Zwangsräumung in Son Gotleu eskaliert – Mutter mit fünf Kindern verliert ihr Zuhause
Polizei geht mit Schlagstöcken gegen Wohnraumaktivisten vor. Hintergrund ist ein seit Jahren bestehender Streit mit dem Eigentümer

Zwangsräumung: Sara, eine Mutter von fünf Kindern, muss gemeinsam mit ihrer Familie ihre Wohnung in Son Gotleu verlassen. / Nair Cuéllar
Bei der Zwangsräumung einer Wohnung im Stadtteil Son Gotleu in Palma ist es am Freitagmorgen (23.5.) zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei, Wohnrechtsaktivisten und Anwohnern gekommen. Zwei Aktivisten des Wohnungsbündnisses „Sindicat de l’Habitatge“ wurden dabei verletzt. Im Zentrum des Geschehens: Sara, eine Mutter von fünf Kindern – zwei davon mit Behinderung – sowie ihre 70-jährige Mutter. Sie alle mussten nach einem langwierigen Rechtsstreit ihre Wohnung räumen.
Die Polizei traf kurz nach sieben Uhr morgens mit mehreren Einsatzkräften in der Straße Passatge Pic Almanzor ein. Ihr Ziel: die gerichtlich angeordnete Räumung der Wohnung durchzusetzen. Aktivisten und Nachbarn hatten sich bereits versammelt, um die Räumung zu verhindern. Innerhalb kurzer Zeit eskalierte die Situation. Drei zusätzliche Polizeiwagen trafen ein, es kam zu Rangeleien und schließlich zu Polizeieinsätzen mit Schlagstöcken. Mindestens zwei Mitglieder des Wohnungsbündnisses wurden verletzt, darunter auch dessen Sprecher Miquel Durán.
Trotz des Widerstands entschieden sich einige Mitglieder der Familie gegen zehn Uhr, die Wohnung zu verlassen. Sara hingegen hielt durch – angefeuert von Unterstützern, die riefen: „Sara, wir sind bei dir, das ist dein Viertel! Wir leisten Widerstand!“ Erst kurz vor elf Uhr gab sie schließlich auf und verließ die Wohnung – erschöpft und ohne eine klare Perspektive.
Ein jahrelanger Konflikt
Der Hintergrund des Konflikts ist komplex. Ursprünglich lebte Saras Schwester in der Wohnung – mit gültigem Mietvertrag. Nach Ablauf des Vertrags wurde dieser nicht verlängert. Sara, ihre Mutter und ihre Kinder blieben dennoch dort wohnen. Nach eigener Aussage zahlten sie weiterhin Miete, obwohl der Eigentümer längst ein gerichtliches Verfahren wegen unerlaubter Nutzung eingeleitet hatte.

In diesem Gebäude kam es zur Zwangsräumung einer siebenköpfigen Familie. / Manu Mielniezuk
Mehrere Räumungstermine konnten durch Interventionen des „Sindicat de l’Habitatge“ verschoben werden – viermal insgesamt. Doch diesmal wurde der Beschluss umgesetzt. Zwar lagen sowohl für Sara als auch für den Eigentümer sogenannte „Vulnerabilitätsberichte“ vor – also Bescheinigungen über eine besondere soziale Schutzbedürftigkeit –, doch während Saras Bericht anerkannt wurde, bestreitet das Wohnungsbündnis die Bedürftigkeit des Eigentümers: Dieser besitze Immobilien in drei verschiedenen Städten, so das Sindicat de l'Habitatge.

Zwangsräumung in Son Gotleu: die Mutter von Sara lehnt an einem Auto. Auch sie musste die zwangsgeräumte Wohnung verlassen. / Manu Mielniezuk
"Ich habe immer bezahlt. Ich will weiter zahlen"
Nach der Räumung zeigte sich Sara gegenüber den Medien tief betroffen: „Ich habe immer bezahlt. Ich will weiter zahlen. Aber ihr habt kein Recht, mich mit fünf Kindern auf die Straße zu setzen“, sagte sie unter Tränen. Die einzige von den Behörden angebotene Lösung sei ein Platz in einem Notunterkunftsheim – für Sara mit ihren fünf Kindern keine Option. Ihre größte Sorge: dass ihr nun auch noch das Sorgerecht entzogen wird.
Der Sprecher des Wohnungsbündnisses versprach, Sara weiterhin zu begleiten. Sie selbst kündigte an, noch in derselben Nacht in die Wohnung zurückkehren zu wollen. Während Nachbarn und Unterstützer Möbel und persönliche Gegenstände aus der Wohnung trugen, wurde das Ausmaß des Verlusts sichtbar – nicht nur materiell, sondern auch menschlich.
Aktivisten sprechen von "unverhältnismäßiger Polizeigewalt"
Die verletzten Aktivisten suchten nach der Räumung ärztliche Hilfe auf und ließen ihre Verletzungen dokumentieren. Sie sprachen von „unverhältnismäßiger Polizeigewalt“. Der Vorwurf: Die Beamten hätten Demonstrierende eingekesselt und mit Schlagstöcken attackiert.
Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die angespannte soziale Lage im Viertel Son Gotleu – und auf die tiefen Risse im spanischen Wohnungsmarkt. Für Sara und ihre Familie bleibt vorerst nur eines: die Hoffnung auf eine schnelle Lösung, bevor sie endgültig den Halt verlieren.
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