Debatte um Beschränkung von Immobilienkäufen durch Ausländer: Die Geschichte wiederholt sich
Bereits 1979 versuchte die spanische Regierung, den Erwerb von Immobilien durch Ausländer auf den Balearen zu regulieren, um den Tourismus- und Immobilienboom zu kontrollieren

Impressionen von der Großdemonstration gegen die Wohnungsnot in Palma im Jahr 2024. / Nele Bendgens
Die Diskussion über eine Beschränkung des Immobilienkaufs durch Nicht-Residenten auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln, die in den zurückliegenden Jahren wieder an Schärfe gewonnen hat, ist keineswegs neu. Bereits vor Jahrzehnten versuchte der spanische Staat, den Erwerb von Grundstücken durch Ausländer in Regionen wie den Balearen und Kanarischen Inseln zu regulieren – lange bevor der heutige Wohnraummangel zum zentralen gesellschaftlichen Thema wurde.
Es war Januar 1979. Spanien befand sich mitten im Übergang zur Demokratie, und die Zentralregierung unter Adolfo Suárez war auf der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Öffnung und der Kontrolle eines Tourismus- und Immobilienbooms, der zunehmend Spannungen erzeugte.

Der frühere spanische Ministerpräsident Adolfo Suárez (re.), hier mit dem ehemaligen Spitzenpolitiker auf Mallorca, Jeroni Albertí. / DM
Am 10. Januar tagte die Kommission der Staatssekretäre unter Leitung des damaligen Präsidialamtsministers, José Manuel Otero. Erster Punkt auf der Tagesordnung: ein Dekret, das den Erwerb von Immobilien durch ausländische Staatsbürger auf den Inseln begrenzen sollte.
Maximal zwei Immobilien
Die geplante Regelung war für damalige Verhältnisse deutlich restriktiv:
Ausländer sollten höchstens zwei Einfamilienhäuser oder Apartments erwerben dürfen. Für Grundstücke galt eine Obergrenze von 2.000 Quadratmetern, sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen. Eine Ausnahme war nur vorgesehen, wenn es sich um touristische Projekte von öffentlichem Interesse handelte.
Das Ziel: eine übermäßige Konzentration von Grundbesitz in ausländischer Hand zu verhindern und das begrenzte, fragile Inselterritorium zu schützen. Doch schon früh regte sich Kritik – insbesondere von wirtschaftlicher Seite, die befürchtete, dass solche Maßnahmen die Zuflüsse von ausländischem Kapital behindern könnten, das Spanien dringend für seinen Entwicklungsprozess benötigte.
Widerstand aus der Immobilienbranche
Die Immobilienmakler auf Mallorca reagierten prompt – und fast einhellig ablehnend. Vertreter von Agenturen in Palma erklärten öffentlich, dass die Maßnahme vor allem „finanzstarke Investoren“ abschrecken würde. „Die Ausländer haben schon genug Hürden, wir sollten ihnen nicht noch mehr in den Weg legen“, sagte einer der Befragten.
Andere warnten vor dem gegenteiligen Effekt: „Die wirklich Reichen werden nicht mehr investieren – übrig bleibt der Tourismus der Mittelschicht. Das ist Diskriminierung.“ Immer wieder fiel das gleiche Argument: Eine Begrenzung der Käufe würde Investitionen bremsen, Bauprojekte stoppen und Arbeitsplätze gefährden. „Ausländisches Kapital schafft Jobs und bringt Geld ins Land. Mit dieser Regelung würden viele Urbanisationen gar nicht erst gebaut“, hieß es in der damaligen Presse.
Das Europa-Argument
Hinzu kam die politische Dimension: Spanien strebte den Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft an. Viele Branchenvertreter hielten Eigentumsbeschränkungen daher für widersprüchlich zur angestrebten Liberalisierung.
„Wenn Spanien in die Europäische Gemeinschaft will, darf es keinen Unterschied machen, ob ein Grundstück einem Mallorquiner, einem Engländer oder einem Franzosen gehört“, kommentierte ein weiterer Makler.
Fast alle damaligen Gesprächspartner lehnten das Vorhaben ab. Nur wenige Stimmen lobten es – mit dem Argument, es könne dazu beitragen, „die Einheimischen zu schützen“. Ein Satz, der in der aktuellen Wohnungsdebatte auf den Balearen wieder häufig zu hören ist.
Widerstand gegen den Bauboom
Der Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Schutz der Insel beschränkte sich nicht auf die Politik oder den Immobiliensektor. Ende der 1970er-Jahre kam es auf den Balearen zu großen Protesten der Bevölkerung gegen Großprojekte aus der Immobilien- oder der Tourismusbranche.
Das bekannteste Beispiel ist der Widerstand gegen die Bebauung von Sa Dragonera: Bürgerinitiativen und Aktivisten besetzten damals die Insel, um den Bau einer Luxussiedlung zu verhindern. Sa Dragonera wurde schließlich zum Naturschutzgebiet erklärt.
Ein vertrautes Muster
Fast 50 Jahre später hat sich an der Grundstruktur der Debatte wenig geändert. Wie 1979 stehen die Balearen erneut vor steigenden Immobilienpreisen, einer zunehmenden Verdrängung der Einheimischen aus dem Wohnungsmarkt und der Frage, ob der Kauf durch Nicht-Residenten begrenzt werden sollte.
Auch die Argumente sind die gleichen geblieben: Befürworter betonen den Schutz der Landschaft und des sozialen Zusammenhalts, Kritiker warnen vor einem Rückschlag für Investitionen und Arbeitsplätze.
Geschichte wiederholt sich fast
Die Geschichte wiederholt sich nie komplett, aber es gibt große Parallelen. Der Versuch von 1979 zeigt, dass der Konflikt zwischen Wohnraum, Wirtschaft und Umweltschutz auf den Balearen seit Jahrzehnten besteht.
Der Blick zurück zeigt, dass die Suche nach einem gerechten Gleichgewicht zwischen Offenheit und Schutz, zwischen Kapital und Gemeinschaft auch nach einem halben Jahrhundert noch immer nicht abgeschlossen ist.
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