Will den Immobilienverkauf an Nicht-Residenten begrenzen: Diese neue Organisation möchte die Wohnungsnot auf Mallorca in den Griff bekommen
Das Sindicat de Llogaters orientiert sich am katalanischen Vorbild und will angesichts steigender Mieten eine kollektive Antwort auf die Wohnungsnot geben

Alle Impressionen von der Großdemonstration gegen die Wohnungsnot in Palma. / Nele Bendgens
„Unsere Idee ist es, nach allem zu suchen, was die Lage der Mieter verbessern kann. Wohnungen müssen für Menschen da sein – nicht dafür, Renditen zu erzielen oder mit ihnen zu spekulieren.“ Mit dieser Botschaft hat sich das Sindicat de Llogateres de Mallorca (Mietervereinigung von Mallorca) am Samstagvormittag (9.5.) im Kino Cine Ciutat in Palma offiziell vorgestellt.
Mehr als 160 Menschen kamen zu der Veranstaltung. Die neue Organisation orientiert sich am Modell des Sindicat de Llogateres de Catalunya, das in den vergangenen Jahren Mobilisierungen und gemeinsame Aktionen angestoßen hat. Auf Mallorca will die neue Organisation angesichts steigender Mietpreise und wachsender Unsicherheit eine kollektive und organisierte Antwort auf die Wohnungsnot geben. Zugleich reiht sich die Initiative in ein spanienweites Netzwerk von Mieterorganisationen ein, die gegen Immobilienspekulation und gegen Großgrundbesitz kämpfen.
„Das Erste, was wir brauchen, ist Rückhalt. Wir wollen in allen Gemeinden bekannt werden“, sagte Óscar Martínez, einer der Sprecher der Organisation. „Wir laden die Menschen ein, zu unseren offenen Versammlungen zu kommen, ihre Ideen und Projekte einzubringen und gemeinsam Wege zu suchen, um die Situation umzukehren.“
Wohnungsnot als Folge politischer Entscheidungen
Nach Einschätzung der Vereinigung ist die Wohnungskrise auf Mallorca nicht unvermeidlich gewesen, sondern Folge bestimmter politischer Entscheidungen. Die Organisation fordert deshalb einen Wechsel des Modells.
Nach Einschätzung der neuen Organisation liegt das Problem auf Mallorca nicht in der Zahl der Wohnungen, sondern vor allem in deren Nutzung. Ein beträchtlicher Teil von Wohnungen werde dem regulären Mietmarkt entzogen – etwa durch Ferienvermietung, Saisonmieten, Zweitwohnsitze oder Leerstand. Dadurch verschärfe sich der Druck auf Menschen, die dauerhaft auf der Insel leben und zur Miete wohnen.

160 Personen nahmen an der Präsentation der neuen Organisation teil. / Sindicat de Llogateres Mallorca
Die Mietervereinigung verweist zudem darauf, dass viele Mieter einen erheblichen Teil ihres Einkommens für die Wohnung aufbringen müssen. Vor allem bei auslaufenden Verträgen geraten Betroffene unter Druck, weil neue Mietangebote häufig deutlich teurer sind und bezahlbare Wohnungen kaum noch zu finden sind.
Kleine Eigentümer sollen Teil der Lösung sein
Der Sprecher richtete sich auch an kleinere Eigentümer. Man wisse um den Unterschied zwischen ihnen und großen Immobilienakteuren, sagte Martínez. Dennoch müssten auch sie Teil der Lösung sein: mit bezahlbaren Preisen, ohne Spekulation und unter Achtung der Rechte der Mieter.
Besonders betroffen von der Wohnkrise seien nach Einschätzung der neuen Organisation junge Menschen, die ein eigenständiges Leben nur schwer beginnen könnten, sowie ältere Menschen, die sich Sorgen um ihre Wohnsituation nach dem Eintritt in den Ruhestand machten. Die Wohnungssuche sei für viele inzwischen mit hohen Anforderungen verbunden.

Alle Impressionen von der Großdemonstration gegen die Wohnungsnot in Palma / Nele Bendgens
Forderung: Kauf durch Nicht-Residenten begrenzen
Das Sindicat de Llogateres de Mallorca sieht die Wohnungsnot auf der Insel auch durch die starke Abhängigkeit vom Tourismus verschärft. Der Kauf von Immobilien durch Nicht-Residenten müsse begrenzt werden, heißt es aus der Organisation. Vor allem aber müssten Wohnungen wieder Familien zur Verfügung stehen.
Ferienvermietungen und der missbräuchliche Einsatz von befristeten Mietverträgen, hinter denen sich ebenfalls touristische Nutzungen verbergen könnten, müssten zurückgedrängt werden. Leerstehende Wohnungen sollten wieder Menschen zur Verfügung stehen, die Wohnraum benötigen.

Alle Impressionen von der Großdemonstration gegen die Wohnungsnot in Palma / Nele Bendgens
Die Organisation betont zugleich, dass nicht einzelne ausländische Käufer für die Lage verantwortlich seien. Entscheidend seien vielmehr Strukturen, die Wohnen als Anlageform und Spekulationsobjekt behandelten. Auch deshalb sucht die Mietervereinigung die Zusammenarbeit mit Institutionen, Initiativen und Personen, die an Lösungen für die Wohnungsfrage arbeiten.
Zusammenarbeit mit anderen Initiativen
Die Vereinigung betont, bestehende Organisationen auf Mallorca nicht ersetzen zu wollen. Vielmehr wolle man mit Initiativen zusammenarbeiten, die sich bereits für das Recht auf Wohnen einsetzen. Bereits 2023 wurde in Palma das Sindicat d’Habitatge de Palma gegründet. Diese Initiative setzt sich ebenfalls für das Recht auf bezahlbaren Wohnraum für Mallorcas Arbeiterklasse ein und organisiert unter anderem Demonstrationen gegen die Wohnungsnot auf der Insel.
Erste offene Versammlung am 20. Mai
Die erste offene Versammlung findet am 20. Mai um 18.30 Uhr im IES Josep Maria Llompart in Palma statt. Außerdem kündigten sie Aktionen im Rahmen der spanienweiten Kampagne „Ni alquileres por las nubes. Ni salarios por los suelos“ an – auf Deutsch etwa: Weder Mieten, die durch die Decke gehen, noch unterirdische Löhne.
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