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Eine Mallorca-Villa für 20 Millionen Euro? Klar, wir zahlen in bar

Viele wohlhabende Ausländer legen sich auf Mallorca eine Luxusimmobilie zu. Wie sie dabei vorgehen und wie viele von ihnen eine Hypothek abschließen, erzählen Branchen-Insider

Angenehm, so ein Luxusanwesen auf Mallorca. Erst recht, wenn man es bar bezahlen kann.

Angenehm, so ein Luxusanwesen auf Mallorca. Erst recht, wenn man es bar bezahlen kann. / FREEPIK

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Der Strom wohlhabender Ausländer, die sich auf Mallorca eine teure Villa zulegen, reißt nicht ab. Eher im Gegenteil: Im vergangenen Jahr wanderten 42,3 Prozent der hier verkauften Häuser und Wohnungen in die Hände von Ausländern – mehr als je zuvor. Viele von ihnen kaufen dabei ihre Millionen-Villen in bar. Die MZ hat mit Profis auf der Insel darüber gesprochen, wie die Finanzierung der Luxusimmobilien auf der Insel abläuft.

Während Tanja Pohlmann von der Hypothekenvermittlung Lionsgate Capital eher vorsichtig ist und keine Schätzung abgibt, wie viele der Luxusobjekte in bar bezahlt werden, nennt Valeria Rivas Suñén von der Vermittlungsfirma DVS eine Zahl: „Unserer Einschätzung nach werden etwa 55 bis 60 Prozent der Luxusimmobilien ohne Finanzierung erworben. In der Preisklasse über zwei Millionen Euro könnte dieser Anteil noch höher liegen“, schreibt sie der MZ.

Strategisches Finanzieren

Auch Marvin Bonitz von der Immobilienfirma Minkner & Bonitz berichtet, dass viele wohlhabende Kunden gerne ihre Millionenvilla in bar zahlen. Er schätzt ihren Anteil in seinem Unternehmen gar auf etwa 90 Prozent. „Wir haben zu 95 Prozent deutsche, österreichische und Schweizer Kunden. Hier ist die Bar-Zahlung noch weit verbreitet“, sagt Bonitz, der erst wenige Stunden vor dem Gespräch mit der MZ den Verkauf einer Fünf-Millionen-Euro-Villa abgeschlossen hat.

In diesem Fall sei das Geld zwei Tage zuvor auf dem Konto des Notars eingetroffen und von dort aus auf das Konto des Verkäufers überwiesen worden. Der Bankscheck, mit dem bis vor einiger Zeit auf Mallorca viele Häuser bezahlt wurden, diene langsam aus. „Die Banken verlangen dafür inzwischen sehr hohe Gebühren, das lohnt sich nicht. Und die Überweisungen sind deutlich schneller geworden in den vergangenen Jahren“, sagt der Makler.

Steuerlast kann gesenkt werden

Und doch berichten die, die mit der Vermittlung von Hypotheken ihr Geschäft machen, von einem langsamen Umdenken hin zu einer stärkeren Finanzierung der Luxusobjekte. So etwa Valeria Rivas von DVS. Demnach beobachte sie, dass „der Luxusimmobilienmarkt auf Mallorca strategischer bedient wird“. Käufer entschieden sich zunehmend für eine Finanzierung, sei es aus Rendite-, Steuer- oder Liquiditätsgründen – selbst diejenigen, die den Kaufpreis problemlos bar zahlen könnten. Denn: Eine Finanzierung könne selbst dann Vorteile bringen, wenn das Geld auf einem Konto herumliegt.

Vorteile einer Finanzierung sieht auch, sicherlich ebenfalls nicht ganz uneigennützig, Tanja Pohlmann von Lionsgate Capital. Zu ihren Kunden gehören Unternehmer, Start-up- und Immobilien-Investoren sowie auch Fußballprofis. „Zum einen kann bei einer Finanzierung die Steuerlast deutlich gedrückt werden, weil man den Kredit vom Gesamtvermögen abziehen kann. So wird weniger Vermögensteuer fällig“, sagt die Beraterin.

Liquidität erhalten

Von Vorteil sei auch, dass die Liquidität erhalten bleibt und das Geld in andere Bereiche mit höheren Renditen investiert werden kann. „Und ein weiterer nicht zu unterschätzender Grund ist, dass die Bedingungen für einen Hauskredit in Spanien deutlich günstiger sind als anderswo“, erklärt Tanja Pohlmann. So könne ihr Team derzeit auf Mallorca Hypotheken mit einem fixen Zinssatz von zwei Prozent erhalten. In Deutschland liegt der durchschnittliche Hypothekenzins bei drei bis vier Prozent. Und in vielen anderen Ländern gebe es unter vier Prozent gar nichts, sagt Tanja Pohlmann.

Ein weiterer Vorteil der Banken in Spanien: Sondertilgungen sind jederzeit und meist ohne zusätzliche Kosten möglich. Auch deshalb rät Pohlmann ihren Kunden grundsätzlich zu einer Finanzierung. „Denn ist das Haus erst einmal gekauft, ist eine Anschlussfinanzierung zu einem späteren Zeitpunkt anders als in Deutschland nur schwer möglich.“

Andere Länder, andere Sitten

Wie Valeria Rivas hinzufügt, wollen manche Kunden auch auf hohe Geldbewegungen über Ländergrenzen hinweg verzichten und setzen deshalb auf eine Finanzierung. Dabei verhalten sich die Nationalitäten, die auf der Insel teure Immobilien kaufen, teilweise sehr unterschiedlich. Tanja Pohlmann bestätigt beispielsweise den Eindruck von Marvin Bonitz, dass vor allem Deutsche und Schweizer Barkäufer sind. Briten, aber auch Franzosen oder außereuropäische Käufer wie US-Amerikaner griffen deutlich weniger schüchtern auf Finanzierungen zurück.

Valeria Rivas hat da andere Erfahrungen gemacht: So beobachtet sie, dass „insbesondere Deutsche, Österreicher und Schweizer tendenziell eher bereit sind, die Immobilie zu finanzieren, selbst wenn sie über die Mittel verfügen, bar zu zahlen. Sie betrachten dies als Teil ihrer Finanzstrategie“. Briten und Skandinavier bevorzugten dagegen meist eine Barzahlung, während Franzosen und Belgier eher ausgewogen entschieden.

Die unterschiedlichen Sichtweisen könnten auch damit zusammenhängen, dass DVS eher die untere Ebene der Luxusimmobilien bedient, während bei Lionsgate Capital auch mal Häuser für 20 oder 30 Millionen Euro weggehen.

Künstliche Intelligenz, so berichtet Tanja Pohlmann, spiele zunehmend eine Rolle. „Wir haben immer häufiger Kunden, die bei ChatGPT eingeben, wie sie bei ihrem Immobilienkauf am besten vorgehen, und die dann bei uns landen“, sagt die Beraterin. So habe sie einen Kunden gehabt, der eine 20-Millionen-Villa gekauft habe, die er eigentlich bar bezahlen wollte. Erst durch die KI sei er auf die Möglichkeit einer Finanzierung und deren Vorteile aufmerksam geworden.

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