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Wem der neue Chef der Bauträger die Schuld für die Wohnungsnot auf Mallorca gibt

Der neue Präsident der Bauträger auf Mallorca, Óscar Carreras, spricht im Interview über Fehler der Vergangenheit und Lösungswege für die Zukunft

Neuer Bauträger-Chef: Óscar Carreras.

Neuer Bauträger-Chef: Óscar Carreras. / Manu Mielniezuk

Auch die Vereinigung der Bauträger auf Mallorca, PROINBA, hat einen neuen Präsidenten. Óscar Carreras ersetzt seit wenigen Tagen Luis Martín an der Spitze des Verbandes. Er selbst ist sowohl Bauträger als auch Bauunternehmer. Im Gespräch mit dem „Diario de Mallorca“ äußert er sich zur aktuellen Wohnungsnot auf der Insel.

Sie haben angekündigt, dass Bauträger in der Lage sind, innerhalb von acht Jahren 15.000 neue, erschwingliche Wohnungen bauen zu können. Ist das nicht ein leeres Versprechen, wenn bei der Umsetzung doch zuerst die Verwaltung gefragt ist?

Wenn wir uns die Erfahrungen der vergangenen acht Jahre ansehen, haben Sie vielleicht recht. Aber wir wollen zuversichtlich bleiben. In früheren Phasen lag der Fokus auf subventionierten Sozialmietwohnungen unter dem Dach des IBAVI, und es gab keine Unterstützung für private Bauträger, die erschwingliche Wohnungen schaffen wollten. Also gab es keine solchen Wohnungen. Im Gegensatz dazu wurden wir in den vergangenen zwei Jahren (seit dem Regierungswechsel hin zur Volkspartei PP, Anm. d. Red.) zumindest gehört, und das spiegelt sich wider in bereits verabschiedeten Dekreten mit Maßnahmen wie dem Wachstum in der Höhe oder der Umwidmung von öffentlichen Flächen zu Grundstücken, die mit Wohnungen bebaut werden können. Wenn das, was wir gefordert haben, umgesetzt wird und wir optimistisch sind, ist es möglich, dass wir in sechs bis acht Jahren etwa 15.000 erschwingliche Wohnungen haben, die sich im Bereich von 300.000 Euro bewegen könnten, wobei der Preis natürlich von der Größe abhängt.

Ihr Vorgänger Luis Martín behauptet, dass in den vergangenen acht Jahren auf den Inseln mehr Wohnungen für Reiche gebaut wurden als je zuvor.

Ich nehme an, er bezog sich auf den Prozentsatz. Es ist nicht so, dass mehr Wohnungen für Reiche gebaut werden als 2008, sondern dass der Bau von erschwinglichen Wohnungen eingebrochen ist. Das erklärt, warum der Durchschnittspreis auf den Balearen in die Höhe geschossen ist.

Eine Maßnahme, um die 15.000 erschwinglichen Wohnungen zu erreichen, ist, dass Gebäude in der Höhe wachsen dürfen – eine alte Forderung.

In die Höhe zu wachsen bedeutet eine Zunahme der Bevölkerungsdichte. In engen Straßen könnte es deshalb zu Problemen kommen. Diese Maßnahme muss geordnet und gut geplant umgesetzt werden. Es ergibt keinen Sinn, in der Altstadt in die Höhe zu wachsen, aber vielleicht sehr wohl am Ende der breiten Ausfallstraßen Aragó oder General Riera. Ein Beispiel, wo eine Zunahme an Stockwerken infrage kommen könnte, ist das Viertel Corea, das an breiten Straßen liegt und von höheren Wohngebäuden umgeben ist. Diese Maßnahme muss von Strategien begleitet werden, die Spekulation verhindern. Deshalb beschränkt die Landesregierung diese Möglichkeit auf Wohnungen mit gedeckeltem Preis.

Ist die Verwaltung zu langsam angesichts der Lage auf dem Wohnungsmarkt?

In den vergangenen 15 Jahren wurden Regularien geschaffen, die eher ideologisch denn praktisch begründet waren. Alles ist sehr kompliziert, wir müssen für ein Bauprojekt eine Vielzahl von einzelnen Gutachten der verschiedensten Stellen einholen. Momentan sind die Politiker empfänglich, aber dafür stoßen wir auf viele Hindernisse auf kommunaler Ebene und bei den bearbeitenden Beamten. Die Beamten oder die Politiker haben bereits eine Wohnung, sie betrifft die Wohnungsnot ja nicht. Wenn sie das Problem am eigenen Leib spüren würden, würden viel mehr Projekte für Wohnungen mit gedeckelten Preisen initiiert.

Migrationsstöme nicht mit Wohnraum lösbar

Die vorherige Regierung von Francina Armengol hat Baugebiete zurückgestuft. Haben Sie die PP-Regierung aufgefordert, das rückgängig zu machen?

