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Trotz Wohnungsnot: An der Playa de Palma verrotten sechs Sozialwohnungen

Das öffentliche Wohnungsbauinstitut Ibavi begründet die Nichtvergabe mit schweren Mängeln bei Statik und Brandschutz, die Architektin widerspricht

Das Gebäude ist seit zwei Jahren fertiggebaut, doch noch darf keiner in den Sozialwohnungen leben.

Das Gebäude ist seit zwei Jahren fertiggebaut, doch noch darf keiner in den Sozialwohnungen leben. / Miguel Vicens

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Miguel Vicens

Miguel Vicens

Auf Mallorca bräuchte es dringend bezahlbaren Wohnraum - doch der soziale Wohnungsbau wurde erst jahrelang vernachlässigt und kommt jetzt wenn überhaupt nur schleppend in Gang. Das jüngste Beispiel: In Palma sind sechs bereits fertiggestellte Sozialwohnungen seit rund zwei Jahren nicht vergeben worden. Das öffentliche Wohnungsbauinstitut Ibavi hat das Gebäude in dem Carrer Carbussó im Viertel La Ribera an der Playa de Palma bisher nicht an Mieter übergeben. Die balearische Landesregierung begründet die Verzögerung mit „schweren Mängeln“ bei Statik und Brandschutz. Die Architektin Àngels Castellarnau widerspricht: Sie habe das Gebäude „bezugsfertig“ übergeben.

Das Haus sollte eigentlich die Wohnungsnot auf Mallorca lindern. Stattdessen steht die kleine Sozialwohnungsanlage leer. Im Umfeld des Gebäudes wuchern Unkraut und Pflanzen bis an die Fassade. An einigen Türen sind Rostspuren zu sehen. Die Briefkästen quellen mit Post von dem Strom- und Wasseranbietern Endesa und Emaya über, die an das Ibavi adressiert ist. Türen zu Strom- und Wasserzählern wurden beschädigt und aufgebrochen.

Eine Nachbarin erzählt der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca", das Gebäude sei sehr schnell gebaut worden. „Danach wurde es aufgegeben. Und so steht es seit langer Zeit, fast zwei Jahre.“ Ein anderer Anwohner spricht von einer „Schande“, gerade angesichts der Wohnungsnot auf Mallorca.

Total verlassen: Der Sozialbau an der Playa.

Total verlassen: Der Sozialbau an der Playa. / Miguel Vicens

Landesregierung verweist auf Mängel

Die balearische Wohnungsbaubehörde erklärt, die Wohnungen könnten derzeit nicht übergeben werden. Es gebe eine Reihe „schwerer Mängel“, die technisch und juristisch geprüft würden. Man warte auf detaillierte Gutachten. Danach werde man die nötigen Maßnahmen treffen, damit die Wohnungen „mit allen Garantien“ vergeben werden könnten.

Die Architektin Àngels Castellarnau kann die Verzögerung nicht nachvollziehen. Castellarnau gilt in Spanien als wichtige Vertreterin der bioklimatischen Architektur, also einer Bauweise, die Klima, natürliche Belüftung und lokale Materialien berücksichtigt. Sie entwarf das Gebäude zusammen mit Josep Bunyesc. „Ich habe das Projekt bezugsfertig übergeben. Und seitdem hat mir niemand gesagt, dass es irgendein Problem gebe“, sagt sie.

Das Projekt war in der vergangenen Legislaturperiode unter der linken Vorgängerregierung auf den Weg gebracht worden. Im Mai 2022 legte die damalige Ministerpräsidentin Francina Armengol den den ersten Stein. Begleitet wurde sie vom damaligen Bürgermeister von Palma, José Hila, und dem damaligen Wohnungsminister Josep Marí. Fertiggestellt wurde der Bau nach dem Regierungswechsel unter der heutigen PP-Regierung. Bereits im Mai 2024 erklärte die Landesregierung gegenüber der dem "Diario de Mallorca", man warte noch auf den endgültigen Prüfbericht der Arbeiten. Einen Termin für die Übergabe nannte sie damals nicht.

Bau mit EU-Geld und lokalen Materialien

Das Gebäude kostete 660.990,37 Euro. Davon stammten 231.041 Euro aus den europäischen Next-Generation-Fonds. Der Inselrat steuerte weitere 108.000 Eurol bei. Die Bauzeit war ab Mai 2022 auf 15 Monate angesetzt.

An der Rückseite des Gebäudes verrottet die Holzverkleidung.

An der Rückseite des Gebäudes verrottet die Holzverkleidung. / Miguel Vicens

Castellarnau und Bunyesc planten das Haus als Beispiel für nachhaltiges Bauen mit lokalen Materialien. Die tragenden Mauern bestehen aus verdichteter Erde. Hinzu kommen Holz aus der Serra de Tramuntana und eine pflanzliche Schicht aus Posidonia, also Seegras. Die Wohnungen verfügen über natürliche Belüftung, Tageslicht und Zwischenräume, die Innen- und Außenbereiche verbinden sollen.

Der Anspruch des Projekts war, zu zeigen, dass öffentlicher Wohnungsbau mit geringer Umweltbelastung möglich ist. Doch bisher wohnen dort keine Mieter. Während auf Mallorca bezahlbarer Wohnraum fehlt, verfällt ein fertiggestelltes öffentliches Gebäude, bevor es überhaupt genutzt wurde.

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