Auszug aus der Traumimmobilie: Wie "La Residencia"-Gründer Axel Ball einst sein Haus in Llucalcari verlor
Der nun verstorbene deutsche Architekt musste Ende 2010 sein Haus an der Steilküste im Norden der Insel nach einem jahrelangen Rechtsstreit verlassen. Die MZ begleitete ihn damals bei seinem letzten Besuch in der Immobilie

Axel Ball in seinem später abgerissenen Haus in Llucalcari. / Frank Feldmeier
Seit mehr als sechs Jahren war Axel Ball nicht mehr in seinem Haus, wie er sagt – innerlich hat er sich von diesen Mauern schon verabschiedet. Sein Wagen rumpelt den steilen Weg von der MA-10 nach Llucalcari hinunter. Seit dem letzten Besuch ist dieser noch ein bisschen holpriger geworden, links und rechts wächst dichtes Gebüsch. „Wenn ich das heute so sehe – alles wird vernachlässigt, keiner macht mehr etwas“, sagt der 68-Jährige.
Warum auch – das Haus von Ball sowie drei weitere an der Steilküste im Norden Mallorcas sollen jetzt abgerissen werden. Wenn die ersten zwei Ende der 80er Jahre erbauten Häuser in den kommenden Wochen verschwinden, ist das der Abschluss eines jahrelangen, symbolüberladenen Rechtsstreits, mit dem ein Exempel statuiert wird, der die öffentliche Hand teuer zu stehen kommt.
Dass es jemals dazu kommen würde, daran glaubten die wenigsten. Ball erhielt schließlich vergangene Woche einen Anruf aus dem Rathaus von Deià, dass es bald so weit sein würde – eine schriftliche Benachrichtigung habe es nie gegeben. Nun lässt der Deutsche das Haus ausräumen, Arbeiter tragen gerade Gemälde aus dem 350 Quadratmeter großen Gebäude. Das Meer ist nur einen Steinwurf entfernt, das Rauschen der Wellen durchflutet fast leere Räume.

Wellenrauschen inklusive: Dieses Haus musste abgerissen werden. / Frank Feldmeier
Kosten, Verfahren und ein Urteil aus letzter Instanz
„Ich bin Perfektionist“, sagt Ball – und die Ende der 80er Jahre gebaute Finca sei perfekt gewesen. Knapp 250.000 Euro habe der Bau damals gekostet – weniger als die Anwaltskosten, die sich bis heute angehäuft hätten. Jahr für Jahr kamen Rechnungen, auch wenn lange Zeit nichts voranging. Und bis über Entschädigungszahlungen an die Besitzer entschieden ist, dürften mindestens weitere fünf Jahre vergehen, glaubt Ball.
Denn die Schuld trifft nicht die Eigentümer. Der Oberste Gerichtshof stellte im März 2005 in letzter Instanz fest, dass die Baugenehmigungen Ende der 80er Jahre rechtswidrig erteilt worden waren. Geklagt hatte der Umweltschutzverband Gob vor mehr als 20 Jahren, weil es sich um geschützte Terrassenlandschaften handelte.

Axel Ball in dem bereits leergeräumten Haus in Llucalcari. / Frank Feldmeier
Das gelte allerdings nicht nur für die vier für illegal erklärten Häuser von Llucalcari, argumentiert Ball. Er geht davon aus, dass an der gesamten Nordküste mehr als 700 Häuser in einer rechtlich ähnlichen Situation seien und im Fall einer Anzeige womöglich ebenfalls abgerissen werden müssten. „Man hätte vor 20 Jahren alle Fälle anzeigen müssen, dann wäre man zu einer allgemeinen Amnestie gezwungen gewesen“, so der Deutsche. Und auch heute schließe man einen Gang vor Gericht nicht aus.
Bürgermeister teilt Einschätzung – Verweis auf Landschaftsschutz
Der Bürgermeister von Deià teilt diese rechtliche Einschätzung. „Die Serra de Tramuntana beschränkt sich nicht auf Llucalcari“, sagt Jaume Crespí (Volkspartei, PP). Von Port d’Andratx über Port de Valldemossa bis nach Port de Sóller – überall gebe es ähnlich gelagerte Fälle, die nicht angezeigt worden seien. Hintergrund ist unter anderem ein staatliches Gesetz von 1985, das diese Gebiete unter Landschaftsschutz stellte (Bien de Interés Cultural).
Crespí fühlt sich zu Unrecht von den Richtern an den Pranger gestellt. Schuld habe die damalige Landesregierung, die an der Erteilung der umstrittenen Baugenehmigungen beteiligt gewesen sei. Die Umsetzung des Urteils von 2005 habe sich im Übrigen wegen Geldmangel verzögert, so der Bürgermeister, der auch drei Monate lang zur Zahlung einer Geldbuße über 600 Euro verdonnert worden war. Zwei Jahre habe er gebraucht, bis das jetzige Finanzierungsabkommen zwischen Gemeinde, Inselrat und Landesregierung gestanden habe.

Umzugshelfer tragen die letzten Bilder aus dem Haus von Axel Ball. / Frank Feldmeier
Die Institutionen zahlen nun je 145.000 Euro für den Abriss der ersten beiden Häuser. Die Umsetzung des Urteils gilt beim Inselrat wie auch bei den Umweltschützern als Warnschuss für andere Bauherren sowie als Meilenstein für den Landschaftsschutz – auch vor dem Hintergrund der Kandidatur der Serra de Tramuntana als Welterbe. Für die zwei anderen Häuser soll 2011 ein weiteres Finanzierungsabkommen geschlossen werden.
Betroffene Eigentümer und offene Entschädigungsfrage
Dann wäre auch das Haus von Fritz Seikowsky an der Reihe. „Der Schwebezustand ist fürchterlich“, so der Deutsche, der seine Immobilie in Llucalcari als Zweitwohnsitz nutzt. Der Abriss schade der Landschaft mehr, als dass er ihr nutze. Seikowsky verweist zudem auf noch unabsehbare Kosten für die Steuerzahler wegen der Entschädigungsforderungen. Besonders wütend mache ihn, dass er nachweislich über alle Titel der Immobilie verfüge. „Unschuldigen Deutschen wird aus populistischen und politischen Motiven ohne jede Klarheit zur Entschädigung handstreichartig ihr Eigentum genommen und zerstört.“

Abgeschlossen: das Anwesen von Axel Ball in Llucalcari nach dem Auszug. / Frank Feldmeier / Frank Fel
Auch die anderen zwei Häuser gehören nach Angaben von Ball Deutschen. In einem Fall verlören die Betroffenen ihren Erstwohnsitz, ohne dass eine Klärung der Entschädigungsfrage in Aussicht sei. Und „22 Jahre diesen Stress zu haben, das lässt sich gar nicht entschädigen“, sagt der Deutsche, der heute in Sóller wohnt. Während Arbeiter die restlichen Habseligkeiten aus dem Haus in Llucalcari tragen, wirft er einen letzten Blick aus dem Fenster. Einen Satz Hausschlüssel hat er bereits im Rathaus abgegeben. Der Bürgermeister habe sich korrekt verhalten, so Ball, „ich will ihm keine unnötigen Probleme machen“.
Dieser Artikel erschien erstmals am 2. Dezember 2010 in der Mallorca Zeitung. Ball verstarb am Mittwoch (14.1.) im Alter von 83 Jahren.
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