Angesagtes Neubauviertel auf Mallorca: Was kosten in Palma die Wohnungen in Nou Llevant?
In Palmas Neubauviertel Nou Llevant wird weiter gebaut. Viele der Käufer und Mieter sind Ausländer. Was kosten die Wohnungen, und wie wohnt es sich dort?

Die teils sehr luxuriösen Wohnanlagen säumen die Avinguda de Mèxic. / GUILLEM BOSCH
Es ist definitiv das Viertel, das in Palma in den vergangenen Jahren den größten Wandel durchlebt hat: Im Nou Llevant, dem „neuen Osten“, reiht sich eine Luxus-Wohnanlage an die andere. Vor allem im nördlichen Teil wird jeder bislang noch leere Fleck weiter zugebaut. Im Kontrast dazu stehen die älteren Gebäude, in denen die einkommensschwächere Bevölkerung lebt. Noch bis vor ein paar Jahren hatte das Viertel nicht den besten Ruf. Doch das ändert sich gerade rasant.
Von kaum sonst wo aus ist man so schnell am Meer, im Zentrum, am Flughafen oder so gut mit dem Rest der Insel verbunden. Das haben schon vor Jahren verschiedene Bauträger erkannt: Gestilar, Metrovacesa, Xojay und AvantEspacia sind die Big Player. Bis auf nächtliche illegale Autorennen und Saufgelage von Jugendlichen im Park leben die Bewohner, darunter auch viele deutschsprachige, weitgehend ruhig.

Nou Llevant - Palmas Zukunftsviertel nimmt Gestalt an / Nele Bendgens
Potenzial des Viertels erkannt
Die Ruhe hat ihren Preis: Cafés, Bars oder Restaurants sucht man in dem Viertel bislang vergebens. Immerhin: In den letzten Jahren haben sich unter anderem eine orthopädische Praxis und ein Yoga-Studio dort eingerichtet. Auch deutsche Ketten wie Rossmann, Lidl und jetzt auch Aldi haben das Potenzial des Viertels und der damit einhergehenden Kundschaft längst erkannt. Da das Verlagsgebäude der MZ ebenfalls im Nou Llevant liegt, konnten wir den Wandel hin zum Luxusviertel in den vergangenen Jahren vom Bürofenster aus live beobachten.
Die Kaufpreise variieren
2.430.000 Euro kostet laut Idealista aktuell die teuerste zu verkaufende Immobilie hier. Das 190 Quadratmeter große, luxuriöse Neubau-Penthouse in der Anlage Xojay Residences hat auf zwei Etagen je zwei Schlafzimmer und Bäder, einen Aufzug, eine 50 Quadratmeter große Dachterrasse inklusive Außenküche und einen privaten Whirlpool. Für 30.000 Euro gibt es den Tiefgaragenstellplatz dazu. In der energieeffizienten Anlage stehen zur gemeinschaftlichen Nutzung zudem ein Fitnessstudio, ein Dachterrassen-Pool und eine Cafetería zur Verfügung. Auch einzelne andere Immobilien kratzen in der Gegend an der Zwei-Millionen-Marke. Alle liegen rund um die Avinguda de Mèxic, also in dem neu bebauten Abschnitt.
Der Großteil der dortigen Wohnungen kostet zwar unter einer Million Euro, aber dennoch oft um die 800.000 Euro. Je weiter man sich dem Carrer Manacor, dem Viertel La Soledat oder auch dem Parque Krekovic nähert, desto bezahlbarer wird es. Hier liegen die Preise in den älteren Wohnblöcken zwischen 242.000 und 565.000 Euro.
So hoch sind die Mietpreise
Unter den vorwiegend ausländischen Mietern und Wohnungsbesitzern, die in dem oft auch als Nou Portitxol vermarkteten Viertel investiert oder sich ganz niedergelassen haben, sind auch viele Deutsche. Einer der ersten Mieter in seiner Anlage in der Avinguda Mèxic, 17 war laut eigener Aussage Sven Bergerhausen. Nach der Trennung von seiner Expartnerin suchte der Resident drei Monate lange ein neues bezahlbares Zuhause nahe der Playa de Palma, wo er ein Brunch-Lokal betreibt. Seine 70-Quadratmeter große Wohnung mit zwei Schlafzimmern und Bädern inklusive Tiefgaragenstellplatz war Ende 2024 für 1.480 Euro monatlich ausgeschrieben.
