotten herumläuft, auf denen das Logo der Marke großflächig aufgedruckt ist. „Für mich ist wahrer Luxus, auch wenn ich den Begriff nicht mag, vor allem eine Idee“, sagt der Argentinier.
Es gehe darum, das Haus nach den tatsächlichen Bedürfnissen der Kunden zu gestalten. Das fange bei der Größe an. „Ich hatte an der Uni einen Professor, der immer sagte: Es gibt keinen langen oder kurzen Hausflur, es gibt nur einen spannenden oder einen langweiligen.“ Anders gesagt: Ein großes Haus ist nur dann sinnvoll, wenn man die Räume sinnvoll nutzen kann. „Es ist ein Vorteil, wenn man ein Atelier einrichten kann, wenn der Sohn künstlerisch aktiv ist. Gleichzeitig kann eine sehr weitläufige Küche schnell zu groß sein, weil man dann nicht mehr richtig kochen kann. Zudem muss das Haus ja auch gemütlich sein. Wie viele Menschen fühlen sich in ihren eigenen vier Wänden fremd – obwohl sie viel Geld dafür ausgegeben haben?“
Gleichzeitig müsse ein Haus schon eine gewisse Größe haben, um als Luxus zu gelten, räumt Luppi ein. „Ich glaube nicht, dass eine Wohnung in diese Kategorie fallen kann.“ Auch für ihn ist Privatsphäre ein entscheidender Faktor. „Unsere Kunden suchen die Abgeschiedenheit. Wo ist der Luxus, wenn man direkte Nachbarn hat? Deren Häuser womöglich genauso aussehen wie das eigene?“ Seine Kunden schätzten ein gewisses Understatement. „Das Haus darf nicht schreien, es will sich nicht aufdrängen.“ Die Räume, die Beleuchtung, die gesamte Architektur Luppis ist so ausgerichtet, dass die Annehmlichkeiten nur für diejenigen erkennbar sind, die sich drinnen befinden.
Nach Mallorca aussehen
In einem Punkt sind sich alle einig: Eine Luxusimmobilie wird heutzutage mit Naturmaterialien ausgestattet, wenn es geht von der Insel. Santanyí-Stein etwa, aber auch Holz. „Es ist ein Trend der vergangenen zehn Jahre, das man sich auf das Lokale konzentriert“, sagt Osvaldo Luppi. Das liege auch daran, dass Zweithausbesitzer immer längere Zeiträume auf der Insel verbringen. Da wolle man sich nicht als Tourist fühlen. Das Haus soll möglichst viele Elemente haben, die nach Mallorca aussehen.
Jenseits der Küsten werde dies besonders deutlich, sagt Max Menck von Quadratmeta. „Es gibt viele Menschen, für die besteht der Luxus darin, dass ihr Haus 300 oder 400 Jahre alt ist, das es gut gepflegt wurde und über einen Garten mit altem Baumbestand verfügt. Dass es eben nicht künstlich hochgezogen wurde, sondern dass eine gewisse Aura vorhanden ist.“
Das Meer und die anderen im Blick
Wobei das keinesfalls auf alle Immobilienbesitzer zutrifft. Für viele Menschen zählen andere Aspekte. „Wenn ein Haus Meerblick hat, erzielt es sicherlich einen höheren Kaufpreis als wenn es keinen hat“, sagt Maklerin Lena Langnickel. Auch die Nähe zu Yachthäfen oder Golfplätzen würde von ihren Kunden sehr geschätzt. „Das zeigt sich besonders im Südwesten der Insel, in Calvià oder Andratx.“
Anders gesagt: Eine zahlungskräftige Nachbarschaft zieht durchaus ein zahlungskräftiges Publikum an. Letztlich gehe es bei den Luxusimmobilien vor allem um Emotionen, hört man immer wieder. Schließlich sei so ein Haus, so eine renovierte Altstadtwohnung, so ein Anwesen ja nichts, was jemand wirklich zum Leben braucht. Vielmehr gehe es um die Frage: Wie gelingt es mir, im meiner Lebenssituation größtmögliche Erfüllung zu finden?
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