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Mallorca-Gemeinde schlägt Alarm: Esporles will wegen Mietpreis-Irrsinn Einstufung als "Gebiet mit angespannter Wohnsituation"

Im Ort gibt es kaum noch Wohnungen für weniger als 1.500 Euro

Ein Straßenzug in Esporles.

Ein Straßenzug in Esporles. / Nele Bendgens

Aufruhr angesichts der hohen Immobilienpreise auf Mallorca: Der von linksgerichteten Parteien geprägte Gemeinderat von Esporles will am Donnerstag (26.2.) eine Resolution verabschieden, mit der sich die Gemeinde symbolisch selbst zu einem Gebiet mit „angespanntem Wohnungsmarkt“ erklärt. Ziel ist es, den Druck auf die konservative balearische Landesregierung zu erhöhen.

Diese soll nach dem Willen der Politiker des Dorfes am Fuß der Serra de Tramuntana die formelle Erklärung unterstützen, damit die im staatlichen Wohnraumgesetz vorgesehenen Instrumente zur Mietpreisregulierung sowie weitere Maßnahmen greifen können.

Die Initiative stammt von der Mehrheitsfraktion PAS–MÉS, die im Rathaus regiert. Sie reagiert damit auf die schriftliche Ablehnung der Balearen-Regierung, ein entsprechendes Verfahren zur offiziellen Einstufung einzuleiten. Die regierende Volkspartei PP hat derartigen Eingriffen in den Markt bereits mehrfach eine Absage erteilt.

Studienlage "weder einhellig noch abschließend"

„Die Gutachten, die davon abraten, Esporles als angespannten Wohnungsmarkt einzustufen, gehen von der Annahme aus, dass Mietpreisbegrenzungen das Angebot verringern und das strukturelle Wohnungsproblem nicht lösen. Internationale wissenschaftliche Studien und jüngste Erfahrungen auf staatlicher Ebene zeigen jedoch, dass diese Schlussfolgerung weder einhellig noch abschließend ist“, heißt es in dem von PAS–MÉS eingebrachten Antrag.

Wie in vielen Gemeinden Mallorcas sind auch in Esporles die Immobilienpreise deutlich gestiegen. Nach aktuellen Daten des Immobilienportals Indomio lag der Angebotspreis für Wohnraum im Januar 2026 bei 5.319 Euro pro Quadratmeter – ein Anstieg von 6,47 Prozent gegenüber März 2025. Bei den Mieten beginnen die günstigsten aktuell auf Plattformen wie Idealista angebotenen Wohnungen bei rund 1.500 Euro für eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 80 Quadratmetern.

"Übermäßige Belastung vieler Familien"

Der Gemeinderat will die Landesregierung zudem formell zu einer Analyse der wirtschaftlichen und sozialen Indikatoren der Gemeinde auffordern. Nach Ansicht des Rathauses bestätigen diese die Notwendigkeit einer entsprechenden Einstufung.

Die Gemeinde verweist auf „einen anhaltenden und unverhältnismäßigen Anstieg der Kauf- und Mietpreise, einen strukturellen Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die übermäßige finanzielle Belastung vieler Familien, die im Ort bleiben möchten“. Zugleich kündigte das Rathaus an, eine ergänzende Dokumentation mit Daten zum lokalen Wohnungsmarkt zu erstellen und schließt eine verwaltungsgerichtliche Klage gegen die ausdrückliche Ablehnung der Landesregierung nicht aus.

Was bedeutet die Einstufung?

Die Kategorie „angespannter Wohnungsmarkt“ ist im spanischen Gesetz durch das Recht auf Wohnen verankert. Ein Gebiet kann demnach als angespannt erklärt werden, wenn die Belastung durch Hypotheken- oder Mietkosten mehr als 30 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens beträgt oder wenn die Kauf- oder Mietpreise in den zurückliegenden fünf Jahren kumuliert mindestens drei Prozentpunkte stärker gestiegen sind als der Verbraucherpreisindex der jeweiligen Autonomen Gemeinschaft.

Zuständig für die formelle Erklärung sind die spanischen Regionen. Nach einer solchen Einstufung können außerordentliche Maßnahmen angewendet werden – etwa Mietpreisbegrenzungen bei Neuverträgen in angespannten Gebieten, steuerliche Anreize für Vermieter, die ihre Mieten senken, oder weitere Instrumente zur Preisregulierung.

Aus Sicht der Gemeindeverwaltung ist das Verfahren ein zentrales Instrument, um „das Recht auf Wohnen zu schützen und Verdrängungsprozesse zu verhindern“. Laut dem im Oktober 2024 aktualisierten kommunalen Wohnungsregister suchen derzeit 258 Personen aktiv eine Wohnung in Esporles. 76,7 Prozent von ihnen sind seit mehr als sieben Jahren im Ort gemeldet.

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