Jetzt auch Zweitwohnsitz-Bewohner
Der zweifache Familienvater erinnert sich an einen aufwendigen, mehrere Wochen dauernden Online-Bewerbungsprozess. „Eine der Voraussetzungen war damals, dass man fest hier lebt und arbeitet. Die ersten Bewohner waren nur Spanier und ich.“ Zu seiner großen Verwunderung seien ein paar Monate später auch Nicht-Residenten, etwa Zweitwohnsitz-Besitzer aus Russland, England oder auch Deutschland eingezogen. „Ich kann mir vorstellen, dass sie die Anlage sonst nicht gefüllt bekommen hätten“, mutmaßt Bergerhausen, der sich dort sehr wohlfühlt, auch weil er zu seiner Arbeit mit dem Auto nur fünf Minuten braucht. Mittlerweile zahle er schon um die 1.550 Euro Miete.
„Dennoch gibt es meiner Meinung nach für den Preis nichts Besseres in der Gegend“, so die Worte des Gastronomen, der in der Vergangenheit auch schon vergeblich versucht hat, für seine Mitarbeiter dort Wohnungen zu finden. Die Einzimmerwohnungen für damals noch 1.100 Euro seien schnell weg gewesen.
Angst vor Mietpreiserhöhungen
Nur ein paar Meter weiter von Bergerhausen lebt seit über einem Jahr MZ-Leserin Mareike Gerber* (Name von der Redaktion geändert). Sie hat Angst, dass ihr deutscher Vermieter die Miete, aktuell 1.100 Euro, für ihre Wohnung mit nur 50 Quadratmeter Wohnfläche bald erhöhen wird. „Wir haben nur einen Elf-Monats-Vertrag. In Südosten der Insel, wo wir zuvor gelebt haben, hatten wir 260 Quadratmeter, haben 1.400 Euro bezahlt.“ Immerhin: Die Stromkosten seien in der Anlage sehr niedrig. Und Feuchtigkeit gäbe es in den modernen Wohnungen nicht. „Sollten wir bald mehr Miete zahlen wie schon viele unserer Nachbarn, müssen wir uns schweren Herzens was Neues suchen“, so Gerber.
Ein Blick auf Idealista bestätigt: Bergerhausen und Gerber haben noch Glück mit ihren Mieten. Mietwohnungen gibt es überhaupt wenige, nur zehn Stück. Für die preisgünstigste mit 84 Quadratmeter Wohnfläche und drei Schlafzimmern werden 1.440 Euro aufgerufen. Bewerber müssen zusammen ein Nettoeinkommen von über 4.000 Euro vorweisen können. Ein Pärchen mit spanischen Durchschnittsgehältern ist damit raus.
Weit weg vom Trubel
Der Großteil der übrigen Preise für moderne Wohnungen mit um die 100 Quadratmeter beträgt im Schnitt circa 2.500 Euro. Der höchste Preis wird aktuell mit 4.000 Euro für die Miete einer Dachgeschoss-Wohnung mit zwei Schlafzimmern und zwei Bädern sowie einer 40 Quadratmeter großen, privaten Sonnenterrasse mit Meerblick aufgerufen. „Sie sind nah an allem, aber weit weg vom Trubel“, heißt es in der Anzeige der neu zu beziehenden Luxuswohnung. Das Warmwasser werde durch ein zentrales Aerothermie-System erzeugt, wodurch Kosten gespart werden. Die Außenfenster sind zudem doppelverglast, und es gibt elektrische Rollläden. Video-Gegensprechanlage und Haustür lassen sich per App bedienen. Im Mietpreis enthalten sind zwei Parkplätze sowie ein Abstellraum. „Nou Llevant hat sich zum neuen Zentrum des Freizeitangebots der Stadt entwickelt, einem ganzjährig belebten Viertel“, heißt es in der Anzeige weiter. Na ja.
Das Angebot wächst weiter
Dafür, dass die Bewohner dort bald Brötchen und Kuchen bekommen, wie man sie aus Deutschland kennt, wollen Valiere, Kelly und Michael Winzer sorgen. Die Betreiber des kolumbianischen Mangobiche in Pere Garau hatten bis vor wenigen Monaten Eigentum im Nou Llevant, haben dann aber nahe des Velodroms etwas Besseres gefunden. „Wir werden in einem Monat das erste richtige Café und auch ein Spa dort eröffnen“, so Valiere Winzer, die sich sehr freut, künftig zumindest noch der Arbeit wegen in ihrem alten Wohnviertel sein zu können.
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