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Absurdester Schwarzbau von Mallorca: Wegen illegaler Stierkampfarena drohen 381.000 Euro Strafe

Auf dem Grundstück eines Landhotels war zudem ohne Genehmigung ein Hubschrauberlandeplatz errichtet worden

Die illegal errichtete Stierkampfarena bei Esporles.

Die illegal errichtete Stierkampfarena bei Esporles. / DM

Eine Finca mit Pool, die auf Mallorca illegal errichtet wurde, ist ein Ärgernis ohne großen Nachrichtenwert. Ganz anders liegt der Fall bei einer Stierkampfarena. Im November 2024 war bekannt geworden, dass eine solche im Gebiet von Canet bei Esporles auf dem Grundstück eines Landhotels gebaut wurde, ohne dass dafür eine Genehmigung vorlag.

Nun hat die für Schwarzbauten zuständige Behörde des Inselrats (Agència de Defensa del Territori, ADT) im Oktober dieses Jahr ein Sanktionsverfahren gegen den Eigentümer der Finca in Esporles eingeleitet. Dieser hatte außer dem Stierkampfplatz auch einen Hubschrauberlandeplatz ohne die erforderliche Baugenehmigung errichtet. Lizenzen gibt es lediglich für das Agroturismo und ein Restaurant. Das betreffende Areal gehört der Firma Balears Investment Group mit Sitz in Madrid, die es zunächst gepachtet und später erworben hatte.

Sehr schwere Bauordnungswidrigkeit

Zu den illegal errichteten Bauten gehören ein mit Stein verkleidetes Gebäude, eine Klärgrube, eine kreisförmigen Sandpiste von 700 Quadratmetern, eine Tierumzäunung, Trockensteinmauern, eine im Bau befindliche unterirdische Struktur sowie eine Reitbahn von 2.500 Quadratmetern und eine kreisförmign Betonplatte mit zehn Metern Durchmesser.

Der Hubschrauberlandeplatz, der ohne Genehmigung auf dem Areal gebaut wurde.

Der Hubschrauberlandeplatz, der ohne Genehmigung auf dem Areal gebaut wurde. / DM

Der jetzige Beschluss stützt sich auf mehrere Inspektionsprotokolle vom November 2024, Juni 2025 und August 2025, die mutmaßlich illegale Maßnahmen auf den Parzellen 53, 54 und 56 des Polígono 4 feststellten. Die ADT stuft diese in ihrer Gesamtheit als eine sehr schwere Bauordnungswidrigkeit ein, die mit einer Geldstrafe zwischen 250 und 300 Prozent des Bauwerts belegt werden kann. Sollte das Verwaltungsverfahren wie vorgesehen abgeschlossen werden, könnte dem Eigentümer ein Bußgeld von 381.314 Euro drohen.

Das Verfahren, das eine maximale Bearbeitungszeit von einem Jahr hat, sieht Strafminderungen im Falle einer Legalisierung oder des freiwilligen Abrisses der Bauwerke vor - zusätzlich zu einem möglichen weiteren Rabatt, falls das Unternehmen den Verstoß anerkennt und vorzeitig zahlt.

Wie der Fall Ende 2024 bekannt wurde

Entdeckt wurde der ungewöhnliche Bau 2024 von einem Mitarbeiter der Gemeinde Esporles, wie die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" berichtet hatte. Aufgrund von Beschwerden der Anwohner über Lärmbelästigung und schwere Baumaschinen war er auf die Finca geschickt worden, die das LoftOtel Canet und das Restaurant Quay beherbergt.

Der Sachbearbeiter aus dem Rathaus bemerkte rasch, dass auf dem Grundstück an mehreren Stellen gearbeitet und Bauten errichtet wurden. Der Verantwortliche für die Finca konnte dem Gemeindemitarbeiter keine entsprechenden Baugenehmigungen und Lizenzen vorlegen. Er gestand vielmehr ein, dass auf der Finca gerade eine Stierkampfarena errichtet wird sowie ein 30 Quadratmeter großes Nebengebäude.

Bürgermeister Ferrà äußerte damals bereits seine "Verwunderung" darüber, dass Bauarbeiten dieser Größenordnung ohne jegliche Genehmigung durchgeführt wurden. Die Gemeindeverwaltung von Esporles leitete den Bericht über die Arbeiten an den zuständigen Inselrat weiter und forderte die Eigentümer der Finca auf, bis auf Weiteres unverzüglich die Arbeiten einzustellen.

Stier-Attrappen und Feste in der Arena

Den durchgesickerten Bildern aus dem Inneren des Areals zufolge gingen die Bauarbeiten jedoch weiter und schritten in den folgenden Monaten erheblich voran: Die Stierkampfarena wurde anscheinend fertiggestellt, mit bemalten Schutzwänden (Burladeros) und Stier-Attrappen in den Nebenräumen. Es gab auch bereits ein angrenzendes Häuschen, das mit Stier-Motiven dekoriert war.

Anwohner der Gegend versicherten, dass in dieser Arena mehrere Feste gefeiert worden seien. Ebenso berichteten sie über Hubschrauberverkehr. Im August machte die ADT schließlich sowohl die Stierkampfarena als auch den Landeplatz dicht. Die Schweizer Umweltschutz-Stiftung Fondation Franz Weber (FFW) hatte im Sommer die öffentlichen Verwaltungen aufgefordert, klarzustellen, ob die mutmaßlich auf diesem Privatgrundstück abgehaltenen Stierkampfveranstaltungen den geltenden Vorschriften entsprachen. /bro/jk

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