Kommt jetzt die Zersiedelung? Bald darf ländlicher Raum auf Mallorca wieder bebaut werden
Konservative und Rechtsextreme haben sich auf ein neues Wohnungsdekret geeinigt

Bauen soll bald auch in ländlichem Raum auf Mallorca gestattet sein / Guillem Bosch
Aus Verhandlungen wurde Realität: Künftig darf auf den Balearen auch auf ländlichem Grund (suelo rústico) Wohnraum entstehen – selbst dann, wenn dieser bisher nicht als Bauland ausgewiesen war. Das bestätigte der Sprecher der konservativen Regierungspartei PP im Balearen-Parlament, Sebastià Sagreras. Die Maßnahme erfüllt eine zentrale Forderung des rechtsextremen Koalitionspartners Vox.
Expertenmeinung bleibt unberücksichtigt
Das neue Wohnungsdekret richtet sich an Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern – auf Mallorca betrifft das Palma, Calvià, Marratxí, Llucmajor, Alcúdia, Inca und Manacor. Immobilienentwickler hatten gefordert, ländliche Flächen erst dann zu bebauen, wenn alle städtischen und ausgewiesenen Baulandreserven ausgeschöpft sind. Diesem Vorschlag folgt die Regierung jedoch nicht. Zwar soll Bauland weiterhin Vorrang haben, jedoch sollen sogenannte áreas de transición – Übergangsflächen mit derzeit ländlichem Status – künftig in Bauland umgewidmet werden können. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Begründung durch die betroffenen Gemeinden.
Bis zu 25 Prozent für den freien Markt
Eigentlich sahen die Pläne vor, dass auf umgewidmeten Flächen ausschließlich geförderter Wohnbau oder Bau zu gedeckelten Preisen möglich sein sollte – eine Forderung der Immobilienbranche. Tatsächlich sollen alle Neubauten unter einem besonderen Schutzstatus stehen. Doch auf Druck von Vox dürfen nun bis zu 25 Prozent der neuen Wohnungen auch auf dem freien Markt verkauft werden – sofern ein wirtschaftliches Machbarkeitsgutachten dies rechtfertigt. Zusätzlich wird eine neue Zugangsvoraussetzung eingeführt: Nur wer seit mindestens fünf Jahren auf den Balearen lebt, darf künftig in geförderten oder preisgebundenen Wohnraum einziehen.
Mehr Genehmigungen für bebaubare Flächen
In Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern sollen künftig verstärkt Baugenehmigungen für sogenannte suelos urbanizables – also bebaubare Flächen – erteilt werden. Die ursprünglich nur für Palma vorgesehenen strategischen Wohnprojekte (PRE) werden damit auf alle Balearen-Gemeinden ausgeweitet. Voraussetzung bleibt ein entsprechendes Gutachten des zuständigen Inselrats. Auf Mallorca erfüllen derzeit 17 Gemeinden die Kriterien, darunter Palma, Calvià, Inca, Manacor und Llucmajor.
Die Maßnahmen stoßen auf breite Kritik. In den vergangenen Monaten kam es mehrfach zu Protesten gegen das Wohnungsbaupaket der Regierung. /somo
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