Mit der jetzigen Regierung legen wir den Fokus darauf, die Flächen zu nutzen, die wir haben, also, nicht wieder ländlichen Raum in Baugebiete umzuwandeln. Zumindest bis wir das, was im Moment vorhanden ist, ausgeschöpft haben. Dann werden wir sehen. Aber klar, die damaligen Zurückstufungen haben unter anderem jetzt den Wohnraummangel zur Folge. Verantwortliche in anderen Legislaturperioden haben mir sogar gesagt, dass Wohnraum ein politisches Instrument ist, das es ermöglicht, Bevölkerungsströme zu steuern. Ich habe ihnen immer gesagt, dass das nicht stimmt und dass das, was die Menschen bewegt, die Wirtschaft ist. Wenn man Menschen aus anderen Autonomen Gemeinschaften sagt, dass sie auf Mallorca einen sicheren Arbeitsplatz haben werden, werden sie weiterhin kommen, auch wenn sie in einem Wohnwagen oder im Haus eines Cousins leben müssen. Sie werden sich durchschlagen. Zu glauben, dass man mit dem Thema Wohnraum Migrationsströme regulieren kann, ist ein Fehler.

Ein Problem sind die hohen Baukosten. Können angesichts der Anforderungen, die in Bereichen wie der Energieeffizienz gestellt werden, billige Wohnungen überhaupt gebaut werden?

Der Preis für Materialien kann nicht gesenkt werden, aber die indirekten Kosten schon. Zum Beispiel schlagen wir vor, dass die Mehrwertsteuer für die günstigeren Wohnungen von derzeit zehn auf vier Prozent gesenkt wird, wie im Fall von Sozialwohnungen mit gedeckeltem Preis. Auch die Steuern für die Kaufverträge können gesenkt werden. Wir sprechen da vielleicht von einer Ersparnis von zehn oder 15 Prozent, was beim Preis einer Wohnung einiges ausmacht. Und es kann Wohnungspolitik betrieben werden, die darin besteht, dem Endkunden zu helfen, nicht dem Bauträger. In der Vergangenheit wurden diese Maßnahmen sowohl von Regierungen der PP als auch der PSOE angewandt. Das Problem ist, dass Mariano Rajoy (spanischer Ministerpräsident der PP zwischen 2011 und 2018, Anm. d. Red.) sie in der Krise abschaffte und sie nicht wieder aufgenommen wurden.

Kaum noch Sozialwohnungen

Private Bauträger haben in der Vergangenheit viele subventionierte Sozialwohnungen gebaut, die für den Verkauf bestimmt waren. Das haben sie jetzt fast gänzlich eingestellt.

Ich selbst habe bis 2010 sehr viele Sozialwohnungen gebaut. Aber dann kamen die Krise und die Kürzungen, und Rajoy strich alle Hilfen, weil die zuvor gewährten, aber nicht ausgezahlten Hilfen bezahlt werden mussten. Zur Verteidigung von Rajoy können wir sagen, dass alle Schulden bezahlt wurden. Danach hat niemand die Hilfen für den Verkauf wieder eingeführt, nur für die Vermietung.

Sie mahnen dazu, das Wirtschaftsmodell auf den Inseln zu überdenken. Es benötigt viele Arbeitskräfte von außen, was zu einem Bevölkerungswachstum führt. Was erwarten Sie von den von der Landesregierung organisierten Runden Tischen zur Zukunft des Tourismus?

Zunächst einmal: Wir waren nicht zu den Treffen eingeladen, dabei hätten wir durchaus unseren Standpunkt einbringen können. Der Bedarf an zahlreichen Arbeitskräften von außerhalb besteht hauptsächlich im Hotelgewerbe, und dann gibt es einen Tourismus von nicht ständig auf der Insel lebenden Zweithausbesitzern, der weniger Ressourcen verbraucht und mehr Einnahmen bringt. Es muss ein Gleichgewicht zwischen ständigen und nicht-ständigen Bewohnern gefunden werden. Denn das Problem ist nicht der Tourismus an sich, sondern das, was damit verbunden ist. Die vielen Arbeitskräfte benötigen auch Wohnungen und verbrauchen Ressourcen. Die Überfüllung der Insel erleben wir inzwischen das ganze Jahr über. Im Sommer war es schon immer voll, aber jetzt haben wir diese Wahrnehmung zwölf Monate im Jahr, weil so viele Menschen dauerhaft auf den Inseln leben.

Keine schnellen Lösungen

Könnte die Wohnungsnot zu sozialen Spannungen führen?

Das Problem ist, dass es in unserer Branche keine schnellen Lösungen gibt. Vom Zeitpunkt, an dem ich das Grundstück kaufe, bis zum Moment der Schlüsselübergabe an die Bewohner vergehen drei oder vier Jahre. Zu sozialen Spannungen wird es kommen, wenn keine Lösungen gefunden werden, denn es kann nicht sein, dass die Menschen in Wohnmobilen leben müssen. Der Schlüssel sind Sozialwohnungen, die in den Verantwortungsbereich der Behörden fallen.

Warum unterscheiden sich linke und rechte Parteien eigentlich so sehr in ihren Lösungsansätzen zur Beseitigung der Wohnungsnot?

Niemand hat ein Patentrezept, aber wenn dir der freie Markt dafür gut ist, Steuern einzuziehen und für die Vergabe von Baugenehmigungen zu kassieren, sollte er auch in allen anderen Bereichen etwas taugen. Wenn wir uns für ein interventionistisches Modell entscheiden, dann sollten wir in allen Bereichen eingreifen. Wir setzen jedoch auf den freien Markt, und von dort aus gibt es Lösungen, denn die Privatwirtschaft ist besser dazu befähigt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, als die öffentlichen Verwaltungen. In diesem Fall liegt die Lösung bei uns.

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