"Es gibt kaum noch Wohnungen für die Mittelschicht auf Mallorca": Makler-Sprecherin Natalia Bueno verlässt die Insel
Die langjährige Präsidentin der Vereinigung API will in Galicien ein Landhotel eröffnen

Natalia Bueno kehrt Mallorca den Rücken. / Manu Mielniezuk
Fast 30 Jahre lang hat Natalia Bueno auf Mallorca gelebt. Jetzt ist für die 57-jährige Immobilienmaklerin und langjährige Präsidentin der Maklervereinigung API dieses Kapitel beendet. Bueno will Ende des Jahres Mallorca verlassen und in Galicien mit der Eröffnung eines kleinen Landhotels einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Über die Hintergründe hat die MZ mit Natalia Bueno gesprochen.
Sie wollen Mallorca verlassen. Sind Sie nun selbst ein Opfer der Immobilienkrise geworden?
Nein, mein Weggang hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist, dass ich einfach müde bin. Ich arbeite seit mehr als 30 Jahren als Maklerin, regelmäßig zehn oder zwölf Stunden am Tag. Und ich habe wirklich genug davon. Mein Körper macht das nicht mehr mit, und ich will nicht das Schicksal meines Vaters teilen, der mit 63 kurz vor der Rente starb. Deshalb will ich mein Arbeitsleben mit einer etwas ruhigeren Beschäftigung beenden.
Wie kam es zu der Idee mit dem agroturismo in Galicien?
Es war Zufall. Ich habe im Sommer eine mallorquinische Freundin in Galicien besucht, die dort seit vier Jahren lebt. Ich war begeistert von der Gegend. Die Freundin erzählte mir von einem Haus, das ein paar Nonnen geerbt hatten. Ohne den Preis zu kennen, habe ich angerufen. Die Besitzerin hat mir das Haus gezeigt, mir einen guten Preis gemacht und jetzt wird das mein Zuhause mit einem angeschlossenen agroturismo.
Was haben Sie für das 600 Quadratmeter große Anwesen ausgegeben?
Weniger als für eine Wohnung in Inca.
Wiederholt sich die Geschichte von Mallorca?
Aber wiederholt sich durch Investitionen von Mallorquinern im Norden Spaniens nicht die Geschichte von Mallorca?
Nein, die Voraussetzungen sind ja völlig anders. Galicien gehört zur "España vaciada" (dem entleerten Spanien) und sucht händeringend nach Bevölkerung. Die Menschen sind froh über jeden, der kommt und investiert. Das spürt man im Kontakt mit der Verwaltung. Ich habe einen Antrag an die Gemeinde gestellt zwecks der geplanten Umbauten an der Finca. Am nächsten Tag hat mich der zuständige Gemeindearchitekt angerufen, um mich zu informieren, dass ich innerhalb weniger Tage die nötigen Dokumente erhalten werde. Er stehe zur Verfügung für weitere Fragen. Auf Mallorca läuft das komplett anders. Vor elf Monaten habe ich Information für ein Grundstück von der Gemeinde Santa Margalida gestellt und warte heute noch auf Antwort. Und zweieinhalb Jahre ist ein ähnlicher Behördengang in Pollença her, ohne dass ich eine Antwort bekommen hätte. In beiden Fällen habe ich die Gebühren für die Anträge längst bezahlt.
Sind Sie den Immobilienmarkt auf Mallorca leid?
Ich habe mich auf Mallorca immer auf Immobilien für die Mittelschicht und die Arbeiterklasse spezialisiert. Und ich merke seit einiger Zeit, dass es für diese Menschen kaum noch Wohnungen gibt. Da bin ich machtlos. Auch dass das Register für Immobilienmakler nun doch nicht obligatorisch ist, stört mich enorm. Auf diese Weise müssen wir mit skrupellosen Leuten in den Wettbewerb treten, die keine Ausbildung haben. Ich will nicht mit solchen Menschen über einen Kamm geschoren werden.
Wer sind die Hauptverantwortlichen?
Wer sind für Sie die Hauptverantwortlichen der Situation auf dem Wohnungsmarkt auf Mallorca?
Die größte Verantwortung trägt die Verwaltung. Seit Ende der 1980er-Jahre ist der Bau von Sozialwohnungen regelrecht eingebrochen. Wenn man so weitergemacht hätte wie bis zum Ende der 1980er-Jahre, hätten wir heute nicht diese Wohnungsnot. Die öffentliche Hand verdient bestens bei den Immobilientransaktionen mit, investiert aber nur einen kleinen Teil in neuen Wohnraum. Das Bevölkerungswachstum ist natürlich auch ein Problem, aber das kann man nicht verhindern. So lange es hier Arbeit gibt, kommen Menschen. Egal, ob sie eine Wohnung haben oder nicht. Sie leben dann in Wohnmobilen, mieten sich einzelne Zimmer oder kommen in provisorischen Hütten unter.
Sind auch die Immobilienbesitzer schuld, die ihre Wohnungen für teuer Geld vermieten?
Ja, auf jeden Fall. Nur noch wenige Menschen haben Empathie. Die Gesellschaft wird immer egoistischer und auf ihren Vorteil bedacht.
Auch Deutsche verstärken die Wohnungsnot, wenn sie etwa aus Spekulationszwecken Wohnungen in Son Gotleu kaufen.
Sie sie sind auch ein Teil der stetig steigenden Nachfrage. Hans Lenz (früherer Präsident der Vereinigung der Luxusimmobilienmakler Abini, d. Red.) hat immer gesagt, dass Ausländer vor allem Luxusimmobilien kaufen, aber das stimmt nicht. Und sie haben ja auch das gleiche Recht, hier zu kaufen. Aber das verstärkt noch den Druck auf den Markt.
Ihr Büro in Binissalem wird weiterhin existieren?
Ich habe eine Vereinbarung mit einem Kollegen getroffen, dass es weitergeht. Ich bin schon dabei, seine Mitarbeiter fortzubilden.
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