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Hausbesetzer auf Mallorca gibt offen zu: "Habe Wohnungsschlüssel auf dem Schwarzmarkt für 1.000 Euro gekauft"

Ein Fall in Palmas Vorort Secar de la Real sorgt für Aufsehen. Ein Mann besetzt eine Wohnung, ist sich aber keiner Schuld bewusst

Die Nationalpolizei bei der besetzten Wohnung in Es Secar de la Real.

Die Nationalpolizei bei der besetzten Wohnung in Es Secar de la Real. / DM

Miguel Vicens

Miguel Vicens

442 Wohnungen und Häuser, die derzeit auf Mallorca und den Nachbarinseln zum Verkauf stehen, sind besetzt. Über den aktuellen Fall einer Hausbesetzung einer allerdings nicht zum Verkauf stehenden Immobilie berichtet nun das "Diario de Mallorca". Mutmaßliches Opfer ist ein über 70-jähriger Mann in Palmas Vorort Es Secar de la Real, dessen Wohnung besetzt wurde. Der Zeitung berichtet der Mann, der als Fernando (Name geändert) bezeichnet wird: „Ich habe die jüngsten Gesetze und Dekrete gründlich studiert: Sie schützen die Hausbesetzer und lassen die Eigentümer schutzlos zurück. Das ist eine einzige Schande.“

Der Rentner fühlt sich durch die aktuelle Wohnraumgesetzgebung „im Stich gelassen“. Er ist überzeugt, dass viele Okupas mit ausreichenden finanziellen Mitteln die Rechtslage sehr genau kennen – und die bestehenden Regeln gezielt ausnutzen.

Das ist die Version des Eigentümers

Fernando schildert, die Polizei habe den Besetzer am 6. Dezember 2025 nicht aus der Wohnung entfernen können. Der Mann habe einen Vertrag vorgelegt, den er mit der Sicherheitsfirma Movistar Prosegur abgeschlossen habe – mit einem Datum, das nach Darstellung des Betroffenen mehr als 48 Stunden vor jenem Zeitpunkt lag, an dem Fernando die Besetzung überhaupt bemerkte.

Der Eigentümer erhebt zudem schwere Vorwürfe gegen das Sicherheitsunternehmen: Es habe in der Wohnung Überwachungskameras installiert und den Vertrag „mutmaßlich irregulär“ zustande gebracht. Nach geltendem Recht sei die Firma verpflichtet, vor der Installation von Überwachungssystemen die Legitimation der Bewohner anhand von Dokumenten zu prüfen.

So bemerkte der Eigentümer die Besetzung

„Ich habe die Besetzung entdeckt, weil ich zum Streichen ins Haus wollte – und plötzlich ging ein Alarm los. Ich war wie vor den Kopf gestoßen, und innerhalb einer Minute stand der Hausbesetzer vor mir“, berichtet Fernando. Der Eindringling sei, so der Rentner, keineswegs mittellos: „Er hat Geld“ und fahre einen PS-starken Audi.

Das Auto des mutmaßlichen Hausbesetzers: ein PS-starker Audi, allerdings etwas in die Jahre gekommen.

Das Auto des mutmaßlichen Hausbesetzers: ein PS-starker Audi, allerdings etwas in die Jahre gekommen. / DM

Auch ein Versuch, die Situation „gütlich“ zu lösen, sei gescheitert. Der Besetzer habe ein Angebot über 10.000 Euro abgelehnt, um die Wohnung sofort zu verlassen. Er habe zudem behauptet, er verfüge über „beliebig viel Schwarzgeld“ – und angekündigt, bleiben zu wollen. Fernando sagt, der Mann verhalte sich, als genieße er „völlige Straffreiheit“.

Schlüssel angeblich für 1.000 Euro gekauft

Der Rentner spricht außerdem von einem Schwarzmarkt, auf dem Wohnungsschlüssel gehandelt würden. „Er sagt, er habe die Schlüssel für 1.000 Euro gekauft“, erzählt Fernando. Er vermutet, dass sie vom vorherigen Mieter stammen könnten – einem Mann, der bis etwa einen Monat zuvor in der Wohnung gelebt habe, „ein halbes Jahr keine Miete gezahlt und die Wohnung verwüstet“ habe.

Was Fernando zusätzlich verzweifeln lässt, ist die Dauer des Verfahrens: „Es kann Monate dauern, vielleicht sogar Jahre, bis er raus ist. Diese Situation kannte ich nicht. Von Besetzungen liest man meist erst in den Zeitungen, wenn eine vulnerable Person geräumt werden soll.“ Fernando bessert nach eigenen Angaben seine Rente mit der Vermietung der Wohnung auf.

Das sagt der Hausbesetzer

Inzwischen hat sich auch der mutmaßliche Besetzer zu Wort gemeldet und behauptet, der Eigentümer habe "einen Haufen Lügen erzählt". Der Mann erklärte gegenüber dem "Diario de Mallorca": Es stimmt nicht, dass er mir 10.000 Euro angeboten hat, damit ich die Wohnung verlasse; er bot mir 3.000. Ich habe gesagt, ich könne Miete zahlen – aber er hat das abgelehnt.“

Der Okupa, der seine Identität nicht preisgeben wollte, bezeichnet sich selbst als ehrlich und arbeitsam. „Es stimmt, dass ich die Schlüssel der Wohnung für 1.000 Euro gekauft habe, aber ich gehöre keiner Besetzer-Mafia an. Soll die Polizei mich doch untersuchen, wenn sie will. Außerdem bin ich nicht so reich, wie der Eigentümer behauptet.“

"Ich wäre auch wütend, wenn jemand mein Haus besetzen würde"

Der Mann erklärt, er habe die Wohnung besetzt, „weil ich nichts anderes hatte“, und zeigt Verständnis für den Ärger des Eigentümers: „Ich wäre auch wütend, wenn jemand mein Haus besetzen würde.“

„Es ist nicht meine Schuld, wenn die Sicherheitsfirma keine Dokumente verlangt hat“, entgegnet der mutmaßliche Besetzer. Er betont, er sei bereit, „ab sofort“ Miete zu zahlen. „Wenn ich an Stelle des Eigentümers wäre, würde ich das ohne zu zögern annehmen. Wenn er ohnehin eine Miete kassieren will, verstehe ich das Problem nicht und warum er mein Angebot nicht annimmt“, schließt der Mann.

Derartige Besetzungen werden im Rahmen der geltenden Wohnraumgesetzgebung als „minderschweres Delikt“ eingestuft. Die Polizei kann den Besetzer daher nicht festnehmen und unmittelbar einem Richter vorführen – vergleichbar mit einem Ladendiebstahl unter 400 Euro. Den Beamten bleibt demnach lediglich, die Personen zu identifizieren und den Fall zur Anzeige an das zuständige Gericht weiterzuleiten.

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