Mitten in der Wohnungskrise auf Mallorca: US-Investmentfonds verscherbelt Wohnanlage zum Spottpreis
Der Verkauf von Wohnungen und Büros in Sa Pobla sorgt für Unmut

Tonina Crespí
Wirbel um eine Immobilientransaktion auf Mallorca: Die linke Regionalpartei Més per Mallorca hat den Verkauf einer Wohnanlage in Sa Pobla im Norden der Insel scharf kritisiert. Konkret geht es um die Veräußerung von 21 Wohnungen, elf Büros, ein Ladengeschäft und 54 Parkplätze. Diese seien an einen – für mallorquinische Verhältnisse – Spottpreis an eine Immobilienfirma aus Alcúdia verkauft worden. So seien für die Wohnungen, die alle über 100 Quadratmeter groß sind, Preise zwischen 70.000 und 130.000 Euro aufgerufen worden. Besonders erstaunlich: Die Preise für die Wohnungen liegen nicht nur unter dem Marktpreis, sondern auch unter dem üblicherweise deutlich niedrigeren Katasterwert.
Més per Mallorca forderte die Balearen-Regierung auf, von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen, das im balearischen Wohngesetz verankert ist. Angesichts der dramatischen Lage auf dem Wohnungsmarkt sei es vollkommen unverständlich, dass so ein Verkauf über die Bühne gegangen ist, hieß es in einem Statement des Parlamentsabgeordneten Ferran Rosa. "Es scheint, als habe die Regierung keinen Überblick über den Immobilienmarkt. Oder sie hat tatsächlich keine Absicht, die Wohnungsnot zu lösen." Für Més besonders ärgerlich: Neben den bereits bestehenden Wohnungen hätte man auch die Büroräumlichkeiten problemlos in mindestens 80 Quadratmeter große Wohnungen umbauen und somit noch mehr Wohnraum schaffen können.
Von der Regierung hieß es, man werde den Fall prüfen. Das Wohnungsbauministerium von José Luis Mateo untersuche gerade den Kauf, um herauszufinden, ob das Vorkaufsrecht der Landesregierung bei der Wohnanlage greift.
Das sind die Verkäufer
Verkäufer der Immobilie ist das Unternehmen Promontoria Coliseum Real Estate SL. Dabei handelt es sich um die Firma von José María Aznar Botella, dem Sohn des ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten José María Aznar. Diese wiederum ist über Gesellschaften in den Niederlanden dem US-Investmentfonds Cerberus unterstellt. Dessen Gründer, Steve Feinberg, ist derzeit stellvertretender Außenminister der USA. Aznar Botella hatte den Einstieg von Cerberus in den spanischen Immobilienmarkt im Zuge der Wirtschaftskrise 2008 eingefädelt.
Die Unternehmen halten eine große Anzahl an Immobilien in Spanien, von denen zahlreiche leer stehen Offiziellen Zahlen zufolge waren im Juni 2024 allein auf Mallorca 101 Immobilien im Besitz von Promontoria nicht vermietet oder verpachtet. Für Schlagzeilen sorgte ein Fall im Jahr 2023, als Promontoria drei sozial benachteiligte Familie aus ihren Wohnungen in Palmas Stadtteil Es Rafal werfen wollte. Cerberus ist auf der Insel zudem durch Aktivitäten im Hotelgewerbe in Erscheinung getreten.
Der Verkauf der Immobilie in Sa Pobla für den Spottpreis dürfte als Zeichen gewertet werden, dass nicht alle Spekulationsprojekte der Unternehmen in Spanien auch erfolgreich sind. /pss


