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Wohnungsnot auf Mallorca: Selbst Beamte leben schon im Wohnmobil

M. Bibiloni lebt seit einem Jahr in einem Camper in Palma. Warum sich die 31-Jährige für dieses Leben entschieden hat, auch wenn sie einen guten Job und ein stabiles Einkommen hat

M. Bibiloni lebt mit ihrer Hündin Sindra in einem Wohnmobil in Palma.

M. Bibiloni lebt mit ihrer Hündin Sindra in einem Wohnmobil in Palma. / DM

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M. Bibiloni ist 31 Jahre alt, stammt aus Campos und arbeitet als Beamtin bei der Balearen-Regierung. Seit einem Jahr lebt sie in Palma in einem Wohnmobil. „Ich habe diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen”, sagt sie. Nachdem sie ihre Ausgaben durchgerechnet habe, sei ihr klar geworden, dass sie als Mieterin kaum sparen und sich keine stabile Zukunft aufbauen könne. Das Wohnmobil sei für sie eine „Übergangslösung”, um Geld zurücklegen zu können.

„Ich arbeite hier, ich zahle hier meine Beiträge und ich möchte auf Mallorca bleiben”, sagt Bibiloni. Sie habe alles getan, was man vermeintlich tun müsse: studieren, arbeiten und sich eine feste Existenz aufbauen. „Und trotzdem reicht es nicht, um an eine Wohnung zu kommen.” In dem Fahrzeug lebt sie gemeinsam mit ihrer Hündin Sidra. Je nach Jahreszeit steht sie in verschiedenen Gegenden Palmas, im Winter vor allem im Strandviertel Ciutat Jardí, im Sommer eher in Stadtteilen wie Son Rapinya oder La Vileta. Das Schlafen im Wohnmobil ist in der Stadt erlaubt, solange man im Fahrzeug bleibt und nicht campt. Letzteres bedeutet etwa, dass man Klapptische oder andere Möbel vor dem Fahrzeug aufstellt.

„Das Problem sind nicht wir”

Auslöser für ihre Aussagen ist die Haltung des Rathauses von Palma. Die Sprecherin der Stadtverwaltung, Mercedes Celeste, hatte am vergangenem Mittwoch (13.5.) angekündigt, „Ordnung schaffen” zu wollen, damit die Stadt nicht zu einem Raum für Wohnmobile werde.

„Das tut mir weh”, sagt Bibiloni. Aus ihrer Sicht werde mit solchen Aussagen der Fokus nur auf die Wohnmobile gelegt. „Das Problem sind nicht wir, sondern die Wohnungskrise. Das Symptom wird kriminalisiert, während die Ursache ignoriert wird”, sagt die Beamtin.

M. Bibiloni in ihrem Wohnwagen.

M. Bibiloni in ihrem Wohnwagen. / DM

Sie sieht aber auch ein, dass das Leben im Wohnmobil nicht die Lösung der Wohnungsnot darstellt. „Ich will das nicht schönreden oder idealisieren. Es ist nicht bequem, nicht billig und keine Lebensform auf Dauer”, sagt sie. Gleichzeitig wolle sie nicht, dass Menschen, die so leben, pauschal kriminalisiert würden. „Oft bleibt uns nichts anderes übrig.”

Eine Wohnung allein zu finanzieren, sei für sie unmöglich. In einer Partnerschaft oder Wohngemeinschaft lasse sich eine Miete eher stemmen. „Aber allein geht es nicht.” Die Alternative wäre gewesen, mehr als 1000 Euro für ein kleines Studio zu zahlen und kaum noch sparen zu können – oder wieder in eine WG zu ziehen. „Aber in einem gewissen Alter möchte man Privatsphäre, Unabhängigkeit und sich ein eigenes Leben aufbauen”, sagt die 31-Jährige.

Leben auf zwölf Quadratmetern

Mit dem Wohnmobil kann Bibiloni nach eigenen Angaben derzeit rund 1000 Euro im Monat sparen. Für Rate, Versicherung und Instandhaltung des Fahrzeugs zahle sie monatlich zwischen 300 und 400 Euro – deutlich weniger als für eine Wohnung in Palma. Dafür spielt sich ihr Alltag auf rund zwölf Quadratmetern ab.

Klein aber fein: Das Wohnmobil von Bibiloni.

Klein aber fein: Das Wohnmobil von Bibiloni. / DM

Seit Jahren steht Bibiloni auf der Warteliste des balearischen Wohnungsinstituts Ibavi. In dieser Zeit habe sie viele Menschen in ähnlichen Situationen kennengelernt: Beamte oder junge Menschen mit fester Anstellung, die in Wohnmobilen, Autos oder gemieteten Zimmern leben. „Früher schien ein fester Arbeitsplatz zu reichen, um eine Wohnung zu bekommen. Heute ist das nicht mehr so”, bedauert sie.

In ihrem Fall erschwerte auch ihre Hündin Sidra die Wohnungssuche. Viele Vermieter akzeptierten keine Tiere, sagt Bibiloni. Während sie arbeitet, bringt sie Sidra zu einem Betreuer mit anderen Hunden. „Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass es normal ist, mit einem Tier in einem Wohnmobil zu leben. Aber wenn man in dieser Situation ist, sucht man nach Möglichkeiten, sich zu organisieren.”

„Kein Konflikt mit den Nachbarn”

Einen grundsätzlichen Konflikt zwischen Anwohnern und Wohnmobilbewohnern sieht sie nicht. „Ich bestreite nicht, dass manche Menschen sich falsch verhalten. Aber das passiert überall. Das liegt an der Person, nicht daran, dass jemand in einem Wohnmobil lebt.” In Ciutat Jardí seien ihre Erfahrungen mit den Nachbarn sehr gut gewesen. „Es war ein normales Zusammenleben, wie mit jedem anderen Nachbarn auch.”

Von den Behörden fordert sie, Wohnmobile nicht zum einfachen Ziel eines viel größeren Problems zu machen. „Wenn jemand gegen Regeln verstößt, soll er bestraft werden. Wir selbst sind dankbar, wenn diejenigen sanktioniert werden, die sich falsch verhalten, weil am Ende sonst alle in einen Topf geworfen werden.” Die Institutionen sollten Anwohner und Wohnmobilbewohner jedoch nicht gegeneinander ausspielen. „Wir sind Opfer desselben Problems”, sagt Bibiloni.

Der Wohnwagen von Bibiloni.

Der Wohnwagen von Bibiloni. / dm

Die 31-Jährige wünscht sich, dass in der Debatte auch die Menschen hinter den Fahrzeugen gesehen werden. „Einige verbinden Wohnmobile schnell mit Unsicherheit oder Konflikten”, sagt sie. „Dabei stecken dahinter oft ganz normale Menschen, die einfach versuchen, auf ihrer Insel wohnen bleiben zu können.”

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