Luxushäuser statt Gemeindezentrum? Warum die Anwohner aus diesem Mallorca-Dorf so verbissen um zwei alte Stadthäuser kämpfen
In Son Macià sorgt eine Immobilienanzeige für Aufregung: Auf dem Gelände des früheren Nonnenklosters Ca ses Monges könnten Luxushäuser entstehen. Die Anwohner wollen das verhindern - mal wieder

In der Annonce wurde das Ca ses Monges für 995.000 Euro zum Verkauf angeboten / Huether&Partner Real Estate
Seit Jahren kämpfen Anwohner in dem kleinen Dorf Son Macià dafür, dass das ehemalige Nonnenkloster Ca ses Monges in öffentlichem Besitz bleibt - bisher ohne konkrete Zusagen der zuständigen Gemeindeverwaltung von Manacor. Jetzt kocht das Thema erneut hoch. Grund dafür ist eine Immobilienanzeige, die auf dem Gelände den Bau von Luxushäusern vorsieht.
Reihenhäuser mit Pool
"Es handelt sich hierbei um ein Projekt, das derzeit aus zwei Stadthäusern besteht, die man sanieren oder mit sechs Pool-Reihenhäusern bebauen kann", war in der Anzeige zu lesen, die bis Montagnachmittag (25.5.) auf der Seite der Immobilienagentur Huether&Partner zu finden war. Verkaufspreis: 995.000 Euro. Der Link zur Annonce verbreitete sich in der vergangenen Woche unter den Anwohnern wie ein Lauffeuer und erhitzte die Gemüter. Mittlerweile hat die Agentur das Angebot gelöst. Zu den Gründen gab es keine Angaben.
"Es bedeutet, dass das Ca Ses Monges jederzeit verkauft werden kann, vielleicht geschieht das gerade in diesem Moment, und das bereitet uns Sorgen", erläutert die Vorsitzende der Anwohnervereinigung, Bel Maria Pascual, im Gespräch mit der MZ. Denn einmal im Privatbesitz, sei das Gelände für die Dorfgemeinschaft endgültig verloren. "Sollte das Gebäude tatsächlich abgerissen und das Gelände für private Bauprojekte genutzt werden, würde der Ortskern einen der wenigen zentralen Räume verlieren, die tatsächlich geeignet sind, öffentliche Einrichtungen und Gemeinschaftsprojekte aufzunehmen“, so die Anwohner-Sprecherin.
Erfolgreiche Demonstration
"Seit die Nonnen das Kloster vor gut zehn Jahren verlassen haben, fordern wir, dass dort ein öffentliches Tageszentrum für die Senioren aus unserem Dorft entsteht", berichtet Pascual weiter. Immer wieder habe man dies beim Rathaus von Manacor angebracht, es gab zahlreiche Treffen, Pläne, Diskussionen. "Vor zwei Jahren schien es so, dass wir eine Einigung erzielt hätten, aber die Zeit vergeht und es gibt noch immer keinerlei Garantie, dass die Gemeinde die Grundstücke tatsächlich erwirbt. Und jetzt taucht zum ersten Mal seit Jahren wieder eine Verkaufsanzeige im Netz auf", so Pascual empört. "Es reicht nicht, wenn die im Rathaus stets ihren guten Willen bekunden, aber nicht zur Tat schreiten."
Aufgeben kommt für die Anwohner nicht infrage: Mit einer Pressemitteilung wandten sie sich angesichts des drohenden Privat-Kaufs nun an die Medien. "Und wir planen auch weitere Aktionen und Protestkundgebungen für die nächsten Wochen, wenn auch noch nicht mit festem Datum", betont Pascual. Dass solche Maßnahmen tatsächlich einen Verkauf abwenden können, haben die Anwohner Son Maciàs bereits erlebt: Vor gut zwei Jahren, als das Ca ses Monges zum letzten Mal öffentlich inseriert war, führten Demonstrationen und Öffentlichkeitskampagnen dazu, dass der damalige Käufer im letzten Moment doch Abstand nahm. "Dabei war es damals schon so gut wie verkauft gewesen", erinnert sich Pascual. Umso wichtiger sei es, auch diesmal wieder so lautstark wie möglich gegen einen Privataufkauf zu demonstrieren. "Mögliche Käufer von außerhalb können ja sonst gar nicht wissen, was es mit dem Ca ses Monges auf sich hat und welche Bedeutung es für das Dorf hat", so die Anwohnersprecherin.

Im Dezember 2024 protestierten rund 150 Menschen gegen den Verkauf von Ca ses Monges an eine Privatperson - mit Erfolg / AAVV
Im Zentrum des kollektiven Gedächtnisses
Ca ses Monges liegt nicht nur mitten im Dorf, sondern nimmt auch einen zentralen Platz im kollektiven Gedächtnis des Ortes ein. Vor rund einem Jahrhundert überließen Familien aus Son Macià die insgesamt sechs Grundstücke der Kirche, um das Kloster der Barmherzigen Schwestern zu errichten. "Es waren Spenden von Bewohnern, die aber an die Bedingung geknüpft waren, dass die Nonnen sich für das Dorf einsetzen. Leider gibt es keine Dokumente mehr darüber, die das beweisen. Offiziell gehören die Grundstücke daher bis heute der Hermandad de la Caridad", so Pascual. Über Jahrzehnte hinweg nahmen die Ordensschwestern ihre Rolle im sozialen, Bildungs- und Gesundheitsleben des Ortes ernst. "Sie betrieben einen Kindergarten, sorgten sich auch um Kranke", erinnert sich die Anwohnersprecherin.
Doch die Zeiten änderten sich, die Bedeutung der Ordensschwestern ließ nach. Vor mehr als zehn Jahren zogen die letzten Nonnen aus. Seitdem ist der Komplex ohne festgelegte Nutzung. "Der Schwesternorden hat laut der Papiere das Recht, die Grundstücke zu verkaufen, daran können wir nichts rütteln. Aber wir wollen eben, dass es das Rathaus ist, welches sie erwirbt, und das Ca ses Monges somit zurück in den Dorfbesitz bringt. Es ist Teil des Lebens vieler Generationen. Wir verlangen kein Privileg, sondern, dass dieser Ort auch in Zukunft dem Dorf dient", betont Pascual.
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