Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Urteil auf Mallorca: Jahrelange Haftstrafen im Mega-Betrugsfall um Immobilienfirma „Lujo Casa“ verhängt

Im größten Immobilienbetrugsfall Mallorcas verurteilte das Landgericht Palma drei Haupttäter zu insgesamt 28 Jahren Haft

Michele P. (links) und "Charly" auf der Anklagebank.

Michele P. (links) und "Charly" auf der Anklagebank. / Europa Press

Das Landgericht in Palma hat am Donnerstag (18.12.) die drei Hauptbeschuldigten im Immobilienbetrugsfall "Lujo Casa" - dem größten in der Geschichte Mallorcas - zu insgesamt 28 Jahren Haft verurteilt. Bei dem Betrug, der sich auf über drei Millionen Euro beläuft, wurden zwischen 2015 und 2016 insgesamt 240 Käufer auf Mallorca geschädigt – sie hatten auf „Geisterprojekte“ gesetzt, die nie realisiert wurden.

Das Gericht verhängte gegen den Kopf der Bande, Carlos G.R., genannt „Charly“, 14 Jahre und neun Monate Haft. Er weigerte sich vor dem Prozess, einen Deal it der Staatsanwaltschaft zuzustimmen, obwohl dies eine geringere Strafe bedeutet hätte. Laut Gericht ist er verantwortlich für schweren Betrug, Urkundenfälschung, Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung, strafbare Insolvenz und Geldwäsche.

Sein enger Vertrauter Michele P. wurde zu neun Jahren Haft verurteilt, ebenfalls wegen schweren Betrugs, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche. Der dritte Angeklagte, angeblich der ausführende Bauunternehmer der Betrugsserie, erhielt vier Jahre Haft für Beteiligung an der kriminellen Vereinigung sowie als Mittäter bei Betrug und Geldwäsche.

Drei weitere Beteiligte, darunter zwei Brüder, wurden hingegen freigesprochen. Zwei weitere Frauen hatten sich bereits zu Beginn des Prozesses mit neunmonatigen Haftstrafen wegen Geldwäsche einverstanden erklärt.

Schwere Vorwürfe und hohe Entschädigungen

Das Gericht betonte die Schwere der Taten, das Ausmaß des finanziellen Schadens und die große Zahl der betroffenen Opfer. Zudem gab es ein milderndes Moment für Prozessverzögerungen. Zivilrechtlich müssen die Verurteilten über zwei Millionen Euro an mehr als Hundert Opfer zahlen – darunter viele Paare, die für Wohnungen gezahlt hatten, die nie gebaut wurden. Einige Betroffene sollen mit mehr als 100.000 Euro entschädigt werden.

Das Gericht kritisiert vor allem die Kontinuität und Tragweite des kriminellen Handelns sowie die Schwere der Straftaten, die eigens zur Bereicherung der Gruppe begangen wurden.

„Charly“ – das Gehirn der Bande

Die Richterinnen betonten, dass Carlos G.R. „die treibende Kraft“ des Netzwerks war. Er kontrollierte alle wesentlichen Entscheidungen, leitete die Verwaltung der Firma Lujo Casa und der verbundenen Gesellschaften, überwachte die Kundenakquise, die Kontoeröffnung und den Geldfluss. Später nahm er Michele P. im Büro im Carrer Cardenal Rossell in Palma mit an Bord, unter dem Handelsnamen Mallorca Investment.

Michele P. – der Mittäter

Laut Gericht war Michele P. kein einfacher externer Dienstleister, sondern fest in die operative Arbeit des Netzwerks eingebunden. Er trug durch seinen Ruf und den Handelsnamen Mallorca Investment wesentlich dazu bei, bei den Käufern Vertrauen und Seriosität vorzutäuschen. Die Opfer konnten nicht unterscheiden, ob sie mit Lujo Casa oder Mallorca Investment Geschäfte machten – ein entscheidender Aspekt für das Gelingen des Betrugs.„Beide inszenierten den Eindruck eines echten Unternehmens mit zwei Geschäftszweigen – Neu- und Bestandsimmobilien – unter einer gemeinsamen Marketingstrategie“, heißt es in der Urteilsbegründung.

Der Bauunternehmer

Der dritte Verurteilte wirkte vor allem als „Instrument“ der Täuschung: Als Bauunternehmer oder Techniker präsentierte er die Projekte als seriös, obwohl weder Personal, Maschinen noch Genehmigungen vorhanden waren. Auch er erhielt regelmäßige Zahlungen und half bei der Verlagerung von Geldern ins Ausland.

Das Gericht kam zu dem Schluss, dass es sich um eine stabile kriminelle Vereinigung handelte, deren Ziel die fortgesetzte Begehung von schwerem Immobilienbetrug war. Die anderen drei Angeklagten hatten lediglich die Rolle von Strohleuten und waren nicht in die eigentliche Betrugsstruktur eingebunden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann beim Obersten Gerichtshof der Balearen angefochten werden.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents