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Albtraum Nachbarschaft: Was tun bei Problemen mit den spanischen Nachbarn?

Wenn das Verhältnis zu den Spanischen „vecinos“ vergiftet ist, kann die Lebensqualität auf Mallorca darunter leiden - erst recht, wenn sich Auswanderer wegen ihrer Herkunft diskriminiert fühlen. Tipps für Immobilienbesitzer und Residenten

Die geteilte Innenhofmauer ist nur ein Streitpunkt zwischen den Kölner Schwestern und der spanischen Nachbarin in Capdepera

Die geteilte Innenhofmauer ist nur ein Streitpunkt zwischen den Kölner Schwestern und der spanischen Nachbarin in Capdepera / privat

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Sophie Mono

Sophie Mono

Als Eva und Pia Schauenburg im August 2022 ihr Dorfhaus in Capdepera erwarben, waren sie noch voller Enthusiasmus. „Es sollte unser Schwesternprojekt werden“, erzählt Eva Schauenburg. Die 50-Jährige ist Architektin, ihre 47-jährige Schwester Künstlerin. Gemeinsam wollten sie das alte Haus renovieren und sich einen Zweitwohnsitz einrichten, an dem sie von ihrem Alltag in Köln entspannen können. Heute, keine drei Jahre später, hat Eva Schauenburg kaum noch Lust, auf die Insel zu kommen. Schuld daran ist ein nicht enden wollender Nachbarschaftsstreit – und das Gefühl, als Deutsche diskriminiert zu werden.

Handgreiflichkeiten und Verleumdungen

In einem vielseitigen PDF haben die Schwestern alles dokumentiert, was aus ihrer Sicht seit dem Kauf in dem alten Haus geschehen ist, das sich Wand an Wand an die anderen Gebäude im Zentrum von Capdepera schmiegt. Nachzulesen ist darin der erste Kontakt mit der spanischen Nachbarin, die sie von der Straße aus angeschrien haben soll, noch bevor sie sich vorstellen konnten. Beschrieben werden die Probleme mit der gemeinsamen Wand des Innenhofs, die die Schwestern zunächst mit der vecina zusammen angehen wollten, die dann aber zum Zankapfel zwischen den Parteien wurde. Ebenso schildern die deutschen Schwestern den immer härteren Tonfall, den die Spanierin angeschlagen haben soll – bis hin zu Handgreiflichkeiten und Verleumdungen auf offener Straße.

Die kaputte Regenrinne durchnässt die Fassade der Nachbarn: Immerhin diesen Streitpunkt konnten die Parteien in Capdepera mittlerweile aufheben.

Die kaputte Regenrinne durchnässt die Fassade der Nachbarn. / privat

Deutsche Dickköpfe und verquere Mallorquiner

Dass Nachbarschaftsstreitigkeiten – allerdings nicht immer in diesem Ausmaß – auf Mallorca keine Seltenheit sind, weiß Rechtsanwalt Bastian Pohle von der Kanzlei Balear.Legal. „Immer dort, wo Menschen beieinander leben, besteht Konfliktpotenzial“, sagt der deutsch-spanische Jurist. Die Auslöser seien dabei vielfältig und oft ähnlicher Natur wie in Deutschland: Lärmbelästigung, Wasser-, Fenster- oder Wegerecht, Grenzmauern, Grundstücksgrenzen, Bauten im fremden Grundstück und Äste, die in das Nachbargrundstück hineinragen. Hinzu kämen einige typische Insel-Probleme: „Häufig gibt es Ärger, weil der Nachbar die Sicht aufs Meer durch Neubauten verdeckt, weil Ferienvermietungsgäste nachts Party machen oder weil die Klimaanlage zu laut ist.“ Auf ländlichem Grund (suelo rústico) stritten die Parteien zudem oft über nicht legal errichtete Elektroinstallationen.

„Die Anzahl der Probleme ist so groß und sie sind so verschieden, dass es schwer ist, allgemeine Tipps zu geben“, so Bastian Pohle. Zunächst sei es sicherlich immer ratsam, im Gespräch mit den Nachbarn zu einer Einigung zu kommen. „Schließlich muss man mit diesem Menschen weiterhin nah beieinander leben.“ Leider ist das nicht immer möglich. Deutsche Dickköpfigkeit, unbedingt recht zu haben, stoße oft auf eine nationalistisch-verquere Sichtweise der Mallorquiner, mehr Anspruch auf bestimmte Rechte zu haben als Auswärtige.

Grenzen setzen

Je nachdem, worum es sich handle, sei es daher sinnvoll, einen Anwalt zurate zu ziehen, um das Problem genauer definieren zu können und zu prüfen, welche Behörde dafür zuständig ist. Bei konkreten Problemen wie Ruhestörung sei die Ortspolizei der erste Ansprechpartner. Verdächtige man den Nachbarn, illegal zu bauen, ist die Bauaufsichtsbehörde der Gemeinde (departamento de urbanismo del ayuntamiento) die Anlaufstelle. „Dort kann man auch nachsehen, ob eine Baugenehmigung vorliegt und was genau sie umfasst“, erklärt Bastian Pohle. Diese Akten seien öffentlich einsehbar. „Wenn man einen Termin mit dem Architekten der Gemeinde ausmacht, wird einem Einsicht gewährt.“ Ausnahme sind einige Häuser auf ländlichem Grund. In diesem Fall ist es die Agència de defensa del territori des Inselrats (Consell de Mallorca), die den Überblick über die Rechtmäßigkeit der Baumaßnahmen hat.

