"Wollte nie jemandem das Leben ruinieren": Wegen Betrugs angeklagter Bauunternehmer auf Mallorca bricht vor Gericht in Tränen aus
Dem Mann wird vorgeworfen, eine Familie in der Gemeinde Esporles um ihre Ersparnisse gebracht zu haben. Ihm drohen mehrere Jahre Gefängnis und ein Berufsverbot

Der Bauunternehmer vor Gericht. / DM
Ein Bauunternehmer von Mallorca hat sich vor dem Oberlandesgericht in Palma wegen eines mutmaßlichen Immobilienbetrugs verantworten müssen. Ihm wird vorgeworfen, ein Ehepaar im Zusammenhang mit dem Bau seines Familienhauses in Esporles im Jahr 2021 um mehr als 67.000 Euro gebracht zu haben. Im Schlusswort brach der Angeklagte in Tränen aus und bat um Entschuldigung. Es sei nie seine Absicht gewesen, jemanden zu betrügen oder das Leben von Menschen zu ruinieren, sagte er.
Die Staatsanwaltschaft fordert für den 51-Jährigen sechs Jahre Haft, eine Geldstrafe, ein Berufsverbot für Tätigkeiten im Baugewerbe sowie eine Entschädigung der Geschädigten in Höhe von 67.476 Euro. Zusätzlich sollen 10.000 Euro Schadensersatz gezahlt werden. Die Nebenklage beantragt dieselbe Strafe wegen schweren Betrugs oder, falls das Gericht dem nicht folgt, wegen Veruntreuung. Zudem fordert sie eine Entschädigung von 107.013 Euro. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch. Sollte das Gericht dem nicht folgen, beantragt sie sechs Monate Haft und eine Geldstrafe.
Schwierige Lage in der Pandemie
Der Angeklagte war alleiniger Geschäftsführer der Firma Sogig Projects SL. Nach seinen Angaben war das Unternehmen nach der Corona-Pandemie zwar in einer schwierigen Lage, habe aber weiterhin Aufträge gehabt. Über einen Architekten sei der Kontakt zu dem Ehepaar zustande gekommen, das auf einem Grundstück in Esporles ein Einfamilienhaus errichten lassen wollte. Im Januar 2021 wurde ein Vertrag über einen Baupreis von 271.991 Euro unterzeichnet.
Kurz darauf überwies das Paar 59.838 Euro an die Firma, 20 Prozent des Gesamtpreises. Im Juli 2021 kamen weitere 7.600 Euro für die erste Baufortschrittsbescheinigung hinzu. Elf Tage später teilte das Unternehmen den Eheleuten mit, dass die Arbeiten nicht fortgesetzt werden könnten, weil die Firma zahlungsunfähig sei.
Einnahmen für laufende Kosten verwendet
Der Bauunternehmer erklärte vor Gericht, das Geld sei auf das Firmenkonto geflossen und wie Einnahmen aus anderen Projekten für laufende Kosten verwendet worden. Auf dem Grundstück in Esporles seien Aushubarbeiten und Sauberkeitsbeton ausgeführt worden. Die Arbeiten hätten sich verzögert, weil sich bei der Aushebung Probleme mit dem Gelände ergeben hätten und eine neue topografische Untersuchung nötig gewesen sei. Später seien mehrere Projekte weggebrochen, die wirtschaftliche Lage der Firma habe sich verschärft. Er habe den Geschädigten das Geld nicht zurückzahlen können, räumte der Angeklagte ein. Zudem bestätigte er Schulden des Unternehmens beim Finanzamt und bei der Sozialversicherung.
Das geschädigte Ehepaar schilderte vor Gericht die Folgen des gescheiterten Bauprojekts. Die beiden hatten eine Sozialwohnung verkauft und ein Grundstück in Esporles gekauft, um dort mit ihren drei Kindern ein Eigenheim zu errichten. Tatsächlich seien auf dem Grundstück nur vier Löcher für Pfeiler und eine Grube für einen Wasserspeicher ausgehoben worden, sagte der Mann. Geld hätten sie nicht zurückerhalten.
Verheerende Folgen
Der Geschädigte erklärte, der Schaden gehe weit über das Finanzielle hinaus. Das Haus sei das Lebensprojekt der Familie gewesen. Inzwischen sei das Paar geschieden, beide lebten zur Miete. Seine Ex-Frau sprach von „verheerenden“ Folgen. Sie zahle 1.400 Euro Miete, ihr Ex-Mann 1.250 Euro. Beide hätten keine eigene Immobilie mehr und könnten sich keine Wohnung leisten.
Auch der Mann, der die Aushubarbeiten auf dem Grundstück ausführte, sagte vor Gericht aus, er sei von dem Bauunternehmen nicht bezahlt worden. Die Firma meldete später Insolvenz an. Der Prozess wurde zur Urteilsfindung abgeschlossen.
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