Wer genau wissen möchte, wo seine Grundstücksgrenzen verlaufen, der kann erst einmal im registro de la propiedad (Grundbuchamt) einen Grundbuchauszug beantragen, rät der Anwalt. Auf diesem Weg bekommt man auch die Katasternummer des Grundstücks. Auf der offiziellen Internetseite des Katasteramts (sedecatastro.gob.es) kann man diese Nummer eingeben und dann genau sehen, wo die Grenze verläuft. „Das Problem ist, dass der Grundbucheintrag und die Daten im Kataster auf Mallorca selten übereinstimmen“, so Pohle.

Nicht zu lange warten

Um die Differenzen zu beseitigen, könne man einen Experten beauftragen, der vor Ort geodifferenzierte Daten (datos geodiferenciados) aufnimmt und den genauen Grenzverlauf an die im Grundbuch eingetragene Quadratmeterzahl anpasst. Diese kann man dann im Grundbuchamt einreichen. „Die Nachbarn haben 15 Tage Zeit, sich dazu zu positionieren. Äußern sie sich nicht, werden die Daten eingetragen“, so Pohle. Sollte es später immer noch Streit geben, müsse ein Zivilrichter die Situation klären. „Die Beweislast liegt dann allerdings bei den Nachbarn.“ Bei Streitfragen um Grundstücksgrenzen könne gegebenenfalls auch ein Blick in die offizielle Kartendatei der Balearen (ideIB) helfen. Dort sind Luftaufnahmen seit 1956 einsehbar, die zeigen, wie die Grenzen seitdem verliefen.

Zudem rät der Jurist, die Dinge nicht zu lange aufzuschieben. „Je nach Vorfall gelten Verjährungsfristen. Wer beispielsweise viele Jahre lang seinen Nachbarn über das eigene Grundstück fahren lässt, damit er zu seinem Haus gelangt, und ihm das dann plötzlich verbieten will, kann dabei Schwierigkeiten bekommen.“ Ähnliches gelte bei lange tolerierten Überbauten.

Alle Vorkommnisse im Nachbarschaftskonflikt zu dokumentieren, wie es die Schwestern aus Köln tun, sei durchaus vernünftig, um später die Ereignisse besser nachvollziehen zu können. „Allerdings kann man nicht davon ausgehen, dass selbst erstellte Notizen später als Beweismittel vor Gericht standhalten“, so Bastian Pohle. Und appelliert noch einmal an das Wohlwollen beider Seiten. Ein gesundes Nachbarschaftsverhältnis mit kleinen Zugeständnissen könne manchmal mehr aufwiegen, als um jeden Preis auf seinem Recht zu beharren.

Diskriminierung und Ausländerfeindlichkeit

In Capdepera ist an eine friedliche Lösung nicht mehr zu denken. Längst ist die nachbarschaftliche Beziehung vergiftet, ständig kommen neue Streitgründe hinzu. „Bei jedem Hammerschlag, den wir auf unserem Grundstück tun, ruft die Nachbarin die Ortspolizei. Bei der Bauaufsichtsbehörde im Rathaus hat sie mindestens fünf Anzeigen gegen uns gestellt. Dabei melden wir immer alles ordnungsgemäß an, während sie selbst wohl Arbeiten ohne Genehmigung durchführt“, behauptet Eva Schauenburg. „Wir haben lange die Füße stillgehalten, dachten, das wird aufhören. Aber es wird immer schlimmer. Es ist reine Schikane.“ Im November 2024 reichten die Schwestern ihrerseits eine Beschwerde bei der Bauaufsicht wegen mutmaßlicher Schwarzbauten der Nachbarn ein. Eingeschritten seien die Behörden bisher nicht. „Aber wenn die Nachbarin die Polizei ruft, stehen die Beamten immer direkt bei uns auf der Matte. Wir wissen nicht weiter und fühlen uns ungerecht behandelt. Kein Amt hilft“, klagt die Kölnerin. Mehrfach habe die Ortspolizei die Anliegen der Deutschen zudem nicht ernst genommen.

Ohne es konkret beweisen zu können, wittert sie dahinter Vetternwirtschaft, Diskriminierung und Ausländerfeindlichkeit. „Die Nachbarin hat uns klar gesagt, dass sie uns hier nicht will und wir nach Deutschland zurückgehen sollen“, so Eva Schauenburg. Gemeinsam mit ihrer Schwester überlegt sie nun, das Haus zu Ende zu sanieren und dann zu verkaufen, statt es wie geplant selbst zu nutzen. „Aus unserem Traum ist ein Albtraum geworden.“

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